Zahlenspiele

Was die Parteien im Endspurt zur Wahl noch alles versuchen

Die Meinungsforscher sehen keine Mehrheit für Rot-Schwarz. Aber sicher ist der Wahlausgang bei der Berlin-Wahl noch lange nicht.

Grüne im Endspurt vor der Wahl: Bettina Jarasch, Ramona Pop, Simone Peter (v.l.)

Grüne im Endspurt vor der Wahl: Bettina Jarasch, Ramona Pop, Simone Peter (v.l.)

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Zum Abschluss des Wahlkampfes geben die Parteien noch einmal alles. Die Sozialdemokraten holten mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier ihren populärsten Politiker zur Kundgebung am Winterfeldtplatz. Die Grünen enthüllten nach einer Radtour das größte Wahlplakat der Stadt in Friedrichshain. Linke-Spitzenmann Klaus Lederer talkt mit einem internationalen Politstar, dem griechischen Ex-Finanzminister Janis Varoufakis. CDU-Mann Frank Henkel hatte schon am Mittwoch Kanzlerin Angela Merkel in Lichterfelde-Ost zu Gast. Die FDP feiert ihren Wahlkampfabschluss im Klub Adagio am Potsdamer Platz. Auch die AfD-Leute sind auf den Straßen unterwegs, um ihr zweistelliges Ergebnis abzusichern.

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Denn der Siegeszug der Rechtspopulisten wird am Sonntag weitergehen. Alle Umfragen sehen die AfD stark, die Werte liegen zwischen 13 Prozent bei Forsa und 15 Prozent bei Infratest dimap.

Universitäten werben für Toleranz

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat noch einmal versucht, Kritiker der AfD zur Stimmabgabe zu motivieren. Auf seiner Facebook-Seite warnte er vor dem „Wiederaufstieg der Nazis“. Berlins Universitäten schätzen die AfD offensichtlich ebenso wenig wie Müller. Sie werben in einem gemeinsamen Aufruf wie schon die sechs Profi-Sportklubs der Stadt für Weltoffenheit und Toleranz. Sie appellieren, wählen zu gehen und zu „verhindern, dass Fremdenfeindlichkeit und Engstirnigkeit das Ansehen unserer vielfältigen und lebendigen Stadt beschädigen“.

Dass Müller die AfD mit den Nazis vergleicht, ist womöglich seiner Nervosität geschuldet. Zwar sehen die letzten Umfragen von Forsa und der Forschungsgruppe Wahlen seine SPD bei 24 beziehungsweise 23 Prozent. Aber diese Institute haben die SPD schon immer etwas stärker eingeschätzt als Insa oder Infratest dimap, wo sie bei 22 beziehungsweise 21 Prozent lag. Der Minusrekord der SPD von 1999 liegt bei 22,4 Prozent.

Ein Aufschwung kurz vor Toresschluss für den Amtsinhaber, auf den viele SPD-Funktionäre hoffen, lässt sich aus dem Verlauf der Umfragen jedenfalls nicht ablesen. Noch im Sommer hatte Forsa die SPD bei 26 beziehungsweise 27 Prozent gemessen.

Die Grünen schwächeln

Die als Umfrage-Weltmeister bekannten Grünen scheinen in diesem Jahr in dieser Disziplin zu schwächeln. So richtig stark und in der Lage, auch den Spitzenplatz zu erobern, sieht kein Institut die Ökopartei. Von Umfragewerten von 30 Prozent wie 2011 waren die Grünen stets weit entfernt. Die 20 Prozent wurden nur im August bei Forsa erreicht. Zuletzt sah dieses Institut die Partei noch bei 17 Prozent. In-fratest dimap traute den Grünen 16 Prozent zu, Insa 18 und aktuell die Forschungsgruppe Wahlen nur 15 Prozent. Für die Debatte in der Partei wird entscheidend sein, ob sie die 17,6 Prozent von 2011 übertrifft.

Und interessant dürfte sein, ob die Grünen der CDU Platz zwei abjagen. Der bisherige Juniorpartner der SPD in der rot-schwarzen Koalition muss nach allen Umfragen mit heftigen Verlusten rechnen. Die 23,3 Prozent von vor fünf Jahren hält kein Demoskop für möglich. Die 20 Prozent knackte Innensenator Frank Henkel zuletzt im Berlin- Trend von Infratest dimap im Juli. Seither mäandert die Union in allen Studien zwischen 17 und 19 Prozent und lag phasenweise gleichauf mit den Grünen. Das wäre das schlechteste Wahlergebnis der Berliner CDU aller Zeiten.

Linke zwischen 14 und 15 Prozent

Bei solchen Werten sind auch die Linken der CDU dicht auf den Fersen. Die Institute sehen die Partei, die zwischen 2001 und 2011 mit der SPD die Stadt regiert hat, zwischen 14 und 15 Prozent. Das wäre besser als die 11,7 Prozent vor fünf Jahren und könnte reichen, um sich in einer Dreierkoalition unverzichtbar zu machen.

Denn keine der Umfragen geht davon aus, dass es für eine Fortsetzung von Rot-Schwarz oder auch für Rot-Grün reichen könnte. Knapp könnte es jedoch werden, wenn es die FDP wider Erwarten doch nicht ins Abgeordnetenhaus schafft. Die Liberalen liegen seit Monaten zwischen fünf und 6,5 Prozent. Weil auch die sonstigen Parteien inklusive der Piraten neun Prozent auf sich vereinen können, könnte es sein, dass zusätzlich zu einer 4,9-Prozent-FDP annähernd jede sechste Wählerstimme keinen Widerhall im Abgeordnetenhaus findet.

Sollten die Liberalen scheitern, könnten 43 oder 44 Prozent für eine absolute Mehrheit der Sitze reichen.