Frohnau

Traditionslokal "Entenkeller" wird bald zur Eierschale

Im kommenden Jahr will ein Investor das Frohnauer Traditionslokal nach dem Dahlemer Vorbild „Eierschale“ neu beleben.

In der künftigen „Eierschale“ in Frohnau gibt es für Immobilienentwickler Abdallah Neeman noch viel zu tun

In der künftigen „Eierschale“ in Frohnau gibt es für Immobilienentwickler Abdallah Neeman noch viel zu tun

Foto: Reto Klar

Abdallah Neeman geht sein neues Projekt gelassen an. Das Haus in der Oranienburger Chaussee 45 an der Ecke Schönfließer Straße, das er 2012 gekauft hat, steht schon zehn Jahre leer, sagt er. Nur die Disco im Keller, wo sich auch das Traditionslokal „Entenkeller“ befand, sei noch bis vor fünf Jahren betrieben worden.

Im kommenden Jahr will Neeman, der seit 2008 in Dahlem das Restaurant „Eierschale“ betreibt, in Frohnau eröffnen. „Vorausgesetzt, wir erleben bei der Sanierung keine Überraschungen, das Haus ist von 1926. Da weiß man nie, was einen erwartet“, sagt Neeman. In einem seien aber beide Projekte gleich: „Es war alles Schrott.“

Sorgen, etwas nicht in den Griff zu bekommen, macht er sich nicht: „Die ‚Eierschale‘ in Dahlem war ein größeres Projekt, schon vom Platz her, der dort doppelt so groß ist wie hier in Frohnau, aber auch von der Investition her“, so der Berliner Geschäftsmann, der seit 30 Jahren als Immobilienentwickler tätig ist und zudem Gastroläden gebaut hat, um sie dann weiterzuverkaufen oder zu verpachten. Ob er das Frohnauer Projekt selbst betreibt oder abgibt, hat er noch nicht entschieden. „Erst mal muss alles fertig sein“, lautet seine Devise.

Feuchte Wände müssen bis zu vier Monate trocknen

Begonnen, an dem Haus arbeiten zu lassen, hatte Neeman im Februar dieses Jahres. Für die damals sieben gefällten Bäume im Garten soll Ersatz geschaffen werden – in Absprache mit dem Stadtplanungsamt des Bezirks und sobald alles fertig ist. Von außen macht das Haus mit seinen eingeworfenen Fenstern einen vernachlässigten Eindruck. Im Innern sind die Demontagearbeiten inzwischen beendet. Die verkleideten Decken aus Holz wurden freigelegt, der Putz an den Wänden abgeklopft, Trennwände, die erst später für die Hotelnutzung dazugekommen waren, wurden ausgebaut. So konnte die Bausubstanz für die anstehende Modernisierung im Innern untersucht werden. Deckenbalken müssen teils ausgewechselt, Wasserschäden behoben werden.

Als Nächstes werden sich die Bauarbeiter mit den nassen Außenwänden des Kellers beschäftigen. „Sie werden komplett freigelegt, bis zu den Fundamenten“, erläutert Neeman bei der Ortsbesichtigung mit der Berliner Morgenpost. Dazu muss der Füllboden um das Haus herum weggeschaufelt werden. Grund der feuchten Kellerwände sind die Abdichtungen. Sie hätten schon längst erneuert werden müssen, weil sie nicht mehr funktionierten.

Wie bei einem Neubau fangen die Bauarbeiten mit den Arbeiten am Keller an. Parallel wird aber das Dach instand gesetzt, damit es von oben trocken bleibt. Neeman rechnet mit drei bis vier Monaten, bis die durchfeuchteten Kellerwände trocken sind. Der Anbau, eine Art Wintergarten aus den 80er-Jahren, wird durch einen neuen Metall-Glas-Vorbau ersetzt. Er soll attraktiver sein als der jetzige, transparent, damit der Blick auf das Gebäude nicht verstellt wird. Im Winter, wenn die Kellerwände trocken sind, sollen die Innenarbeiten beginnen. Etwa im Sommer 2017 könnte die Sanierung abgeschlossen sein.

Der Garten soll eine ruhigere Atmosphäre bekommen

120 Plätze sind im Erdgeschoss geplant. Außerdem wird es im Keller einen Club mit einer Cocktailbar geben, kündigt Neeman schon mal an. Aus Lärmschutzgründen werde der Club allerdings keine Fenster erhalten. Und der Eingang zum Club werde über den seitlichen Haupteingang an der Schönfließer Straße erfolgen. Bislang wurde das Restaurant mit einem Weg mitten durch den Garten erschlossen. Das wird verändert. Der Gartenbereich, der auch wieder bewirtschaftet werden wird und mit der Oranienburger Chaussee ohnehin schon an der viel befahrenen B 96 liegt, soll dadurch eine ruhigere Atmosphäre erhalten.

Eröffnen möchte Neeman möglichst noch vor Weihnachten 2017. Ab 9 oder 10 Uhr soll dann dort gefrühstückt werden können, auch eine Mittagskarte soll es geben, bis gegen Mitternacht ist der Betrieb geplant. Bei der Inneneinrichtung will er wie in der „Eierschale“ in Dahlem wieder viel anfertigen lassen, die Möbel beispielsweise von einem Tischler. Die teils offene Küche aus Edelstahl, in der auch ein großer Steinofen für Pizza Platz finden wird, werde er wohl wieder bei einem Gastronomiefachbetrieb aus Dessau fertigen lassen.

Statt Hotelzimmern sollen oben Wohnungen entstehen

In den zwei oberen Etagen werden statt der bisherigen Hotelzimmer Wohnungen entstehen. Sie sollen wegen der Lage oberhalb eines Restaurants nicht normal vermietet werden, sondern Handwerkern als Gästewohnungen oder Mitarbeitern als Dienstwohnung dienen. Die Frage, ob in der „Eierschale“ Frohnau am Wochenende auch Live-Musik wie in Dahlem gespielt wird, will Neeman noch nicht endgültig beantworten: „Das könnte schwierig werden.“ Ein Passant hatte ihm im Vorbeigehen spontan mit einer Klage gedroht, sollte es in der „Eierschale“ zu laut werden. Auch dabei bleibt Neeman gelassen: „Das war in Dahlem anfangs auch so.“