Berlin

BSR fordert klare Spielregeln beim Verpackungsmüll

Berlin.  Die 1991 erlassene Verpackungsverordnung verkehrt ihr Ziel, Rohstoffe zu sparen, teilweise ins Gegenteil. Denn die Menge der Kunststoffverpackungen hat sich in den vergangenen 25 Jahren auf zwei Millionen Tonnen verdoppelt, wobei Deutsche mit 231 Kilogramm pro Einwohner und Jahr Europameister sind. Diese ernüchternden Zahlen nannten die Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR), Tanja Wielgoß, und die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Katherina Reiche. Mehr noch: Nur ein Fünftel dieser Abfälle aus der gelben Tonne werden demnach zu neuen Kunststoffen wiederverwertet. 80 Prozent würden in Fabriken verbrannt, erklärten Wielgoß und Reiche. Das Umweltbundesamt nennt nur einen Verbrennungsanteil von 53 Prozent.

Sie untermauerten damit ihre Forderung nach einem neuen Verpackungsgesetz. Beim vorliegenden Entwurf seien Nachbesserungen notwendig, sagten Wielgoß und Reiche. Die BSR-Chefin bescheinigte der Entsorgungswirtschaft ein Glaubwürdigkeitsproblem. Die Kritik richtet sich unter anderem gegen eine geplante Zentralstelle, die lizenzierte Verpackungsmengen kontrollieren soll. In diesem Gremium sollen Hersteller und Händler sitzen. „Das ist so, als würde der Schiedsrichter von einer Mannschaft gestellt“, sagte Tanja Wielgoß.

Reiche sprach sich für eine einheitliche Gestaltung der Hausmüllentsorgung aus – mit gleichen Standards bei der Hausmüll- und der Verpackungsentsorgung. Das allerdings stößt auf Widerstand des Berliner Entsorgungsunternehmens Alba. „Wir möchten nicht, dass Kommunen vorschreiben, wie duale Systeme den Verpackungsabfall einsammeln“, sagte Alba-Sprecher Henning Krumrey. „Von der groben Richtung her ist das Gesetz gut. Besser wäre ein Gesetz gewesen mit einer bundesweiten Wertstofftonne nach Berliner Vorbild, mit der wir gute Erfahrungen gemacht haben. Dafür gab es leider keine Einigung mit den Kommunen.“

Auch Alba-Sprecher Krumrey sieht Probleme bei der Mülltrennung – bei sogenannten Fehlwürfen, die auch von der BSR-Chefin Tanja Wielgoß beklagt werden. Ein Joghurtbecher mit Aludeckel ist beispielsweise nicht sortenrein und wird also verbrannt. Trennt der Verbraucher den Deckel vom Becher, werden beide Teile wiederverwertet.