Berlin

Warum ein Landesbetrieb neun Tage Extra-Urlaub spendiert

Die Regelung kostet etwa eine halbe Million Euro. Sie ist Teil eines Ausgleichs infolge der Fusion der BIM mit dem Liegenschaftsfonds.

Berlin.  Die Mitarbeiter der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) haben in diesen Monaten alle Hände voll zu tun. Die landeseigene Gesellschaft muss unter anderem Unterkünfte für Tausende Flüchtlinge herrichten. Trotzdem wurde 250 Beschäftigten ein längerer Sonderurlaub gewährt. Neun Tage durften sie sich zusätzlich zu ihren 30 regulären Ferientagen erholen.

Die großzügige Regelung dürfte in Geld ausgedrückt etwa eine halbe Million Euro gekostet haben. Sie ist Teil eines Interessenausgleichs infolge der Fusion mit dem Liegenschaftsfonds. „Ich stehe dazu, wir brauchen auch Betriebsfrieden“, sagte BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss. Die Aufsicht führende Finanzstaatssekretärin Margaretha Sudhof sei von der Geschäftsführung informiert worden. Zum 1. März 2015 wurde die BIM mit dem Liegenschaftsfonds verschmolzen. Hintergrund war ein Kurswechsel der Berliner Politik.

Rot-Schwarz hatte das Ziel aufgegeben, landeseigene Grundstücke möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Diese Aufgabe hatte der 2001 gegründete Liegenschaftsfonds. Als sich die Zeiten änderten, sollten die 120 Mitarbeiter des Fonds in die BIM eingegliedert werden, die die landeseigenen Immobilien verwaltet und den Behörden gegenüber als Vermieter auftritt. Die BIM übernahm auch die restlichen Objekte aus dem Liegenschaftsfonds und ist nun für 4500 Gebäude und Grundstücke zuständig.

Starke Unterschiede bei den Arbeitszeitmodellen

In den Verhandlungen mit den Betriebsräten über die Fusion fiel dann auf, dass sich die Arbeitszeitmodelle in Liegenschaftsfonds und BIM stark unterschieden. Während bei der BIM etwaige Überstunden mit dem normalen Gehalt abgegolten waren, hatte der Liegenschaftsfonds offizielle Arbeitszeitkonten, zudem bekamen die Mitarbeiter anders als die BIM-Leute 13 Monatsgehälter. Auf den Konten hatten die 120 Beschäftigten des Fonds zahlreiche Überstunden angehäuft.

In den Interessenausgleichsverhandlungen mit dem Betriebsrat hätten die Belegschaftsvertreter zunächst darauf bestanden, ihr Modell auf das komplette neue Unternehmen auszuweiten, berichtete BIM-Chef Lemiss. Das Thema gelangte bis vor die Einigungsstelle des Landes. Dabei konnten die Fonds-Mitarbeiter Bestandsschutz durchsetzen.

Die Betriebsräte der alten BIM wiederum hätten auf eine Gleichbehandlung aller Beschäftigten gedrängt. Und Lemiss war daran gelegen, ein einheitliches Arbeitszeitmodell für seine gesamte Mannschaft zu etablieren. Und so einigte man sich schließlich, auch den seinerzeit 250 BIM-Mitarbeitern quasi die gleichen Überstunden zu gewähren wie den Kollegen aus dem Fonds, mit denen sie teils in den gleichen Teams zusammenarbeiten.

So kam es zu den neun Tagen oder fast zwei Wochen Sonderurlaub. Eine Eskalation, sagte der BIM-Chef, hätte es nicht geben dürfen: „Es waren zwei Schwestergesellschaften mit einer ähnlichen Historie und mit dem Land Berlin als Gesellschafter“, sagte der Manager. Die Alternative wäre gewesen, Beschäftigte mit viel Geld aus ihren Verträgen rauszukaufen. Angesichts dieser Ausgangslage seien die neun Tage Sonderurlaub „die günstigste Lösung“, sagte Lemiss.