Vor die U-Bahn gestoßen - Beschuldigter gesteht vor Gericht

Hamin E. soll die 20-Jährige Amanda K. vor eine U-Bahn gestoßen haben. Im Prozess gesteht er die Tat. Er fühlte sich verfolgt.

Zwei Rosen sind an einem Geländer im Berliner U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz befestigt. (Quelle: dpa/Paul Zinken)

Zwei Rosen sind an einem Geländer im Berliner U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz befestigt. (Quelle: dpa/Paul Zinken)

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Der Beschuldigte im Fall der vor die U-Bahn gestoßenen Amanda K. hat am Mittwoch vor dem Berliner Landgericht gestanden. Wie die Gerichtssprecherin sagte, bestätigte Hamin E., am Abend des 19. Januar 2016 die 20-Jährige im U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz vor die einfahrende U-Bahn gestoßen zu haben. Es sei aber nicht seine Absicht gewesen, sie zu töten.

Demnach erzählte der 29-Jährige, dass er seit 2010 an Verfolgungswahn leidet. Seit dieser Zeit werde er von zwei Personen verfolgt. Am Tattag sei er den Personen in Berlin wieder begegnet. Er habe sie an einer Ampel, später am U-Bahnhof gesehen. "Ich hielt das eine Mädchen, das ich vor die U-Bahn schubste für eine Verfolgerin", sagte der Beschuldigte.

Ein Stoß vor die U-Bahn beendete Amandas Leben

Dem Gericht sagte er: "Stellen Sie sich vor, die spucken mich zwei Wochen lang als Obdachlosen an. Da war einfach viel Wut in mir." Des Weiteren sagte er, zwei bis drei Wochen vor der Tat seine verschreibungspflichtigen Medikamente nicht genommen zu haben, da er sich diese nicht habe leisten können.

Der in Hamburg geborene und aufgewachsene Mann befand sich zu dem Zeitpunkt erst seit zwei Stunden in Berlin. Er soll einen Tag vor dem Verbrechen aus einer psychiatrischen Klinik in Hamburg entlassen worden sein - wegen „fehlender akuter Eigen- und Fremdgefährdung“.

Bereits in Hamburg habe er sich von zwei Personen verfolgt gefühlt, sagte der 29-Jährige am zweiten Verhandlungstag. Er sei deshalb nach Berlin gefahren. Nach seiner Ankunft habe er erfolglos versucht, einen Schlafplatz in einer Obdachlosenunterkunft zu bekommen. Auf dem U-Bahnhof sei er aggressiv geworden, weil er sich erneut verfolgt gefühlt habe. „Ich wollte der Frau nur sagen, dass sie nicht mit in die U-Bahn steigen soll.“ Er habe das Mädchen nur zur Seite schubsen wollen.

Doch auf die Nachfrage, warum der Beschuldigte das Opfer vor eine einfahrende Bahn stieß und ob ihm klar war, welche Folgen diese Tat nach sich ziehe, schwieg Hamin E.

Ein Festhalten war nicht notwendig

Ein weiterer Zeuge, Thomas P. (50), der ebenfalls am Mittwoch vor dem Landgericht aussagte, beschreibt die Tat anders. Nach seiner Aussage soll der Beschuldigte Anlauf genommen haben. Dann habe er das Opfer "mit vollem Körpereinsatz" und mit beiden Händen direkt vor die einfahrende U-Bahn gestoßen. Amanda K. wurde von dem Zug überrollt und war sofort tot. Der Täter sei nach der Attacke „ruhig, fast erleichtert weggegangen“, sagte die Lebensgefährtin des Zeugen. Beiden fiel es sichtbar schwer, über die Tat zu sprechen. „Ohne Verdrängung kommt man damit nicht klar“, bemerkte die Frau.

Nach der Tat habe der Beschuldigte einen gefassten und ruhigen Eindruck gemacht, so Thomas P. Anstatt weg zu laufen, sei er in Richtung Ausgang gegangen. Jemand habe gerufen, man solle den Täter fest halten. Doch das sei nicht nötig gewesen, erzählt Thomas P. Als ein Mann dem Beschuldigten den Weg versperrte, sei er einfach stehen geblieben. Dann habe er an der Treppe bis zum Eintreffen der Polizei gewartet.

"Man hat es sich einfach gemacht"

Der 29-Jährige befand sich seit Jahren häufig in psychiatrischen Einrichtungen. Zudem sei er durch Straftaten aufgefallen, erklärte Rechtsanwalt Roland Weber als einer der Anwälte der Nebenklage. Viele Verfahren seien 2015 in Hamburg wegen Schuldunfähigkeit eingestellt worden. „Man hat es sich einfach gemacht“, meinte Weber.

Die Richter müssen entscheiden, ob Hamin E. wegen seiner psychischen Erkrankung schuldunfähig ist und ob er dauerhaft in den Maßregelvollzug (die geschlossene Gefängnispsychiatrie) eingewiesen werden muss. Der Prozess wird am 11. Oktober fortgesetzt.

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