Prozess

Missbrauch: Das jüngste Opfer war erst drei Jahre alt

Ein vorbestrafter Sexualstraftäter steht erneut vor Gericht. Diesmal droht ihm neben einer hohen Strafe die anschließende Sicherungsverwahrung

Die Kinder nannten ihn „Atze“. Unter diesem Spitznamen war Jürgen A. bekannt in seinem Kietz im Ortsteil Marzahn. Doch der 53-Jährige war offenkundig alles andere als ein netter Onkel. Er hat schon fünfeinhalb Jahre wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern hinter Gittern verbracht. Am Dienstag begann gegen ihn vor einer Moabiter Jugendkammer erneut ein Prozess wegen Missbrauchs. Jürgen A. will sich zu den Vorwürfen aber zunächst nicht äußern.

Auf dem Handy sind Kinderpornos gespeichert

Ein Teil der angeklagten Taten soll sich schon vor der Inhaftierung des hageren Mannes abgespielt haben. Opfer war der Anklage zufolge die Tochter der damaligen Lebensgefährtin des Angeklagten. Jürgen A. soll das Kind immer wieder zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Das Mädchen war zu Beginn der Taten sechs und am Ende acht Jahre alt.

In einem zweiten Tatkomplex geht es um Vorgänge, die sich in diesem Jahr abgespielt haben sollen. Eines der Opfer war den Ermittlungen zufolge sieben, ein zweites erst drei Jahre alt. Im Rahmen der Ermittlungen wurden auf Jürgen A.s Handy zudem Fotos mit kinderpornografischen Motiven gefunden.

Die Staatsanwaltschaft will in diesem Prozess prüfen lassen, ob Jürgen A. nach Verbüßung seiner Haftstrafe in die Sicherungsverwahrung einzuweisen ist. Das Gericht, so der Vorsitzende, hält das für durchaus denkbar. Er appellierte an den Angeklagten, sich zu überlegen, ob er weiter bei seinem Schweigen bleiben wolle. Sollte die Anklage richtig sein, könnte ein Geständnis die Strafe erheblich verringern.

Am nächsten Verhandlungstag – am 19. September – sollen nun erst einmal die Vernehmungen der missbrauchten Kinder gezeigt werden, die im Landeskriminalamt auf Video aufgenommen wurden. Das ist strafprozessual ein großer Fortschritt. In vielen Fällen wird diese Chance verpasst, und es gibt von den Aussagen der Kinder nur Protokolle. Verweigert der jeweilige Angeklagte die Aussage, ist es in der Konsequenz zwingend geboten, die mutmaßlichen Opfer vor Gericht zu hören – auch wenn sie noch sehr klein sind. Allerdings gibt es dabei die Möglichkeit, dass der Vorsitzende Richter das Kind allein in einem Nebenraum befragt und die Vernehmung in den Verhandlungsraum überspielt wird.