Feuer in der City West

Feuer auf Dach des Europa-Centers - Ermittler suchen Ursache

Auf dem Dach des Europa-Centers in der Berliner City West ist ein Feuer ausgebrochen. 60 Feuerwehrmänner waren im Einsatz.

Feuer am Berliner Europa-Center

Nachdem eine brennende Holzkonstruktion auf dem Dach des Gebäudes in Brand geraten war, musste die Feuerwehr mit einem Großaufgebot anrücken.

Feuer am Berliner Europa-Center

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Auf dem Breitscheidplatz in Charlottenburg steht Ben und hält sein Smartphone in die Höhe. Der Tourist aus den USA ist sichtlich aufgeregt. „Das sieht aus wie damals am 11. September in New York“, sagt er. Um Ben herum stehen etliche andere, um das Schauspiel zu filmen: Feuer in der City West. Schnell wird sich herausstellen: Es gibt eine Gefahr, aber mit den Ereignissen vom 11. September hat das nichts zu tun.

Es ist kurz nach 14 Uhr, und aus dem Dach des Europa-Centers schlagen meterhohe Flammen. In dicken Schwaden treibt der Wind den Rauch Richtung Süden. Zehn Minuten vorher ist der Notruf bei der Feuerwehr eingegangen, im Minutentakt rollen jetzt die Einsatzfahrzeuge an. Oben brennt eine Dachterrasse.

Unten im Einkaufszentrum ist von den Ereignissen in 86 Meter Höhe noch wenig spürbar, sanfte Musik rieselt aus den Lautsprechern. Erst als die Polizei zwei Zugänge zur Tauentzienstraße verriegelt, die Sirenen immer lauter werden, merken die Besucher, dass etwas nicht stimmt.

Lea und Raquel Ofama wollten eigentlich nur eine Runde einkaufen. Als sie das Gebäude verlassen, wundern sie sich: Dunkelgraue Wolken wabern über ihren Köpfen, die zwei jungen Frauen halten sie für Regenwolken, denn es nieselt. Dann bemerken sie das Großaufgebot von Feuerwehr und Polizei. Mehrere Beamte sperren die Straße ab. Die jungen Frauen sehen: Auf dem Dach des Centers ist ein Feuer ausgebrochen. „Als wir rauskamen, liefen hinter uns immer mehr Menschen zum Ausgang“, sagt Lea Ofama. „Drinnen hat keiner was von dem Brand bemerkt“, ergänzt ihre Schwester.

Mitarbeiter im Hochhaus sind zunächst ahnungslos

Zu diesem Zeitpunkt wird das Hochhaus bereits evakuiert. Weil die Fahrstühle außer Betrieb sind, verlassen die Mieter des Gebäude über die zwei Treppenhäuser. Von der Hochhaushalle kommen sie über das Center zum Breitscheidplatz ins Freie. „Als wir am Einsatzort eintrafen, waren die obersten vier Etagen bereits seitens des Gebäudemanagements evakuiert worden. Aus Sicherheitsgründen haben wir dann auch die Evakuierung der übrigen Etagen veranlasst“, sagt Feuerwehrsprecher Bernd Bruckmoser. Man habe kein Risiko für die Menschen in dem Haus eingehen wollen. Zeitweise sind bis zu 70 Rettungskräfte im Einsatz. Auf der Tauentzienstraße kommt der Verkehr zum Erliegen.

Auch die Mitarbeiter im Hochhaus bemerken zunächst nichts von dem Brand. Denn ein Feueralarm bleibt aus. „Leute haben uns angerufen, wir haben rausgeguckt und dann den Rauch gesehen“, sagt Gottfried Kupsch, dessen Immobilienfirma ihren Sitz in der vierten Etage hat. Dennoch verläuft die Evakuierung ruhig und zügig. Eine Panik bleibt aus, es gibt keine Verletzten. Weil es nicht im Innern, sondern nur auf dem Dach brennt, hätten die Rauchmelder und Sprinkler im Innern nicht ausgelöst, sagt Center-Manager Uwe Timm. Er gehe im Moment davon aus, dass es sich um einen technischen Defekt als Brandursache handelt.

Der in Flammen stehende Bereich ist nach Feuerwehrangaben rund 50 Quadratmeter groß. Die Feuerwehrleute löschen mit Schaum, um Schäden durch Löschwasser in den Etagen unter dem Brand zu vermeiden. Dort ist über zwei Etagen die Diskothek „Puro Lounge“ untergebracht. Durch im Haus herabsickerndes Löschwasser werden bei einem Feuer häufig größere Schäden verursacht als durch die Flammen an sich. Nach ersten Angaben hält sich der Schaden im Europa-Center in Grenzen. Nach Angaben des Clubbetreibers Jan Schleife öffnet die „Puro Lounge“ wie gewohnt am Donnerstag wieder.

Gegen 14.35 Uhr sind auf dem Dach keine Flammen mehr zu sehen, die Rauchentwicklung nimmt ab. Um kurz nach 15 Uhr vermeldet die Feuerwehr, dass die Lage übersichtlich, aber noch nicht unter Kontrolle ist. Zwei Stunden soll es noch dauern. Denn in den oberen Etagen wird noch nach eventuellen Glutnestern gesucht. Die verbrannte Holzkonstruktion auf der Dachterrasse wird abgebaut, um zu sehen, ob es darunter noch lodert. Die ersten Feuerwehrmänner sind zu diesem Zeitpunkt bereits abgezogen.

Gepäck ohne Besitzer stiftet zusätzliche Verwirrung

Zeitgleich tritt ein neues Problem auf: Vor einem Fast-Food-Restaurant im Flachbau am Fuße des Gebäudes wird ein herrenloser Koffer gesichtet. Jetzt muss auch noch das Einkaufszentrum evakuiert werden. Der Filialleiter eines Elektronikmarkts versammelt seine Mitarbeiter auf dem Breitscheidplatz: „Wir treffen uns in dem Café dort drüben“, ruft er. Der Besitzer des Koffers taucht dann recht schnell auf, der Bereich bleibt aber trotzdem großräumig abgesperrt.

Um 15.40 Uhr meldete die Feuerwehr, dass der Brand gelöscht ist. Center-Manager Timm ist erleichtert: „Der Doppelschlag mit dem Feuer und dem Rucksack war zwar ein bisschen viel an einem Tag“, resümiert er, „aber zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen, und die Sachschäden halten sich in Grenzen.“ Das Europa-Center könne weiter genutzt werden, bis auf das Dach, wo sich die Terrasse der „Puro Lounge“ befindet. Es gebe zwar ein paar Wasserschäden in der 20. und 21. Etage, diese seien jedoch schnell zu beheben. Timm vermutet weiterhin einen technischen Effekt. Die genaue Brandursache wird von der Polizei ermittelt.

Wenig später gibt die Feuerwehr das Hochhaus bis zur 19. Etage wieder frei, die Menschen können in ihre Büros zurückkehren. Ab 16.50 Uhr rollt auch der Verkehr auf der Tauentzien-straße wieder. Alltag kehrt ein in der City West. Yassin hatte Glück: Er arbeitet im siebten Stock. Sein Chef hat ihm und den anderen Mitarbeitern für den Rest des Tages freigegeben.