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AfD diskutiert über homophobe Kommentare

„Gendefekt, degeneriert“: Der Abgeordnete Kay Nerstheimer soll schwulenfeindliche Einträge auf Facebook gepostet haben.

Der Berliner AfD-Vorsitzende Georg Pazderski (r.) mit der Bundes- vorsitzenden Frauke Petry und anderen Parteifunktionären

Der Berliner AfD-Vorsitzende Georg Pazderski (r.) mit der Bundes- vorsitzenden Frauke Petry und anderen Parteifunktionären

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Der Fall des neu gewählten AfD-Abgeordneten Kay Nerstheimer sorgt weiter für Debatten: Nach den Enthüllungen über seine Vergangenheit in der rechtsradikalen „German Defence League“ ist im Internet ein schwulenfeindlicher Kommentar aufgetaucht, der von Nerstheimers Facebook-Konto erstellt wurde. Darin heißt es: „Sorry, aber es hat schon seinen Sinn, das sich Homosexuelle nicht vermehren können, so löscht die Natur Fehler im Programm.“ Der Nutzer Kay Nerstheimer schreibt weiter: „Gendefekt, degeneriert, egal wie man es dreht, es ist schlicht und ergreifend widernatürlich!“ Und: „Vor so etwas muß man Kinder SCHÜTZEN!!!“

Der Kommentar wurde im Dezember 2014 als Antwort auf einen Eintrag der Berliner AfD-Vorsitzenden und Europa-Parlamentarierin Beatrix von Storch erstellt. Dass er von einer anderen Person stammt, erscheint unwahrscheinlich. Denn die Angaben und Einträge auf dem Facebook-Konto des Nutzers „Kay Nerstheimer“ passen zu der Biografie und dem Profil des AfD-Abgeordneten. Nerstheimer hatte Berichten über Einträge auf dem Konto zudem nie widersprochen. Auf eine Anfrage antwortete er am Dienstag nicht.

Beratung über möglichen Partei-Ausschluss

Die AfD-Abgeordneten wollten am Dienstag auf ihrer nicht-öffentlichen konstituierenden Fraktionssitzung über einen möglichen Ausschluss Nerstheimers beraten. Es dürfte heftige Diskussionen gegeben haben. Moderatere Abgeordnete fürchten, dass Nerstheimer das Image der AfD beschädigen könnte und würden den 1964 geborenen gelernten Maurer gerne aus der Fraktion ausschließen.

Der rechte Flügel dürfte das angesichts der Medienberichte dagegen als Zeichen des Einknickens vor der „Systempresse“ ablehnen. Gründe für einen Ausschluss Nerstheimers gibt es genug. Auf dem Facebook-Konto hetzt der Autor gegen „Polithuren der BRD“. Außerdem gibt es Verweise zu rechten Verschwörungstheorien über die „wahren“ Verursacher des Ersten Weltkrieges und zum „Bund Deutscher Patrioten“ – einer Art Bürgerwehr, deren Anhänger unter dem Motto „Unser Land kriegt ihr nicht“ darüber schimpfen, „fremd im eigenen Land“ zu sein. Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus 2011 trat Nerstheimer zudem für die islamfeindliche Partei „Die Freiheit“ an.

Ex-Mitglied der rechtsradikalen „German Defence League“

Unbestritten ist auch seine frühere Mitgliedschaft bei der rechtsradikalen „German Defence League“, die er – so ein Internet-Eintrag – zur „Miliz“ ausbauen wollte. „Im Krieg sucht man sich die Seite aus, mit der man am meisten übereinstimmt und dann kämpft man so gut man eben kann“, heißt es. Und: „Wer uns den Krieg erklärt hat, steht wohl außer Frage.“ In AfD-Kreisen heißt es, damit seien „die Muslime“ gemeint, und Nerstheimer habe sich in der Partei wiederholt islamfeindlich geäußert.

Für Debatten sorgten Nerstheimers Äußerungen und frühere Verbidungen schon wenige Monate nach seinem Eintritt in die AfD im März 2013. Interne Mails zeigen, dass auch die Parteiführung informiert wurde. Ein Ordnungs- oder Ausschlussverfahren leiteten die Funktionäre dennoch nicht ein.

Zum Ergebnis der Fraktionssitzung wollte sich am Dienstagabend keiner der angefragten AfD-Abgeordneten äußern. Nerstheimer selbst hatte in einer Mail am Montag lediglich behauptet, „kein Rechtsradikaler“ zu sein. Zudem beschwerte er sich über die Medien. Zitat: „Bisher hat sich ja auch jeder etwas ausgedacht und geschrieben.“

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