Streit um Tweet eskaliert

Schüsse, Taser, Morddrohung: SPD streitet heftig wegen Lauer

| Lesedauer: 3 Minuten
Anker Jens
Der ehemalige Piratenpolitiker Christopher Lauer steht vor einem Wahlplakat der SPD

Der ehemalige Piratenpolitiker Christopher Lauer steht vor einem Wahlplakat der SPD

Foto: Paul Zinken / dpa

Nach dem Streit mit der Polizeigewerkschaft, äußern sich nun auch SPD-Mitglieder zu dem Tweet von dem Ex-Piraten Christopher Lauer.

Umstrittene Äußerungen des ehemaligen Piraten-Abgeordneten und Neu-Sozialdemokraten Christopher Lauer werden keine Konsequenzen haben. „Ich freue mich immer über mehr aktive Mitglieder in der SPD Pankow“, sagte Kreischef Knut Lambertin am Dienstag. „Ich bin zuversichtlich, dass wir mit Lauer eine Verstärkung bekommen haben.“ Lauer ist in die SPD-Abteilung Mauerpark eingetreten. Am Dienstagabend fand die offizielle Begrüßung des 32-Jährigen statt, bei der er auch sein Parteibuch erhielt.

Der Streit um Lauer war am Wochenende eskaliert. Lauer hatte der Polizei indirekt unterstellt, mit Absicht auf Menschen zu schießen, um die Anschaffung der „Taser“, die Angreifer bewegungsunfähig machen, zu beschleunigen. „Langsam entsteht bei mir der Eindruck, die @Polizeiberlin schießt jetzt so lange jede Woche auf einen Mann mit Messer, bis der Taser da ist“, hatte Lauer auf dem Social-Media-Kanal Twitter geschrieben und war dafür heftig kritisiert worden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete Lauer als „Politclown“. Mario Reimann, SPD-Mitglied aus Pankow, nannte den Ex-Piraten „Vollpfosten“ und zog einen unangemessenen Vergleich zum ehemaligen Piraten Gerwald Claus-Brunner, der vor zwei Wochen zunächst ein Stalking-Opfer und dann sich selbst getötet hatte. Es sei schade, dass sich Claus-Brunner nicht für Lauer interessiert habe, schrieb Reimann.

Das ging der Kreischefin der SPD in Mitte und Bundestagsabgeordneten, Eva Högl, zu weit. „Das ist eine Morddrohung“, sagte sie und empfahl Lauer eine Strafanzeige gegen den Pankower SPD-Mann. Inzwischen hat Reimann sich entschuldigt und den geschmacklosen Twitter-Beitrag gelöscht, zudem sei er von seinem Amt als Seniorenbeisitzer der SPD-Abteilung Mauerpark zurückgetreten, hieß es.

Ex-Pirat Lauer zankt sich mit der Polizei

Damit ist die Angelegenheit für die SPD Pankow erledigt. Weder die Aussage Lauers, noch die Antwort Reimanns seien akzeptabel, so Lambertin. Aber da beide keine Funktionen in der Partei ausübten, seien auch keine Konsequenzen notwendig.

Lauer versteht die Aufregung um seine Person nicht. „Ich habe die Entschuldigung von Herrn Reimann angenommen“, sagte Lauer am Dienstag. Damit sei die Angelegenheit für ihn erledigt. „Ich habe bei den Piraten miterlebt wie es ist, wenn man sich ständig gegenseitig beschimpft, ich habe kein Interesse daran, dass das jetzt in der SPD so weiter geht“, sagte Lauer. Angesichts von vier Schussabgaben der Polizei in vier Wochen, davon eine mit Todesfolge, müsse man als Abgeordneter fragen dürfen, ob da was schief laufe.

Lauer trat vor zwei Jahren bei den Piraten aus

Bis zur Konstituierung des neuen Berliner Abgeordnetenhauses Ende Oktober ist Lauer weiter Parlamentarier. Er war vor zwei Jahren aus der Piratenpartei ausgetreten und hatte kurz vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 18. September seinen Eintritt bei den Sozialdemokraten angekündigt. Unmittelbar nach der Wahl hatte ihn die SPD Pankow aufgenommen.

Mit seinem umstrittenen Beitrag hatte sich Christopher Lauer gegen den vermeintlich häufigeren Schusswaffengebrauch bei der Berliner Polizei gewandt. Zuletzt war es innerhalb weniger Tage zwei Mal zum Waffeneinsatz gekommen.