Umwelt

Haubentaucher und Menschen in Ruderbooten

Welche Nutzung verträgt der Schäfersee? Naturschützer sind besorgt um den aktuellen Zustand und die Zukunft des Gartendenkmals.

Foto: Amin Akhtar

Drei kleine Entenküken watscheln ihrer Mutter hinterher, nur eins tanzt aus der Reihe. Es bleibt stehen, dreht sich um und springt von einer Mauer hinab ins Wasser. Am Ufer des Schäfersees sitzen die ersten Spaziergänger auf der Bank und beobachten den kleinen Ausreißer. Auf dem Spielplatz toben schon die Kinder. Auf dem See schaukeln Ruderboote. Nichts deutet darauf hin, dass man sich um den See Sorgen machen müsste. Und doch beschäftigt das Gewässer gerade die Reinickendorfer Bezirksgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) und das Abgeordnetenhaus. Auch das Bezirksamt plant neue Projekte am Schäfersee.

Es geht um Zustand und Zukunft des 1929 geschaffenen Gartendenkmals Schäferseepark. Wie entwickelt sich die Wasserqualität? Welche Nutzung des Sees ist erlaubt? Wie kann er ein Biotop für Haubentaucher und Eisvogel bleiben und gleichzeitig der Naherholung dienen? Fragen, die Silke Gebel, umweltpolitische Sprecherin der Grünen, und Marion Platta (Linke) an das Abgeordnetenhaus gestellt haben.

Ungereinigtes Regenwasser verschmutzt den See

In das 4,2 Hektar große Gewässer münden fünf Regenwasserkanäle. „Das ist ein klassisches Problem – durch das Regenwasser ist der See enorm verschmutzt“, sagt Silke Gebel. Mehr als zwei Millionen Euro habe es bereits gekostet, einen Teil des Schmutzes herauszunehmen. Tatsächlich wurde der Schäfersee im Rahmen der Gewässerunterhaltung in den Jahren 2013 und 2014 in den Uferbereichen entschlammt. Bis Ende 2016 soll die Wirkung beobachtet werden. Das Ergebnis werde Grundlage für die Entscheidung sein, welche weiteren Maßnahmen für den Schäfersee notwendig sein, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher.

Darauf wollen die Grünen und die Nabu-Bezirksgruppe nicht warten. „Wir fordern, dass das Regenwasser vorher gereinigt oder zurückgehalten wird“, sagt Gebel. Bereits jetzt gebe es Bereiche im See, in denen nicht genügend Sauerstoff sei. Die Linken-Abgeordnete Marion Platta wurde von besorgten Reinickendorfern angesprochen. „Sie haben Angst, dass die Qualität der Anlage nicht aufrechterhalten werden kann“, sagt die Politikerin.

Der Nabu fordert, dass der Bootsverkehr eingestellt wird

Aber nicht nur die Wasserqualität, sondern „die Übernutzung des Sees von immer mehr Menschen“ mache ihr Sorgen. Seit einiger Zeit können von einem kleinen Steg aus Bootsfahrten über den See unternommen werden. Dass kleine Fahrzeuge ohne Motoren nicht genehmigungspflichtig sind, hätte sie überrascht, sagt Marion Platta.

Der Nabu-Bezirksverband fordert dennoch, dass der Bootsverkehr eingestellt wird. „Der See ist viel zu klein und zu eng für Bootsfahrten“, sagt Mitglied Anton Kulmus. „Der Bootsverleih ist verträglich mit der Umwelt und dem Denkmalschutz“, sagt hingegen der zuständige Stadtrat Martin Lambert (CDU). Dennoch sollen der Park und der Schäfersee aufgewertet werden und vor allem die Uferstreifen besser geschützt werden. 2017 und 2018 sei zudem ein Landschaftsplanerischer Wettbewerb für den Schäfersee und seine Grünflächen geplant.