Berlin

Geschichte hinter einem Stolperstein

Die Cecilien-Grundschule hat das Leben einer jüdischen Familie nachgezeichnet

Auf dem Titel ist die Zeichnung eines kleinen Mädchens mit schwarzen Zöpfen, einer Spange im Haar und großen ängstlichen Augen zu sehen. Es zeigt Susi, die Hauptfigur in dem Bilderbuch „Susi – Die Enkelin aus Haus Nummer 4“, das entstanden ist, weil sich Schüler und Lehrer der Cecilien-Grundschule mit den Geschichten der Menschen beschäftigt haben, die sich hinter den elf Stolpersteinen am Nikolsburger Platz in Wilmersdorf verbergen.

Einer der Stolpersteine erinnert an Gertrud Cohn, die Großmutter von Susi Collm, die in dem Haus am Nikolsburger Platz 4 lebte. Gertrud Cohn wurde 1942 von den Nationalsozialisten nach Theresienstadt deportiert und später in Treblinka ermordet. Bomben zerstörten schließlich das Haus 1944. Susi, ihrer Mutter Steffy und ihrem Vater Ludwig gelang es mithilfe von Freunden und vielen Helfern, in verschiedenen Verstecken zu überleben.

Schon seit vielen Jahren beschäftigt sich die Schule mit dem jüdischen Leben, das den Kiez einst geprägt hat. „Die Schule war vor dem Krieg noch ein Lyzeum“, sagt Schulleiterin Marianne Könnecke. Rund die Hälfte der Schülerinnen sei jüdischen Glaubens gewesen. „Wir wollten mehr über die Menschen wissen, die hier gelebt haben“, sagt Könnecke. Gemeinsam mit den Schülern gebe es regelmäßig Projekttage, die sich mit der jüdischen Geschichte der Stadt beschäftigen.

Birgitta Behr hat aus den Ergebnissen, die im Rahmen von Schülerprojekten entstanden sind, und aus Erzählungen von Zeitzeugen ein Buch geschrieben. Es ist mit Zeichnungen eindrücklich illustriert. „Wir wollten mit der Geschichte der Susi Collm Kindern vermitteln, was in der Zeit passiert ist und ihnen Material geben, das sie die Lebenswelt dieser Zeit nachvollziehen lässt“, sagt die Lehrerin. „Uns fehlte im Unterricht immer geeignetes Material, um Kindern Empathie für andere und friedlichen Umgang mit anderen zu lehren“, so Behr.

Das sieht auch Schulstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) so: „Wir müssen die Frage beantworten: Wie erzählen wir unsere Geschichte, wenn die letzten Zeitzeugen gestorben sind.“ Dieses Projekt sei politische Bildung im besten Sinne. Auch ein „Geschenk“ hatte der Stadtrat zur Präsentation mitgebracht: „Das Bezirksamt wird 60 Exemplare kaufen und sie den anderen Schulen des Bezirks ans Herz legen.“

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