Berlin

Flüchtlinge werden oft betrogen

Jeder Fünfte fühlt sich von Geschäftemachern aus dem eigenen Umfeld ausgenutzt

Immer mehr Flüchtlinge fühlen sich von unseriösen Geschäftemachern betrogen. Jeder Fünfte gab einer Untersuchung zufolge an, Geld an Betrüger verloren zu haben. Im Zentrum stehen dabei verborgene Kosten in Handyverträgen oder illegale Provisionen bei der Wohnungs- vermittlung. Perspektivisch erwartet Justiz- und Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) auch Probleme mit Schwarzarbeit. „Bedrohlich ist, dass die Betrüger meistens aus derselben Community stammen wie die Opfer“, sagte Heilmann am Dienstag anlässlich der Vorstellung des Berichts „Geflüchtete als Verbraucherinnen und Verbraucher in Berlin“, den der Senat zusammen mit dem Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) und dem Deutsch-Arabischen-Zentrum (Daz) in Auftrag gegeben hat.

Dabei wurden 337 Arabisch sprechende Flüchtlinge befragt. Jeder zweite Befragte gab an, bei einen abgeschlossenen Handyvertrag über die Kosten und die Laufzeit nicht oder nicht ausreichend informiert gewesen zu sein. Vertragsunterlagen seien nicht oder nicht vollständig ausgehändigt worden. Bei Wohnungsvermittlungen kassierten betrügerische Makler bis zu 6000 Euro. „Viele Flüchtlinge haben blindes Vertrauen in ihre Landsleute und unterzeichnen bis zu fünf Handyverträge gleichzeitig“, sagte Dima Beseiso-Kamel, die die Untersuchung in 30 Flüchtlingsunterkünften vorgenommen hat. Der Senat sei sich einig darin, die Flüchtlinge besser über die Rechtsfolgen aufzuklären, sagte Heilmann. So soll das Angebot von Kursen „Deutsch für Einsteiger“ auf möglichst alle Volkshochschulen ausgeweitet werden. Auch die Telefonanbieter sollen über das Handeln einiger freier Vertriebsmitarbeiter unterrichtet werden. Außerdem soll sich die Staatsanwaltschaft verstärkt mit solchen Fällen aus­einandersetzen.

Allerdings ist die Aufklärung in den meisten Fällen schwer. Die Ermittler müssen nachweisen, dass die Vermittlung eines Vertrages gegen geltendes Recht verstieß, zum Beispiel dadurch, dass über versteckte Folgekosten nicht ausreichend informiert wurde.