Pflanzen

Eine neue Chefin für das Museum im Botanischen Garten

Der Botanische Garten in Dahlem hat eine neue Leitung fürs Museum. Patricia Rahemipour über Projekte, die sie in Zukunft realisieren will.

Patricia Rahemipour will das Museum im Botanischen Garten modernisieren

Patricia Rahemipour will das Museum im Botanischen Garten modernisieren

Foto: David Heerde

Zweimal musste die Stelle ausgeschrieben werden. Der Botanische Garten in Dahlem brauchte eine neue Leitung für das Museum. In der ersten Runde wurde in der Anzeige ein Botaniker für den Posten gesucht. Kandidaten gab es genug, doch keiner der Bewerber schien geeignet zu sein, das mehr als 100 Jahre alte Botanische Museum in das 21. Jahrhundert zu führen. In der zweiten Runde wurde die Zielgruppe erweitert. Der Bewerber sollte nun Erfahrungen aus dem Museumsbereich mitbringen. Das war die Chance für Patricia Rahemipour.

Ausstellungen organisieren, Wissen für ein breites Publikum aufbereiten, Museen und Kultureinrichtungen vernetzen – das alles hatte die 44-Jährige viele Jahre lang schon gemacht. Nur Botanikerin war sie nicht. Statt seltene alte Pflanzen zu bestimmen, hat sie sich als Archäologin um alte Siedlungen gekümmert. Sie bekam dennoch die Stelle und ist jetzt die neue Leiterin des Botanischen Museums und der Abteilung Wissenskommunikation. Damit unterstehen ihr nicht nur die Ausstellungen, sondern auch das Archiv, die Bibliothek und der hauseigene Verlag.

Die Einführungsvorlesung für Botaniker an der Freien Universität hat sie bereits hinter sich. „Ich kann mich für alles begeistern“, sagt die neue Chefin, die im Ruhrgebiet aufgewachsen ist und heute im Prenzlauer Berg wohnt. Das sei auch manchmal anstrengend gewesen, weil sie sich ständig entscheiden musste. Jetzt ist es eben die Botanik. Pflanzen findet sie wichtig. Dass man Büropflanzen verbiete, finde sie „eine Frechheit“. Das Grün gehöre dazu.

„Es ist schön, in einem Museum zu arbeiten, in dem die Objekte leben“

Ihr Lieblingsplatz im Botanischen Garten liegt ein paar Schritte hinter dem Museum. Im Wasserpflanzengarten steht eine Bank auf der sie gern ihre Mittagspause macht und die sie auch an diesem sonnigen Vormittag auswählt. Mit dem Blick auf die Farne sagt sie: „Es ist schön, in einem Museum zu arbeiten, in dem die Objekte leben.“

Eigentlich wollte sie Kinderärztin werden. Das habe sie fachlich interessiert, erzählt sie. Doch während des Studiums hat sie gemerkt, dass sie sich „als Mensch zu sehr verbiegen müsste“. Es wäre ihr schwergefallen Berufliches und Privates zu trennen, sie sei wohl zu mitfühlend für den Beruf.

Geschichte fand sie auch spannend, aber zu wenig praktisch. So kam sie zur Archäologie. Münster, Berlin, Oslo und Bochum sind die Stationen ihres Studiums. In ihrer Doktorarbeit schrieb sie über „Archäologie im Scheinwerferlicht“ und untersuchte, wie das Thema im Stummfilm dargestellt wurde. Multithematisch ging es in ihrem Leben weiter: Sie wurde Coach und lehrte Führungskräften die richtige Kommunikation, parallel dazu organisierte sie Ausstellungen für das Deutsche Archäologische Institut (DAI), unter anderem im Pergamonmuseum. Ihr Vater ist Perser – einmal war sie auch für eine Ausstellung iranischer Archäologie verantwortlich.

„Ich bin allergisch gegen den erhobenen Zeigefinger“

Jetzt ist die Welt der Forschungsmuseen ihr Thema. Die seien meist nur für die Fachwelt und Experten gemacht, bemerkt sie. Als zu wissenschaftlich bezeichnen auch die Besucher in einer Umfrage die Ausstellung im Botanischen Museum. Wer kennt schon Kryptogame? Moos kennt jeder. „Ich bin allergisch gegen den erhobenen Zeigefinger“, sagt die Museumsleiterin. Jeder Zwang, jede Lehrhaftigkeit führe nur zum Vergessen. „Die Besucher sollen glücklich den Botanischen Garten verlassen“, formuliert sie ihren Anspruch.

Sie will das Museum nicht neu erfinden, nur neu sortieren. „Es ist zauberhaft – nur aus der Zeit gefallen.“ Zuletzt sei es in den 70er-Jahren saniert worden. „Es stellt nicht die Fragen, die ein Besucher stellt, sondern ein Student“, sagt Patricia Rahemipour. Heute müssten die großen Fragen der Biologie beantwortet werden, darunter Fragen zu Themen wie Ernährung und Wasser.

Gerade hat sie ein Konzept für den Nutzpflanzengarten auf dem Freigelände entwickelt. Das sei ein wichtiger Bestandteil eines jeden Gartens, den wolle der Besucher sehen und gleichzeitig gärtnerische Fragen beantwortet bekommen, sagt sie. Dabei könne sie das Museum einbinden und in der Ausstellung „die brennenden Fragen rund um den Nutzgarten beantworten“. Sie hat sich vorgenommen, den Garten und das Museum noch enger miteinander zu verknüpfen.

14 Millionen Euro für den Bau des neuen Besucherzentrums

Das erste große Projekt wird jedoch der Bau des neuen Besucherzentrums sein. 14 Millionen Euro stehen bereit. Im Oktober soll entschieden werden, welcher Architekt den Zuschlag für den Bau des Gebäudes am Eingang Königin-Luise-Platz erhält. Nächstes Jahr könnte der erste Spatenstich, die Eröffnung 2019 sein. Es soll das Entree in den Botanischen Garten sein mit Vitrinen, Multifunktionsraum und Shop.

Die nächste Sonderausstellung ist auch bereits in Planung: Der Geschmack Mexikos soll ergründet werden. Der Arbeitstitel: „Chili und Schokolade“. „Ich hätte es auch Mexikos Diversität nennen können“, sagt Patricia Rahemipour – und lacht.