Bildung in Berlin

Berlin braucht dringend Flächen für neue Schulen

Tausende neue Schulplätze werden in den kommenden Jahren benötigt. Um das zu bewältigen, muss der Senat handeln, sagen die Experten.

Tausende Schulplätze werden in den nächsten Jahren in Berlin benötigt. Um das zu schaffen, muss der Senat vorausschauend Planen, so die Experten

Tausende Schulplätze werden in den nächsten Jahren in Berlin benötigt. Um das zu schaffen, muss der Senat vorausschauend Planen, so die Experten

Foto: Marijan Murat / dpa

Der neue Berliner Senat muss dringend weitere Flächen für Neubauten oder Erweiterungen von Schulen finden und für die Bildung reservieren. Denn ohne zusätzliche Anstrengungen werden in den kommenden Jahren Schulplätze in fast allen Bezirken und in allen Schulformen fehlen. Das geht aus der neuen Schulentwicklungsplanung des Senats hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Die Experten rechnen darin vor, welche Kapazitäten notwendig sind, um in den kommenden vier bis fünf Jahren rund 70.000 Schulplätze zusätzlich zu schaffen. Die Kosten für diese Plätze hatte eine SPD-Arbeitsgruppe jüngst auf 2,7 Milliarden Euro geschätzt.

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Auch für die Gymnasien, in denen es rechnerisch für ganz Berlin heute noch viele freie Plätze gibt, droht ohne zusätzliche Unterrichtsgebäude in den nächsten fünf Jahren ein Defizit. Deshalb gelte, dass sowohl für die Sekundarschulen als auch für die Gymnasien „weitere potenzielle Standorte identifiziert werden müssten“, heißt es in dem Senatspapier.

Engpässe zeichnen sich trotz vieler fest geplanter Erweiterungen und Neubauten vor allem bei den Grundschulen ab. Obwohl die Kapazitäten deutlich steigen werden, sorgt die schneller wachsende Kinderzahl nach den Erkenntnissen der Experten von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bis zum Schuljahr 2021/22 für ein Defizit von 105 Zügen. Als einen Zug bezeichnen die Bildungsplaner die aufeinanderfolgenden Jahrgangsklassen. Die meisten Grundschulen sind drei- oder vierzügig, haben also jeweils drei oder vier Parallelklassen pro Jahrgang.

In vielen Bezirken droht der Notstand

Vor allem in den Bezirken Pankow, Mitte, Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg droht Notstand bei den Grundschulen, hier fehlen zum Teil jeweils mehr als 20 Züge. Das wären rein rechnerisch sechs bis sieben Schulen je Bezirk. Andere Bezirke wie Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf werden den Experten zufolge auch künftig genügend Grundschulplätze für die Kinder anbieten können. In den vier darauffolgenden Jahren bis 2024/25 hofft die Senatsbildungsverwaltung, das Defizit durch weitere Neubauten reduzieren zu können. Insgesamt sind bisher für die Zeit nach 2022 in Grundschulen 49 zusätzliche Züge im Bestand und 70 in 23 neuen Schulen vorgesehen.

Auch für die Berliner Sekundarschulen, in denen Haupt- und Realschulen aufgegangen sind, werden bis zum Jahr 2021/22 55 Züge hinzukommen, die Finanzierung dafür sei gesichert, heißt es. Dennoch zeichnet sich hier ein erheblicher Mangel von rund 58 Zügen ab.

Die Gymnasien benötigen ebenfalls neue Räume. Die Planer wollen sich dafür vom Prinzip der regionalen Verteilung verabschieden. Neue Oberschulstandorte wollen sie künftig danach auswählen, ob sie für die Jugendlichen verkehrlich gut erreichbar und zeitnah verfügbar sind.