Weltkulturerbe

Große Neugierde auf die "Kleine Neugierde" im Schlosspark

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Katrin Starke

Foto: Sophia Kembowski / dpa

Feuchtigkeit hatte dem zum Unesco-Welterbe gehörenden Bau der Hohenzollern zugesetzt. Jetzt ist er saniert worden.

Vom Fenster des Pavillons aus unauffällig das Leben und Treiben auf der Chaussee nach Potsdam zu beobachten, das gefiel Prinz Carl und seiner Frau Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar-Eisenach (1808–1877). „Ganz im Geheimen haben das Paar und seine Gäste ihre Neugierde gestillt“, erzählt Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Anekdoten der Hohenzollernhistorie.

Nicht umsonst habe sich für den 1825 von Karl Friedrich Schinkel umgestalteten Teepavillon die Bezeichnung „Kleine Neugierde“ durchgesetzt. Der Zweite Weltkrieg machte dem Rückzugsort im Schlossgarten Glienicke fast den Garaus. Granateneinschläge zerstörten bis zu 40 Prozent des Gebäudes, zudem nutzten Plünderer die Wirren nach 1945.

Nun ist der Glanz zurück. „Dank der Cornelsen Kulturstiftung, einem langjährigen Unterstützer von Sanierungsprojekten der Schlösserstiftung“ betont Dorgerloh. 330.000 Euro hat die von Ruth Cornelsen 1996 gegründete Stiftung bereitgestellt, um das „Juwel im Schlosspark“ wieder auf Vordermann zu bringen.

Das Innere der „Kleinen Neugierde“ darf nur zu Sonderführungen betreten werden

Keine Frage, dass zur „Wiedereröffnung“ am Dienstag Ruth Cornelsen mit Tochter Andrea persönlich vorbeischaut. Nicht zuletzt auch, weil künftig das Innere der „Kleinen Neugierde“ nur zu Sonderführungen betreten werden kann. Ein Besuch, der sich jedoch lohne, wirbt Dorgerloh. Der Teepavillon sei bester Beleg für die Sammelleidenschaft des Prinzen. „Der stand darin seinem Ahnen, Friedrich dem Großen, in nichts nach.“

Beide Hohenzollern hätten ihre militärischen Ambitionen mit der Liebe zur Kunst kombiniert. Prinz Carl erwarb Etliches an Antikem aus Italien. „In der Kleinen Neugierde ließ er antike Mosaiken, Marmor- und Wandmalereispolien in Fußboden und Wand einbauen und die Renaissance-Arkade aus Florenz.“ Überreste von Reliefs, Skulpturen, Friesen oder Grabinschriften – wie das Teilstück der Grabgravur der Amme von Hadrian, die in die Seitenwand des Pavillons integriert ist.

„Hier spiegelt sich eine Zeitspanne von 1000 Jahren – von der Antike bis ins 19. Jahrhundert“, schwärmt der SPSG-Chef. „Experten konnten im Zuge der Restaurierung nachweisen, dass es sich tatsächlich ausschließlich um Originale handelt.“ Stiftungsrestauratorin Ute Joksch bestätigt: „Unser Labor konnte bei den Wandmalereien das Pigment Ägyptisch Blau nachweisen.“ Ehemals unter anderem aus Kalk, Quarzsand und Kupfermineralen hergestellt, sei es in der Zeit der früheren ägyptischen Dynastien und in der Antike häufig verwendet worden. „Mit Beginn der Völkerwanderung gerieten Pigment und Herstellungsverfahren in Vergessenheit“, sieht Joksch darin den Beleg für die antike römische Herkunft.

Schinkel brachte weder Regenrinne noch Fallrohre am Gebäude an

Stefan Gehlen plagten seit Projektbeginn 2013 andere Sorgen. „Ich führe den Kampf gegen Regen, Wasser und Feuchtigkeit“, sagt der Baudenkmalpfleger. Dass Schinkel weder Regenrinne noch Fallrohre anbrachte, hätte dem Gebäude schwer zugesetzt. Das die Außenwände hinabrinnende Regenwasser habe die Fassade durchtränkt, die Mosaiken beschädigt.

Weitere Erschwernis: Die Kleine Neugierde steht am tiefsten Punkt des Parks – dort, wo sich das Wasser sammelt. „Der Pavillon wurde also nicht nur von oben, sondern auch von unten angegriffen.“ Gehlen ließ „Tropfenabspritzer“ anlöten, Sperrzonen im Unterbau einziehen, das Gelände gestalterisch verziehen, Drainagen verlegen. „Wir werden sehen, ob wir Erfolg haben“, sagt er.