Einschulung

Der Run auf die Berliner Grundschulen

Gemeinschafts- und Staatliche Europaschulen sind bei Eltern berlinweit besonders beliebt. am 14. Oktober endet die Anmeldefrist.

Greta und Carl mit ihren Schultüten

Greta und Carl mit ihren Schultüten

Foto: Amin Akhtar

Unter den Eltern der Vorschulkinder gibt es in diesen Tagen nur ein Thema: Welche Schule ist die richtige für mein Kind? Am 14. Oktober endet die Anmeldefrist für die künftigen Schulanfänger, bis dahin müssen sich die Eltern entschieden haben, ob sie die Schule im Einzugsgebiet oder eine andere Grundschule vorziehen.

Obwohl jedem Schulanfänger eine wohnortnahe Schule zugewiesen wird, geben die Eltern häufig Wechselwünsche an. Allerdings wird es mit zunehmenden Schülerzahlen immer schwieriger, einen Platz an der Wunschschule zu bekommen. Denn Kinder aus dem wohnortnahen Einzugsgebiet haben immer Vorrang. Frei vergeben werden können nur Plätze, die nicht durch Kinder im Einzugsgebiet belegt sind.

Kinder im Einzugsgebiet an Grundschulen bevorzugt

"Eine Prognose zu treffen, ob das Kind einen Platz an der Wunschschule bekommt oder nicht, ist praktisch unmöglich", sagte Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Schließlich gebe es viele Faktoren und diese würden sich von einem Schuljahr zum anderen ändern. Nicht nur die Zahl der Kinder im Einzugsgebiet sei ausschlaggebend, sondern auch der Beliebtheitsgrad der Schule, die Wechselfreudigkeit der Eltern insgesamt im Wohngebiet und auch die Zahl der Kinder, die von der Schulpflicht um ein Jahr zurückgestellt werden. Es gibt aber auch Schulen, die wegen ihrer großen Beliebtheit jedes Jahr wieder viel mehr Anmeldungen als Plätze haben.

Die meisten Wechselwünsche bei der Anmeldung der Kinder zum Schuljahr 2016/17 gab es nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung in Neukölln. Dort wollten 51,8 Prozent der Eltern ihre Kinder an einer anderen Schule als der zugewiesenen unterbringen. Das ging aus der Antwort der Verwaltung auf eine Kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervor. Besonders beliebt war demnach zum Beispiel die reformpädagogische Peter-Petersen-Schule. Auffällig in Neukölln war aber auch, dass viele Eltern versuchten, ihre Kinder an einer Schule außerhalb des Bezirks anzumelden. Das betraf laut Bildungsverwaltung 512 Schulanfänger.

An zweiter Stelle bei der Wechselfreudigkeit lag der Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Dort stellten 48,5 Prozent der Eltern bei der Anmeldung ihrer Schulanfänger den Antrag auf einen Wechsel an eine andere Grundschule. Ganz vorn rangierten dabei in allen Bezirken meist die Gemeinschaftsschulen und Staatlichen Europaschulen, die gar keine festen Einzugsgebiete haben.

Entscheidend ist der Ruf der Schule unter den Eltern

Wenn man von diesen Ausnahmen absieht, gab es in Tempelhof-Schöneberg die meisten Wechselwünsche in die Carl-Sonnenschein-Grundschule. Die Schule wirbt mit Englisch-Unterricht schon ab der ersten Klasse. Viele Anmeldungen von Kindern aus anderen Einzugsbereichen gibt es auch an der Werbellinsee-Grundschule. Die Schule bietet eine gebundene Ganztagsbetreuung für alle Kinder bis 16 Uhr. Das Kriterium allein kann jedoch nicht ausschlaggebend sein. Denn die Spreewald-Grundschule, ebenfalls eine gebundene Ganztagsgrundschule, hatte insgesamt nur 25 Anmeldungen auf 66 Plätze.

"Entscheidend für die Wahl ist meist der Ruf der Schule unter den Eltern. Dabei muss der gute oder schlechte Ruf aber nicht immer der Realität entsprechen", sagte der Elternsprecher Norman Heise.Waru

Auf Rang drei bei den Wechselwünschen folgt der Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Auch dort wollte mit 45,3 Prozent fast jeder zweite Schulanfänger an eine andere Wunschschule. Die meisten Wechselwünsche gab es an die Grundschule am Königsgraben. Auch diese Schule wirbt mit zusätzlichem Englisch-Unterricht.

In Reinickendorf wünschten sich 39,5 Prozent der angemeldeten Erstklässler eine andere Schule. An erster Stelle stand die Peter-Witte-Grundschule. Ausschlaggebend scheint der gebundene Ganztagsbetrieb zu sein. Allerdings gab es auch fast genauso viele Eltern, die von der Schule weg wechseln wollen. Weniger wechselfreudig waren die Eltern aus den östlichen Bezirken. In Marzahn-Hellersdorf etwa geben sich 80 Prozent der Eltern mit der zugewiesenen Schule im Einzugsgebiet zufrieden.

Im Zweifel entscheidet das Schulamt

Wenn es mehr Wechselwünsche als zu vergebene Plätze an einer Schule gibt, dann entscheidet das Schulamt. Wichtige Kriterien sind zum Beispiel, ob Geschwisterkinder oder andere enge Bezugspersonen schon an der Schule lernen oder ob eine besondere Fremdsprache oder ein spezielles pädagogisches Profil gewünscht ist.

Wenn der Wunsch abgelehnt wird, sollten die Eltern nicht zögern, gegen den Bescheid Widerspruch einzulegen, rät Landeselternsprecher Norman Heise. Häufig bewege sich in den letzten Wochen vor Schulbeginn noch etwas, weil doch noch Kinder an Privatschulen oder durch Umzüge in andere Bezirke wechseln. Der Schulplatz an der Schule im Einzugsgebiet bleibt auf jeden Fall sicher.

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