Kriminalstatistik

Wo Autodiebe in Berlin am häufigsten zuschlagen

Die Täter wollen in den meisten Fällen schnell flüchten: Daher sind Gegenden mit guter Anbindung an Autobahnen besonders beliebt.

Rahnsdorf: Polizisten haben drei Autodiebe festgenommen (Archivbild)

Rahnsdorf: Polizisten haben drei Autodiebe festgenommen (Archivbild)

Foto: Abix

Autodiebstahl ist weiterhin ein lukratives Geschäft für die Kriminellen. Bei der Jagd nach den Tätern geht die Polizei inzwischen schon ungewöhnliche Wege. Auf ihrem Facebook-Profil veröffentlicht sie ein Foto von einem vermissten Renault Mégane. Das Auto sei am Dienstag, den 30. August 2016, in Lichterfelde verschwunden, heißt es in dem Post. Nun bitten die Beamten Facebook-Nutzer um Hinweise. Das Auto trägt auffällige Schriftzüge, die Windschutzscheibe ist mit dem Schriftzug „Krasse Karre“ verziert. Die Nachricht wurde rund 600 Mal geteilt, rund 90 Kommentare wurden hinterlassen, bis jetzt ohne Erfolg.

Berlin bleibt eine Hochburg der Autodiebe, wie die Kriminalstatistik seit Jahren belegt. 6.692 Kraftfahrzeuge wurden demnach im vergangenen Jahr gestohlen, 28 mehr als 2014.

Der Kriminalitätsatlas der Polizei zeigt, wo sich die lukrativsten Gegenden für die Kriminellen befinden. Die tatsächlichen Fälle wurden dazu auf 100.000 Einwohner hochgerechnet, wodurch sich die jeweilige sogenannte Häufigkeitszahl (HZ) ergibt. Das statistisch höchste Risiko, ihr Auto nicht mehr auf dem Parkplatz vorzufinden, haben Fahrzeugbesitzer demnach in Plänterwald mit 474 entwendeten Wagen pro 100.000 Einwohner, in Alt-Hohenschönhausen Süd (410), in Friedrichsfelde Nord (371) und in Haselhorst (370). Danach folgen Kurfürstendamm (345), Schmargendorf und Marzahn Süd (jeweils 343) sowie Prenzlauer Berg Nord (320).

Ost-Teil der Stadt bei Dieben besonders gefragt

„Täter bevorzugen äußere Bezirke und möglichst eine gute Verkehrsanbindung, sodass sie schnell aus der Stadt verschwinden können“, erläutert eine Sprecherin der Polizei die Statistik. Auch auf Bezirksebene hat der Osten mit Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf die höchste Häufigkeitszahl, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf, wo Bereiche wie der Kurfürstendamm, Heerstraße, Westend und Charlottenburg-Nord auch wegen der großen Zahl teurer Autos gute Gelegenheiten zum Diebstahl bieten.

Östliche Stadtbereiche sind besonders für Autodiebe aus Osteuropa beliebt. Sie wollen mit ihrer Beute möglichst schnell nicht nur die Stadt-, sondern auch die Staatsgrenze im Osten hinter sich lassen. 13,7 Prozent der Taten wurden 2015 aufgeklärt und 498 Tatverdächtige ermittelt. „75,3 Prozent der Tatverdächtigen waren Nichtdeutsche, mehr als jeder zweite ermittelte Tatverdächtige hatte die polnische Staatsangehörigkeit“, teilt die Polizei mit.

Bevorzugt gestohlen werden nach der Polizeistatistik Fahrzeuge der Marken VW, Audi, BMW und Mercedes. „Überproportional häufig – gemessen an ihren relativ geringen Zulassungszahlen – wurden Fahrzeuge der Marken Range Rover und Jaguar gestohlen“, teilt die Polizei mit.

Wegfahrsperren stellen für Profis kaum noch ein Hindernis dar

Hat der Dieb sich für ein Auto entschieden, geht es meist sehr schnell. Das Türschloss wird aufgebrochen oder die Scheibe eingeschlagen. Elektronische Wegfahrsperren stellen für Profis kaum noch ein großes Hindernis dar. Sie haben Geräte, um die Wegfahrsperren zu überwinden. Sie werden auf dem Schwarzmarkt zusammen mit entsprechender Software verkauft.

Die Täter agieren in der Regel hochprofessionell, gehen arbeitsteilig vor und sind Teil der organisierten Kriminalität. Dies zeigt der Fall einer polnischen Gruppe, deren Beutezug sie kürzlich einmal quer durch die Stadt führte: Zwischen den Flughäfen Tegel und Schönefeld stoppten sie mehrfach, brachen Autos auf und fuhren weiter. Die „geknackten“ Fahrzeuge sollten später von Komplizen weggefahren werden. Was die Kriminellen jedoch nicht wussten: Die Polizei war stets in ihrer Nähe.

Polizei empfiehlt Schlösser für die On-Board-Diagnosebuchse

Polnische Beamte observierten die acht Männer und Frauen, als sie im Nachbarland aufbrachen. An der deutschen Grenze übernahmen Fahnder aus Berlin die Observation. Die Polizei war den Serien-Autodieben auf die Spur gekommen und hatte nur noch auf deren nächste Tour gewartet. In der Tatnacht wurden die neun Verdächtigen auf frischer Tat festgenommen. Sie warten nun auf ihren Prozess.

Zum Schutz vor Autodieben empfiehlt die Polizei Lenkradkrallen oder Schlösser für die On-Board-Diagnosebuchse, über die nicht nur von Werkstätten Fahrzeugdaten ausgelesen, sondern auch die Wegfahrsperre manipuliert oder sogar neue Schlüssel für das Auto programmiert werden können.