Stadtentwicklung

US-Firma baut neues Wohnquartier am Südkreuz

Bisher lag die Schöneberger Seite des Bahnhofs Südkreuz weitgehend brach. Jetzt entstehen dort 530 Wohnungen samt Tiefgarage und Kita.

Der Investor Hines hat das 21.500 Quadratmeter große Grundstück an der Gotenstraße gekauft. Die Architektur soll noch überarbeitet werden

Der Investor Hines hat das 21.500 Quadratmeter große Grundstück an der Gotenstraße gekauft. Die Architektur soll noch überarbeitet werden

Foto: Hines / BLR Projektplan

Bislang ist die Gegend auf der Schöneberger Seite des Bahnhofs Südkreuz noch ein wüstes Durcheinander aus abgeräumten Kleingärten, einem Recyclinghof und Gewerbeflächen, zwischen denen es eine Schule und einen Sportplatz gibt. Doch das soll sich ändern. Ein 21.500 Quadratmeter großes Stück der sogenannten Schöneberger Linse hat einen neuen Eigentümer: das US-amerikanische Unternehmen Hines. Mit einem deutschen Immobilienfonds, teilte Hines am Dienstag mit, wolle man schnellstmöglich mit dem Bau eines neuen Stadtquartiers beginnen. Geplant sind 530 Mietwohnungen, eine Kita sowie Gewerbeeinrichtungen.

Die Schöneberger Linse ist neben dem benachbarten Euref-Areal am Gasometer das wichtigste Entwicklungsgebiet im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Das insgesamt 53 Hektar große Gelände zwischen Ringbahn und Sachsendamm ist hervorragend an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie auch an die Stadtautobahn A100 angeschlossen und soll zu einem attraktiven Quartier mit insgesamt bis zu 1500 neuen Wohnungen, Restaurants, Büros, Geschäften und einem Hotel ausgebaut werden.

Das US-amerikanische Unternehmen Hines, das in Berlin bereits bekannte Adressen wie das Geschäftshaus „die Mitte“ auf dem Alexanderplatz errichtet hat und aktuell gerade an der Joachimsthaler Straße in der City West ein sechsgeschossiges Büro- und Geschäftshaus hochzieht, will mit dem „Wohnpark Südkreuz“ erstmals „ein Wohnquartier in Deutschland realisieren“, sagte Joachim Wintzer, Chef der Hines Immobilien GmbH, der Berliner Morgenpost.

Rund 130 Millionen Euro will Hines dort investieren

Rund 130 Millionen Euro wolle man investieren. Und Lars Huber, stellvertretender Geschäftsführer von Hines Europe, ergänzte: „Der Grundstückskauf in Berlin und die damit verbundene Entwicklung des ,Wohnparks Südkreuz‘ ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesamtstrategie zur Entwicklung von Mietwohnungsprojekten an mehreren europäischen Standorten.“ Gegenwärtig realisiere Hines auch Mietwohnprojekte in Irland und in den Niederlanden. In Deutschland hat Hines bereits verschiedene Projekte für Eigentumswohnungen entwickelt.

Auf dem Grundstück, das Hines nun erworben hat, sollen anders etwa als an dem von Hines auf dem Alexanderplatz geplanten 150 Meter hohen „Hines-Tower“, keine Eigentums-, sondern ausschließlich Mietwohnungen entstehen. Geplant sind dabei 53.000 Quadratmeter Geschossfläche, die sich auf rund 530 Mietwohnungen unterschiedlicher Größe verteilen sollen. Die Pläne sehen großzügige Familienwohnungen, kleine Studentenappartements und Seniorenwohnungen vor. „Wir bauen keine Luxuswohnungen, sondern werden dem Standort entsprechend das mittlere Marktsegment bedienen“, sagte Wintzer. Die genaue Miethöhe stehe derzeit noch nicht fest.

Gemäß dem „Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung“ werden 25 Prozent der Wohnungen, also etwa 130, als mietpreisreduzierte Sozialwohnungen errichtet. Darüber hinaus werden eine Kindertagesstätte mit 50 Plätzen, eine Tiefgarage mit etwa 200 Stellplätzen und Gewerbeeinrichtungen für den täglichen Bedarf entstehen. „Neben den Grünflächen sind auch Gemeinschaftsflächen vorgesehen, auf denen man sich zum nachbarschaftlichen Barbecue treffen oder Sport treiben kann“, so Wintzer weiter. Zudem sollen den Mietern E- Bikes bereitgestellt werden.

Die Fertigstellung des Wohnparks ist für Mitte 2019 vorgesehen

„Wir wollen mit dem Bau beginnen, sobald der Bebauungsplan festgesetzt ist und wir die Baugenehmigung bekommen“, nennt Wintzer den zeitlichen Rahmen. Er rechne damit, dass im ersten oder zweiten Quartal kommenden Jahres die Bagger anrollen können, so der Investor weiter. Die Fertigstellung des Wohnparks ist für Mitte 2019 vorgesehen.

Dem Terminplan des Investors steht nach Auskunft von Tempelhof-Schönebergs Baustadträtin Sibyll Klotz (Grüne) nichts im Weg. Die ersten Hürden, darunter die frühzeitige Bürgerbeteiligung, habe der Vorhabenbezogene Bebauungsplan bereits 2015 genommen. „B-Plan-Verfahren dauern etwa zwei Jahre, das ist bei der Größe und Bedeutung des Projektes Schöneberger Linse auch vertretbar“, so die Baustadträtin. Immerhin handele es sich um das wichtigste und größte im Bezirk.

Hines hat den Wohnpark Südkreuz nicht selbst entwickelt, sondern das Bauvorhaben von der Projektgesellschaft Wohnpark „Südkreuz“ Berlin-Schöneberg GmbH erworben. Nicht Bestandteil des Kaufs ist der unmittelbar an der Ecke Gotenstraße und Tempelhofer Weg gelegene Backsteinbau. Das unter Denkmalschutz stehende, ehemalige Bewag-Gebäude verbleibt im Besitz der Projektentwickler. „Die Architektur der von uns übernommenen Planung wollen wir noch optimieren“, sagt Hines-Chef Wintzer. Noch sei es aber zu früh, Details zu nennen. Bei der Kubatur der Gebäude solle es aber bleiben.

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