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Bewusster einkaufen: Kleine Läden an die Macht

Die Smartphone-App „Findeling“ ist eine Suchmaschine für kleine Geschäfte. Nach Hamburg und Köln ist sie nun auch für Berlin verfügbar.

Foto: David Heerde

Es ist ein Internet-Netzwerk für den lokalen Handel und stellt sich Online-Riesen wie Amazon oder Ebay entgegen: Die App „Findeling“ ist eine Suchmaschine für kleine Geschäfte von engagierten Inhabern und für Kiez-Läden, deren Sortiment einzigartig ist. Die App bietet Inhabern eine Plattform, um ihre Waren online zu präsentieren. Nutzer können die Läden mit Hilfe der App leicht finden und lokal einkaufen. „Findeling“ ist nach Hamburg und Köln nun auch kostenlos für Berlin erhältlich. Neben Craft Beer oder regionalen Bioläden ein weiterer Trend in Richtung Individualität und bewusstem und nachhaltigem Konsum.

„Wenn ich in der Stadt bin, frage ich mich oft, warum so viele Pakete ausgeliefert werden. Viele Städte sind fast verstopft mit Lieferwagen“, sagt die 26-jährige Katharina Walter, die die Idee zu der App während des Studiums hatte. Für die Hamburgerin gibt es genug Gründe, nicht online zu bestellen, sondern bei inhabergeführten Geschäften einzukaufen. Sie rattert es energisch herunter, fast ohne dazwischen Luft zu holen: „Es macht Spaß, bewusst zu kaufen. Die Kleidung ist hochwertig produziert. Man spart Transportwege für Paketwagen, man kann sich nett im Laden unterhalten, man kann Stoffe anfassen, die richtige Größe auswählen und die Sachen direkt mit nach Hause nehmen.“

Aus dieser Überzeugung kratzte sie mit ihrem Freund während des Studiums das nötige Geld zusammen, um eine GmbH zu gründen. 25.000 Euro liehen sich der Informatiker Florian Schneider und die Wirtschaftspsychologin von Familie und Freunden. Beide machten die Idee, eine Online-Plattform für kleine Geschäfte zu gründen, zum Thema ihrer Abschlussarbeit. Seit einem Jahr gibt es die App, seit September auch für Berlin. Das Motto: „Kleine Läden an die Macht“.

Wer sich die App herunterlädt, kann online sehen, was es offline zu kaufen gibt. Geschäfte in unmittelbarer Nähe werden automatisch angezeigt. Bestimmte Marken lassen sich ebenso suchen wie vegane, Bio- oder Fairtrade-Produkte. Auch unter den Gütesiegeln: „Jungdesigner aus Berlin“ oder „Handgemachtes“. 60 der 150 Geschäfte, die mit Findeling in der Hauptstadt gestartet sind, führen ein eigenes Label. Wer Lieblingsgeschäfte gefunden hat, kann sie speichern, ihnen folgen und Angebote erhalten. Außerdem hat sich das Findeling-Team virtuelle Shoppingrouten ausgedacht.

Bewusstsein für nachhaltiges Leben ist gewachsen

Die kleinen Geschäfte müssen allerdings erst gefunden werden. Dazu streifen Ladenscouts durch die Stadt und spüren Läden auf, die ins Konzept passen. In Berlin übernimmt Isabel Bleienheuft diese Aufgabe. „Ich mache mir morgens einen Plan, suche Straßen heraus und gehe dann einfach los“, so die 26-Jährige. Die Inhaber empfangen Isabel Bleienheuft mit offenen Armen: Nachdem sie ihnen das Konzept von Findeling erklärt habe, seien viele begeistert und sofort bereit, mitzumachen. 70 bis 200 Euro Aufnahmegebühr zahlen die Ladenbesitzer. Je nachdem, ob sie für die in der App verwendeten Ladenfotos einen Fotografen von Findeling buchen wollen oder zum Beispiel die Premium-Funktion „Produkt zurücklegen“ für ihren Shop aktivieren möchten.

Auf einer Erkundungstour durch Kreuzberg landete Bleienheuft im Laden von Catrin Soldo, Vesna Zaneta und Karoline Ahner. In ihrem Shop „of/Berlin“ bieten die drei regionale Alternativen zu üblichen Souvenirs aus der Hauptstadt an. „Findeling passt genau in unser Konzept“, sagt Catrin Solde. Für die 29-Jährige ist die App ein Sprachrohr für die Inhaber kleiner Geschäfte, die sich mit Amazon und Co. erst gar nicht vergleichen lassen wollen: „Wir sind uns bewusst, dass unsere Nische im lokalen Angebot liegt. Wir bieten ausgewählte Produkte, guten Service und Beratung.“ Bei vielen jungen Menschen komme das gut an, meint die ehemalige Marketing Managerin. „Das Bewusstsein für ein nachhaltiges Leben ist gewachsen, die Menschen wollen wieder regionale Dinge kaufen, Sachen, die sie anfassen können, die echt und authentisch sind.“

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