Verkehr

Bündnis Volksentscheid kritisiert Senat für neue Radwege

Das Bündnis "Volksentscheid Rad" ist neue Berliner Radwege abgefahren - und dokumentiert Stellen, die aus ihrer Sicht mangelhaft sind.

Hier liegt der Parkstreifen rechts neben dem Radweg. Der "Volksentscheid Rad" hätte es gern andersrum

Hier liegt der Parkstreifen rechts neben dem Radweg. Der "Volksentscheid Rad" hätte es gern andersrum

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Die Initiatoren des „Volksentscheids Rad“ werfen dem Berliner Senat Versagen vor. Und das ausgerechnet für die neuen Radwege in der Stadt. Denn von denen stoßen viele auf Kritik. Unter dem Hashtag #senatsversagen hat die Initiative nach einer Begehung und Befahrung die aus ihrer Sicht problematische Stellen bei neuen Radwegen dokumentiert. Die Vorwürfen beziehen sich etwa darauf, dass Radwege zu schmal geraten seien oder so geführt würden, dass Radfahrer mitten in den Autoverkehr hineingelenkt würden.

Am Ostbahnhof in Friedrichshain etwa verläuft ein neuer Radweg an der Mühlenstraße so, dass die Nutzer plötzlich zwischen Geradeausverkehr und Rechtsabbieger mitten auf der Straße im Autoverkehr stehen - zwischen Autos, Lastwagen und BVG-Bussen. Solche Stellen seien vor allem für Kinder oder Senioren gefährlich.

Andere Wege wiederum enden plötzlich mitten auf der Straße und münden ohne Kennzeichnung in den Autoverkehr ein.

Bei solchen Beispielen handele es sich gar nicht um richtige Radwege, so die Kritik. Der Senat habe vielmehr vor der Wahl „Fahrräder auf die Straße malen“ lassen, postete das Bündnis bei Twitter. Auch der Fahrradclub ADFC schließt sich der Kritik an und postet: "Stressarme Radinfrastruktur ist doch keine Raketenwissenschaft."

Ein weiterer Kritikpunkt: In mehreren dokumentierten Fällen verlaufen die neu geschaffenen Wege nicht am Fahrbahnrand, sondern zwischen Parkstreifen und Autofahrbahn. Somit kreuzen ein- und ausparkende Autos den Radweg.

Der „Volksentscheid Rad“ spricht sich dafür aus, die Wege am Rand zu führen, so dass sich Auto- und Radfahrer nicht in die Quere kommen - und das am besten auf separaten, durch Barrieren abgetrennten Wegen. Anderenfalls würden die Radwege als "kostenlose Parkstreifen" missbraucht.

Von der Autofahrbahn durch Barrieren getrennte Wege gibt es teilweise in anderen deutschen Städten, vor allem aber in Fahrradmetropolen wie Amsterdam oder Kopenhagen. Eine separate Führung von Fahrrad- und Autoverkehr soll Unfälle verhüten.

Einer Umfrage des Automobilclubs ADAC zufolge sprachen sich kürzlich zwei Drittel der Berliner ADAC-Mitglieder für ein gut ausgebautes Fahrradnetz, getrennt von den Hauptverkehrsachsen, aus. In derselben Umfrage sprachen sich allerdings zugleich 53 Prozent der Befragten dagegen aus, „dass auf allen Hauptstraßen mindestens zwei Meter breite Radstreifen gebaut werden“.