Kreuzberg und Neukölln

In Berlins Partykiezen steigt die Jugendgewalt an

Die Jugendkriminalität in Berlin geht zurück. Zu dem Ergebnis kommt ein neuer Bericht. Negativ ist die Entwicklung in den Party-Vierteln.

Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma im Prinzenbad

Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma im Prinzenbad

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Jugendkriminalität in Berlin geht weiter zurück, steigt aber an den touristischen Vergnügungsmeilen an. Das ist das Ergebnis des diesjährigen „Monitorings Jugendgewaltdelinquenz“, den die Landeskommission gegen Gewalt vorgelegt hat. „Dieser Trend ist seit 2007 anhaltend und belastbar“, sagt der Leiter der Arbeitsstelle Jugendgewalt, Albrecht Lüter, der die Untersuchung leitete. Allerdings sei das Dunkelfeld sehr hoch. Viele Jugendliche würden Straftaten gegen sie nicht anzeigen, das zeigten Befragungen. Begingen vor zehn Jahren noch 2900 von 100.000 Kindern und Jugendlichen eine Gewalttat, so sind es jetzt nur noch 1800, ergaben die Untersuchungen der Wissenschaftler. Lüter führt das vor allem auf die vielfältigen Präventionsprojekte an Schulen, in Jugendeinrichtungen, der Polizei und der Staatsanwaltschaft zurück.

Gleichzeitig sei die Jugendarbeitslosigkeit im gleichen Zeitraum konstant zurückgegangen. „Das Zusammenspiel von besseren Perspektiven für die Jugendlichen, der Prävention und eines veränderten Erziehungsstils zeigt Wirkung“, sagt Lüter. Häusliche Gewalt, die besonders oft für Jugendgewalt verantwortlich ist, sei auf dem Rückzug und werde zunehmend als gesellschaftlich nicht akzeptabel wahrgenommen.

Auch an Schulen sinken die Straftaten

Aber nicht überall wirkt sich nach der Untersuchung der Wissenschaftler der Rückgang gleichermaßen aus. In den migrantisch geprägten Wohngegenden der Innenstadt, wie Moabit und Wedding, und den sozialen Brennpunkten an den Stadträndern, zum Beispiel in Reinickendorf und Spandau, gebe es nach wie vor kriminelle Schwerpunktregionen. Als neues Phänomen für ansteigende Jugendgewalt registrieren die Wissenschaftler die touristischen Ausflugsziele in Friedrichshain-Kreuzberg oder Neukölln. Da, wo viele Touristen sich vor allem abends und nachts amüsieren, steigt die Jugendgewalt demnach an. Anders als in anderen Kriminalitätsschwerpunkten der Jugendgewalt seien hier Wohn- und Tatort nicht identisch. Die jugendlichen Täter suchen demnach gezielt nach Touristen als Opfer. Hier seien neue Wege nötig, um die Gewalt wieder zurückzudrängen, so Lüter. Denkbar sei, wie bei der Befriedung der 1.-Mai-Demonstrationen in Kreuzberg, eine gemeinsame Strategie von Polizei, Anwohnern und Gewerbetreibenden gegen aufkommende Gewalt.

Auch an den Schulen sinkt die Gewalt – allerdings erst seit drei Jahren. Auch hier zeigen der Untersuchung zufolge die vorbeugenden Maßnahmen Wirkung. In fast allen Schulen gibt es Angebote zur Gewaltprävention und Krisenteams, die unmittelbar eingreifen, sobald Taten bekannt werden. Migrantische Jugendgangs spielen nach der Untersuchung keine große Rolle mehr. Sie waren in den 90er-Jahren für einen erheblichen Teil der Jugendgewalt verantwortlich. Intensive Strafverfolgung und Betreuung hat nach den Erkenntnissen der Landeskommission zudem dazu geführt, dass es immer weniger Intensivtäter gibt, also Jugendliche, die mehrere Dutzend Strafverfahren anhäufen. Hier schreiten die Ermittlungsbehörden inzwischen viel früher ein.