Bürogebäude

Andreas Geisel: „Berlin muss in die Höhe wachsen“

Bausenator Andreas Geisel will vor allem Bürogebäude höher bauen lassen als bis zur Traufhöhe von 22 Metern.

Das ehemalige Postscheckamt am Halleschen Ufer soll als XBergTower zu einem Hochhaus mit 221 Wohnungen umgebaut werden

Das ehemalige Postscheckamt am Halleschen Ufer soll als XBergTower zu einem Hochhaus mit 221 Wohnungen umgebaut werden

Foto: Eike Becker_Architekten

Wohnhochhäuser haben bei den meisten Berlinern keinen guten Ruf. Für viele verbindet sich damit das Schreckensbild des sozialen Wohnungsbaus der 60er- bis 80er-Jahre – anonym, billig gebaut und nach Jahren der Verwahrlosung ein Hort der Kriminalität. Doch tatsächlich hat diese Wahrnehmung nicht mehr viel mit der Realität zu tun. Nicht nur dass die Großsiedlungen mit ihren Plattenbauten zumeist längst saniert und lebenswert sind. Der Paradigmenwechsel hat auch bereits in der Innenstadt eingesetzt. Das Wohnen in der Höhe ist längst ein angesagter Trend, den sich bislang allerdings vor allem Wohlhabende leisten können. Doch das ändert sich gerade – auch durch einen Kurswechsel in der Berliner Baupolitik.

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„Die Zeiten des Traufhöhen-Dogmas sind endgültig vorbei“, sagt Berlins Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Die Berliner Traufhöhe regelte bis heute, dass in den vielen Berliner Altbauquartieren die meisten Häuser auf eine Maximalhöhe von 22 Metern beschränkt sind. „Berlin muss in die Höhe wachsen, wenn wir schonend mit dem kostbaren Grund und Boden umgehen wollen“, so der Senator weiter. Ein großer Bedarf an Hochhäusern bestehe insbesondere im Bereich der Büro- und Gewerbeflächenentwicklung – vor allem am Alexanderplatz und in der City West. Bei Wohnungen dagegen sei der Bedarf differenziert zu betrachten.

Mietwohnungen nurbis zur siebten Etage

„Wenn es um Wohnen geht, muss man immer die Bezahlbarkeit im Blick behalten“, sagt Geisel. „In einer gewissen Höhe werden Wohnungen einfach zu teuer.“ Bei der Entwicklung im Mietwohnungsbau sieht der Senator daher die Chancen eher im Bereich der Fünf- bis Siebengeschosser. „Auch mit diesen Höhen kann man die notwendige Dichte erzeugen“, ist der Senator überzeugt.

Investoren sind dagegen längst davon überzeugt, dass das Höhenwachstum auch bei Mietwohnungen nicht in der siebten Etage enden muss. Bislang sind so allerdings eher umstrittene Wohntürme, wie etwa das „Living Levels“ (63 Meter) oder „Max“ (86 Meter) und „Moritz“ (95 Meter) an der Spree in Friedrichshain, entstanden oder im Bau. Mit Preisen von bis zu 8000 Euro je Quadratmeter setzen sie allerdings vornehmlich auf wohlhabende Käufer. Auch die russische MonArch Group, die im Juli dieses Jahres den Bauantrag für den Bau eines 150 Meter hohen Towers mit rund 475 Wohnungen auf dem Alexander stellte, setzt ebenfalls auf wohlhabende Käufer. Die Apartments in den unteren Etagen sind für etwas mehr als 5000 Euro je Quadratmeter zu haben. Wer ganz oben wohnen will, muss 15.000 Euro je Quadratmeter zahlen.

Doch es geht auch anders, will die CG Gruppe beweisen. „Es kommt darauf an, das richtige Konzept auszuwählen“, ist der Vorstandsvorsitzende des Bauunternehmens, Christoph Gröner, überzeugt. Der Projektentwickler realisiert aktuell ein Hochhausprojekt in Berlin, in dem Mietwohnungen entstehen sollen. Das Besondere: „Es handelt sich um den Umbau von einstigen Büro- zu Wohntürmen“, so der Investor. Dadurch würden die Baukosten niedrig gehalten. So soll aus dem 1971 als Postscheckamt gebauten Turm am U-Bahnhof Möckernbrücke der XBerg Tower mit 221 Wohnungen werden. Die Apartments, die eine Größe von durchschnittlich 45 Quadratmetern haben, sollen, je nach Etage, elf bis 18 Euro je Quadratmeter kosten. „Wir können so ein mit Küche, Garderobe und eingebautem Wandschrank sowie einem zehn bis 15 Quadratmeter großen Balkon ausgestattetes Apartment ab 400 Euro anbieten“, so Gröner. Und damit die Mieter in ihren kleinen Wohnungen nicht auf die Bewirtung von Freunden und Familie verzichten müssen, sind großzügige Gemeinschaftseinrichtungen vorgesehen. „Im ersten Stock gibt es neben einem Fitnessstudio auch zwei Gemeinschaftsküchen für die Mieter“, so der Architekt des Gebäudes, Eike Becker. Auch ein Waschsalon mit Internetcafé sowie eine öffentliche Terrasse mit Restaurant auf dem Dach in 89 Meter Höhe zählen zum Angebot.