Verkehr

Ein Netzwerk für Frauen

Der Transportindustrie fehlen Fachkräfte. Eine Berliner Unternehmerin will die Frauen der Branche zusammenbringen und für MINT-Berufe werben

Das orangefarbene Kleid würde überall auffallen. Zwischen Hunderten dunklen Anzügen und Businesskostümen aber ist es geradezu ein optischer Magnet. Es war nicht geplant. Obwohl, „etwas Farbe kann unsere Branche vertragen“, sagt Larissa Zeichhardt lachend. Anstoß geben will sie jedenfalls: Auf der Verkehrstechnik-Messe InnoTrans organisierte die Unternehmerin den ersten Ladies Lunch. So etwas gebe es doch wohl längst, hatte man bei Berlin Partner gesagt. Die Wirtschaftsförderer hatte Zeichhardt ebenso wie die Industrie- und Handelskammer Berlin, das Enterprise Europe Network und den Verband deutscher Unternehmerinnen mit ins Boot geholt. „Aber“, sagt Zeichhardt, „es gibt so etwas in der Branche nicht.“

Nur 22 Prozent aller Mitarbeiter in Europas Transportindustrie sind weiblich. Noch weniger Frauen gibt es mit 14 Prozent bei Straßenbau und Schienentechnik. In der EU stellen Frauen nur 17,5 Prozent der Beschäftigten im Öffentlichen Personennahverkehr, weniger als ein Zehntel davon in der Technik. „Für uns Frauen ist es wichtig, Netzwerke zu stärken und damit der ganzen Branche zu nützen“, sagt Zeichhardt selbstbewusst. „Der Fachkräftemangel ist bekannt. Wir müssen den Frauen zeigen, dass es hier interessante Jobs gibt.“

Mit diesem Anliegen steht sie nicht allein. Ebenfalls auf der InnoTrans stellte das Bündnis Allianz pro Schiene sein Frauennetzwerk vor, ins Leben gerufen von Bombardier-Managerin Susanne Kortendick. Bei ihrem Grußwort sprach Kortendick aber auch den „rauen Ton der Branche“ an. Sie kenne die Angst, von Männern nicht ernst genommen zu werden, erzählt Zeichhardt. Dabei hatte sie es noch leicht: Dass sie und ihre drei Schwestern die früher in Spandau, heute an der Revaler Straße in Friedrichshain angesiedelte Firma LAT für Fernmelde- und Funkanlagen, Montagen sowie Tiefbau rund ums Gleis übernehmen würden, hatte für Unternehmensgründer Heinz Laternser außer Frage gestanden. Eine Familien-Charta hielt Eckpunkte für die Nachfolge fest, lange bevor der Senior 2014 starb. Arabella Laternser, die Zweitälteste, war da längst in die Firma hineingewachsen. Zeichhardt aber hatte nach dem Studium der Kommunikationstechnik im Ausland gearbeitet. „Als mein Vater starb, bin ich sofort zurückgekommen“, sagt die heute 35-Jährige. Arabella Laternser und sie teilten sich die Geschäftsführung des Familienbetriebs. Die 150 Mitarbeiter zogen mit.

Mit dem Ladies Lunch hofft Zeichhardt Multiplikatoren für das Werben um Weiblichkeit an der Schiene gewonnen zu haben. Anmeldungen gab es international und so viele, dass einigen abgesagt werden musste. Die Deutsche Bahn kündigte bereits an, das Treffen des Frauennetzwerkes „Ladies Lunch“ fortzuführen.

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