Schulen in Berlin

Hunderte neu eingestellte Referendare in Berlin ohne Gehalt

Die Hälfte der neu eingestellten Referendare hat noch kein Geld bekommen. Bildungssenatorin Scheeres verspricht Abschlagszahlungen.

Rund die Hälfte der 626 neu eingestellten Referendare hat noch kein Gehalt bekommen

Rund die Hälfte der 626 neu eingestellten Referendare hat noch kein Gehalt bekommen

Foto: picture alliance / ZB / Bernd Wüstneck

Berlin.  Die Lehrernot in Berlin ist groß, sie kann nur mit Quereinsteigern notdürftig gelindert werden. Viele gehen nach dem Studium in andere Bundesländer, wo sie attraktivere Bedingungen vorfinden. Und nun schafft es die Bildungsverwaltung nicht, einen Großteil ihrer neuen Referendare pünktlich zu bezahlen. Rund die Hälfte der 626 neu eingestellten Referendare ist nach Angaben des Gesamtpersonalrats betroffen.

>>>Jeder dritte neue Lehrer in Berlin ist ein Quereinsteiger<<<

Die am 26. August vereidigten Lehramtsanwärter sind Beamte auf Widerruf und hätten ihr erstes Gehalt am 1. September bekommen müssen, heißt es. Dieter Haase, erster stellvertretender Vorsitzender des Gesamtpersonalrates der Berliner Schulen, sagte der Berliner Morgenpost, dass momentan noch nicht einmal klar sei, ob die Referendare ihre Bezüge wenigstens Ende September erhalten werden. Grund sei fehlendes Personal in der Bildungsverwaltung.

Abschlagszahlungen versprochen

Mark Rackles, Staatssekretär von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), betonte am Dienstag in einem Schreiben an den Gesamtpersonalrat, dass er von dem Problem der Gehaltszahlungen zum ersten Mal höre. „Wir klären das natürlich im Interesse der Beschäftigten so schnell wie möglich“, heißt es in dem Schreiben weiter, das der Berliner Morgenpost vorliegt.

Die Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres, Beate Stoffers, sagte, dass die Referendare, die noch keine Bezüge erhalten haben, Abschlagszahlungen bekommen werden. Etliche von ihnen seien noch in den ersten Septembertagen eingestellt worden, damit der Schulstart gelingt. „Sie sind informiert worden, dass es zu einer Verzögerung bei der Auszahlung der Bezüge kommen kann“, sagte Stoffers. Trotzdem werde man natürlich dafür sorgen, dass die betreffenden Referendare schnell Geld erhielten.

Ursache des Zahlungsverzugs ist laut Dieter Haase die schlechte Ausstattung der Personalstelle der Berliner Bildungsverwaltung, die ihren Sitz in der Reinickendorfer Flottenstraße hat. „Dort arbeiten rund 200 Mitarbeiter. Sie sind total überlastet“, sagte Haase. Die Bildungsverwaltung sei der größte Arbeitgeber im Land Berlin und beschäftige mehr als 40.000 Menschen. „Die Mitarbeiter der Personalstelle müssen deshalb inzwischen doppelt so viele Personalakten bearbeiten wie noch vor einigen Jahren.“ Um diesem Arbeitsaufwand gerecht zu werden, müsste die Verwaltung deutlich mehr Personal einstellen.

Referendare befürchten Mietschulden

Viele Referendare haben sich laut Haase jetzt Hilfe suchend an den Personalrat gewandt. Sie hätten gerade ihr Studium abgeschlossen und noch keine finanziellen Rücklagen bilden können. Jetzt wüssten sie nicht, wie sie die Miete für ihre Wohnung zahlen sollen, sagte Haase. Er bezeichnete diesen Zustand als Skandal. „Der Personalstelle liegen die Unterlagen der Referendare seit Ende Juli vor.“ Man hätte dort genügend Zeit gehabt, die Gehaltszahlungen auf den Weg zu bringen. Referendare an Grundschulen erhalten monatlich 1133 Euro brutto, Referendare an Oberschulen 1202 Euro.

Haase kritisierte zudem, dass auch etlichen der 1900 neu eingestellten Lehrer noch immer kein Gehalt ausgezahlt worden sei. Diese Lehrkräfte seien zum 1. August eingestellt worden und hätten Ende August ihr erstes Gehalt bekommen müssen, sagte er. Viele von ihnen hätten sogar noch nicht einmal einen Arbeitsvertrag.

Die Sprecherin der Bildungsverwaltung, Beate Stoffers, betonte hingegen, einige der betroffenen Pädagogen seien erst Anfang September eingestellt worden. Als Angestellte bekämen sie am Ende des Monats ihr Gehalt. Die ausstehenden Arbeitsverträge begründete Stoffers damit, dass einige Lehrkräfte erst nach dem zweiten September eingestellt worden sind, als klar war, dass aufgrund von Krankheitsfällen oder Schwangerschaften Ersatz gebraucht wird. Stoffers sagte, dass die Bildungssenatorin die Personalstelle in den letzten fünf Jahren um knapp 50 Stellen aufgestockt habe und etwa 20 weitere Einstellungen geplant seien.