Ausbildungsjahr

5166 Ausbildungsplätze in Berlin sind noch unbesetzt

Eine Last-Minute-Börse bringt Bewerber und Betriebe in der Arena Treptow zusammen. 6400 Jugendliche sind noch unversorgt.

Am 1. September war offizieller Ausbildungsstart in Deutschland. Doch es gibt noch viele unbesetzte Stellen und noch mehr unversorgte Jugendliche

Am 1. September war offizieller Ausbildungsstart in Deutschland. Doch es gibt noch viele unbesetzte Stellen und noch mehr unversorgte Jugendliche

Foto: Zurich Gruppe Deutschland / obs

Das Ausbildungsplatzangebot ist auf Rekordniveau: 14.400 Plätze haben die Berliner Betriebe in diesem Jahr angeboten, das sind zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Besetzt sind davon allerdings nicht einmal zwei Drittel. Für 5166 Ausbildungsplätze werden noch geeignete Kandidaten gesucht. Das ist seit 2009 ein Zuwachs von 64 Prozent, damals waren noch 2800 Stellen unbesetzt.

Um die offenen Stellen zu füllen, veranstalten IHK, Handwerkskammer und die Agentur für Arbeit an diesem Mittwoch und Donnerstag eine Last-minute-Börse in der Arena Treptow. „Gesucht wird querbeet“, sagt Cornelia Schwarz, bei der Bundesagentur für Arbeit zuständig für den Ausbildungsmarkt in Berlin und Brandenburg. Mehr offene Stellen als Bewerber gebe es zum Beispiel bei kaufmännischen Berufen im Büromanagement, bei Gebäudereinigern, in Einzelhandelsberufen oder auch bei Köchen und Friseuren.

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Die Börse ist offen für alle, die jetzt noch eine Ausbildung anfangen wollen. Von der Arbeitsagentur eingeladen wurden 6400 Jugendlichen, die bei ihr als suchend gemeldet sind, die meisten mit mittlerem Schulabschluss. Kommen wird davon wohl nur ein kleiner Teil, „im vergangenen Jahr waren es zwölf Prozent“, sagte Schwarz bei der Vorstellung der Börse. Unter ihnen hoffen die 60 Unternehmen, die sich bei der Messe präsentieren, geeignete Bewerber zu finden. „Im vergangenen Jahr haben wir dort noch Verträge abgeschlossen“, so Johannes Uleer, Landesgeschäftsstellenleiter bei der Versicherung Debeka.

Manchen Bewerbern fehlt es an der nötigen Ernsthaftigkeit

120 Bewerbungen hat das Unternehmen in Berlin in diesem Jahr bekommen, 18 Ausbildungsverträge wurden abgeschlossen, allerdings nur 13 Jugendliche haben die Ausbildung begonnen. „Manchmal fehlt es an der nötigen Ernsthaftigkeit“, sagt Uleer. Motivation, Leistungsbereitschaft und Disziplin würden nachlassen, „das ist ein größeres Problem als Mathe- und Deutschnoten“.

Dennoch klagt jedes zweite IHK-Unternehmen über Mathe- und Deutschdefizite bei ihren Auszubildenden, betonte Thilo Pahl, Bildungsgeschäftsführer der IHK Berlin. Das seien zwar zehn Prozent weniger als noch vor ein paar Jahren, aber kein Grund zur Entwarnung. Die Unternehmen müssten hier zum Teil viel Aufholarbeit leisten. „Dabei geht es ja nicht um komplizierte Integralrechnung, sondern um einfachen Dreisatz“, so Uleer.

Auch im Handwerk werden Mathekenntnisse immer wichtiger

An fehlenden Mathekenntnissen scheitert sogar mancher Auszubildende in Handwerksberufen, weiß Ulrich Wiegand, Geschäftsführer der Handwerkskammer Berlin. „Erfreulich ist aber, dass in diesem Jahr 6,6 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden“, ergänzte er. Seit 2014 beträgt das Plus sogar rund 15 Prozent.

Positiv sieht er auch die Entwicklung, dass sich mehr Abiturienten für eine Ausbildung entscheiden. Im Handwerk sind es 20, ansonsten 40 Prozent. „Die Schule sollte Abiturienten stärker vermitteln, dass nicht nur ein Studium, sondern ebenso eine Ausbildung Karrierechancen bietet“, so Wiegand. Überhaupt sollte die Anschlussperspektive nach der Schule stärker diskutiert werden, ergänzte Pahl. Er hofft dadurch auch, dass Jugendliche schneller den Weg auf den Ausbildungsmarkt finden. Bislang sind Berliner Auszubildende mit einem Einstiegsalter von 21 Jahren deutschlandweit die ältesten.