Berlin-Mitte

Nach Schüssen auf BVG-Bus: 18-Jähriger wieder frei

Der Schütze griff am Tag nach dem Anschlag auf einen Linienbus erneut zur Waffe. Er wurde von einem SEK festgenommen.

Schüsse auf BVG-Bus am Berliner Alexanderplatz

Schüsse auf BVG-Bus am Berliner Alexanderplatz

Foto: Twitter

Möglicherweise wäre der Mann, der am Donnerstagabend mehrere Schüsse auf einen Linienbus am Alexanderplatz abgegeben hatte, nie ermittelt worden. Die Fahndung nach dem Täter glich zunächst der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Doch dann griff der Schütze nur einen Tag später erneut zur Waffe und brachte damit die Polizei auf seine Spur. Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) nahmen ihn fest, bei seiner Vernehmung hat der 18-Jährige ein Teilgeständnis abgelegt.

Wie eine Polizeisprecherin am Sonnabend mitteilte, hatten Anwohner der Karl-Liebknecht Straße in Mitte beobachtet, wie am Freitagnachmittag gegen 16 Uhr aus einer Wohnung mehrfach geschossen wurde. Sie alarmierten daraufhin umgehend die Polizei, die mit dem SEK und Beamten einer Einsatzhundertschaft anrückte und sich mittels eines richterlichen Beschlusses gewaltsam Zutritt zu der Wohnung verschaffte. Der Inhaber und mutmaßliche Schütze war nicht zu Hause, die Einsatzkräfte entdeckten allerdings eine ansehnliche Sammlung an Luftdruckwaffen.

Angeblich wollte der Schütze gar nicht treffen

Noch während der Durchsuchung erschien der 18-Jährige und ließ sich widerstandlos festnehmen. Schon in seiner ersten Vernehmung am Freitagabend räumte er ein, er habe am Abend zuvor aus einem seiner Gewehre Schüsse abgegeben und dabei „möglicherweise“ einen Bus getroffen. Beabsichtigt habe er das allerdings nicht. Auf die Frage, was den 18-Jährigen dazu veranlasste, wahllos Schüsse abzugeben und dabei die Gefährdung von Menschen in Kauf zu nehmen, hat die Polizei bislang noch keine Antwort bekommen. „Auch wenn mir für solche Aktionen jegliches Verständnis fehlt, war es für uns durchaus Glück, dass der Mann am helllichten Tag nochmals schoss und wir ihn dadurch festnehmen konnten“, sagte die Polizeisprecherin.

Wie berichtet war ein Bus der vor allem bei Berlin-Touristen beliebten Linie 100 am Donnerstagabend an der Haltestelle Spandauer Straße/Nikolaikirche von insgesamt sechs Schüssen getroffen worden. Die Schüsse prallten Polizeiangaben zufolge in Kopfhöhe der Insassen gegen die Scheiben des Busses, durchdrangen sie allerdings nicht. Verletzt wurde daher niemand, Waffenexperten sprachen allerdings nach Bekanntwerden des Falles davon, dass die Schüsse bei etwas größerer Durchschlagskraft der Waffe Schlimmes hätten anrichten können.

Die Suche nach dem Täter gestaltete sich zunächst schwierig. Die Schüsse auf den Bus waren in der Dunkelheit abgegeben worden, brauchbare Zeugen fanden sich anfangs nicht. Die Ermittler fanden auch keine Geschosse am Tatort, mit denen sich die Schussbahn und zumindest der ungefähre Standort des Schützen ermitteln ließ. So kam den Ermittlern letztlich die sonderbare Angewohnheit des 18-Jährigen, wahllos in der Gegend herumzuschießen, zugute.

Gegen den Mann wird wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung ermittelt. Geprüft wird zudem, ob ein Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorliegt. Der Schütze wurde nach seiner Vernehmung wieder entlassen.