Berlin

Lichtblick für den BER

Behörde genehmigt Umbau der Brandschutzanlage – Flughafenchef hält Eröffnung 2017 weiter für möglich

Gudrun Mallwitz
und Thomas Fülling

Das Projekt eines neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld (BER) konnte eine wichtige Hürde nehmen. Nach monatelangen Prüfungen hat das Bauordnungsamt Dahme-Spreewald den Umbau der Brandschutzanlage im Terminal genehmigt. Der zuständige Dezernent Chris Halecker händigte die Bestätigung des sogenannten 5. Nachtrags zur BER-Baugenehmigung am Donnerstag in Königs Wusterhausen an Flughafenchef Karsten Mühlenfeld aus.

Die Frage, wann der neue Großflughafen nun endlich in Betrieb geht, ist damit allerdings noch immer nicht beantwortet. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld erklärte in einer ersten Reaktion, dass er zunächst die Konsequenzen prüfen muss, die sich aus der Genehmigung ergeben. Er werde aber das Ziel einer Eröffnung des BER Ende 2017 weiter verfolgen. Am heutigen Freitag will sich der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft erneut mit dem Zeitplan für die Fertigstellung des BER beschäftigen.

Die fehlende Funktionstüchtigkeit der Brandschutztechnik gilt als Hauptgrund für die mehrfach gescheiterte Eröffnung des BER. Die hochkomplexe Anlage ist bereits in drei unabhängige Teile zerlegt worden, Hunderte Räume im Terminal sind zudem zusätzlich angeschlossen. Letzte notwendige Arbeiten, wie etwa dem Errichten eines zusätzlichen Schachtes zur Belüftung, können jedoch erst nach Vorliegen der Baugenehmigung ausgeführt werden.

Der 66 Ordner umfassende Antrag mit dem Brandschutzkonzept sowie die zusätzlichen 19 Ordner mit Prüfunterlagen beinhalten vor allem die baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Veränderungen an der Entrauchungsanlage. Die notwendigen Eingriffe und Nutzungsänderungen erstrecken sich laut Bauordnungsamt über nahezu alle Geschosse der Fluggastterminals.

Ursprünglich hatte die Flughafengesellschaft auf eine Genehmigung des 5. Nachtrags bis Ende Mai gehofft. Später hieß es, die Zustimmung der Behörde müsse Ende August vorliegen, damit der Flughafen Ende 2017 in Betrieb gehen kann. Doch im Prüfverfahren tauchten immer neue Fragen und Anforderungen auf. So musste die Flughafengesellschaft unter anderem nachweisen, dass bei einem Brand im Zwischengeschoss des Terminals keine giftigen Gase in den unterirdischen Bahnhof gelangen und die dort wartenden Reisenden gefährden können. Gemeinsam mit dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) und der Deutschen Bahn sei nun eine genehmigungsfähige Lösung gefunden worden, heißt es nun. „Damit ist die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH in die Lage versetzt, die Entrauchungsanlagen fertigzustellen und die erforderlichen Prüfläufe zu starten“, sagte der zuständige Baudezernent Halecker.

Eine weitere Baugenehmigung steht aber noch aus

Den Mitarbeitern der Bauaufsichtsbehörde bleibt indes nicht viel Zeit zum Durchatmen. Denn es steht noch ein weiterer Nachtrag zur Baugenehmigung aus. Dort sind all die genehmigungsrelevanten Restarbeiten zusammengefasst, die nicht den Brandschutz betreffen.

Die Flughafengesellschaft hat bereits für Anfang November einen umfangreichen Austausch bereits vorliegender Unterlagen für den sogenannten 6. Nachtrag angekündigt. Landrat Stephan Loge hatte wiederum erklärt, dass die Genehmigung dafür bis Ende des Jahres vorliegen könnte. Ein Zeitpunkt könne aber nicht vorhergesagt werden.

Erst nach Abschluss aller wichtigen Bauarbeiten kann der Probebetrieb am BER beginnen. Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld sprach mit Blick auf die nun erfolgte Genehmigung des 5. Nachtrags von einer „guten Nachricht“. Die „gute Zusammenarbeit“ zwischen Bauordnungsamt, EBA, Bahn und Flughafengesellschaft habe sich ausgezahlt. „Die Tatsache, dass die Unterlagen jetzt vorliegen, zeigt uns, dass es richtig ist, das Ziel der Eröffnung des BER Ende 2017 nach wie vor weiter zu verfolgen.“

An diesem Freitag berät der Flughafen-Aufsichtsrat erneut über den Baufortschritt am neuen Flughafen. Bereits vorab hatte Mühlenfeld jedoch erklärt, dass er dem Gremium noch keinen Vorschlag für einen Eröffnungstermin unterbreiten könne. Zunächst müsste gründlich geprüft werden, welche Konsequenzen sich aus der Behörden-Genehmigung für den Bau noch ergeben. Mühlenfeld geht inzwischen davon aus, dass der BER baulich erst Anfang nächsten Jahres fertiggestellt sein wird. Dann stehen noch umfangreiche Abnahmen an. Um den BER dennoch 2017 eröffnen zu können, soll etwa die auf sechs Monate kalkulierte Erprobungszeit um vier bis sechs Wochen verkürzt werden.

Eigentlich sollte der drittgrößte deutsche Flughafen schon seit fast fünf Jahren in Betrieb sein. Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme verhindern jedoch seither die Eröffnung. Der Kostenrahmen ist seit dem ersten Spatenstich von 2,0 auf 6,5 Milliarden Euro gestiegen, was auch an umfangreichen Erweiterungen des Projekts liegt.