Berlin

Vattenfall steigt 2017 in Klingenberg aus der Kohle aus

Energiekonzern sichert die Fernwärmeversorgung mit Gas

Noch vor wenigen Monaten musste sich der schwedische Energiekonzern Vattenfall von Klimaschutz-Aktivisten beschimpfen lassen, weil er erst 2020 die Strom- und Wärmeproduktion aus Braunkohle im Kraftwerk Klingenberg auslaufen lassen wollte. Am Dienstag nun überraschte Vattenfall mit der Ankündigung, den Kraftwerksblock doch schon am 24. Mai 2017 abschalten zu wollen. Das spart Berlin pro Jahr 1,2 Millionen Tonnen Kohle und 600.000 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß ein und Vattenfall senkt seine Emissionen des Klimagases um knapp zehn Prozent.

Vattenfall-Wärme-Vorstand Gunther Müller sagte, es sei gelungen die mit Gas betriebene Alt-Anlage in Klingenberg schneller als erwartet so zu ertüchtigen, dass sie zusammen mit einer neuen Anlage in Marzahn die 300.000 Fernwärme-Haushalte im Berliner Osten für die nächsten Jahre übernehmen kann. Das sei ein wichtiger Schritt für die Wärmewende in Berlin und ein Meilenstein für die Klimaschutzvereinbarung, sagte Müller.

Der Manager begründete die Entscheidung mit einem „Lernprozess“ innerhalb des Unternehmens. Man gebe solche Ausstiege wie beim Heizkraftwerk an der Rummelsburger Bucht erst dann bekannt, wenn genaue Daten feststünden. 2009 hatte der Konzern im Rahmen der Klimaschutzvereinbarung mit dem Senat Daten für Ausstiegs­szenarien und den Bau neuer Gas-Anlagen genannt. Dabei war für Klingenberg das Ende der Kohle-Ära 2016 angekündigt worden. Weil zwischenzeitlich die Strompreise stark gesunken seien, hätten die Pläne aber insgesamt angepasst werden müssen, begründet Vattenfall.

Auf dem Kraftwerksgelände an der Köpenicker Chaussee ist nach dem Aus für die Kohle mehr Platz, sagte Müller. Vattenfall will Flächen für sein Gardening-Projekt bereitstellen und für eine kombinierte Gemüse- und Fischzucht.

Müller kündigte eine weitere Großinvestition an. Beim Kraftwerk Reuter in Spandau soll bis 2020 Deutschlands größte Power-to-Heat-Anlage entstehen. Der überdimensionale Tauchsieder, in dem Wasser mit ansonsten überschüssiger Windenergie erhitzt wird, hat eine Leistung von 100 Megawatt, das reicht für Wärme für 30.000 Haushalte. Ein Steinkohle-Block im Kraftwerk Reuter wird 2020 abgeschaltet, die beiden verbleibenden bis 2030.

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