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JVA Tegel: Justizbeamte sollen in Schmuggel verwickelt sein

Häftlinge erheben gegenüber einem ZDF-Magazin schwere Vorwürfe gegen die JVA Tegel. Es geht um Schmuggel und Erpressung.

Die JVA in Tegel

Die JVA in Tegel

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

In der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel soll der Schmuggel von Waren in und aus der Haftanstalt an der Tagesordnung gewesen sein. Involviert in den Schwarzhandel seien angeblich mehrere Justizbeamte, berichten Gefangene dem ZDF-Magazin "Frontal 21".

Der Sprecher der Haftanstalt bestätigte auf Nachfrage, dass Gefangene solche Vorwürfe erheben, und teilte mit: "Die Leitung der Abteilung Sicherheit hat die Polizei eingeschaltet." Nach Informationen des Magazins ermitteln das Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft.

Der Fahrdienst soll als Kurier für die Schmuggler gedient haben

Gefangene berichten, mit Wissen von Beamten und Insassen würden über den Fahrdienst der Haftanstalt Material, Rohstoffe und Arbeiten von Sträflingen aus dem Gefängnis geschmuggelt und dann verkauft. "Die Beamten haben alles, was nicht niet- und nagelfest war und in der JVA produziert worden ist, mit nach Hause genommen", behauptet ein Häftling.

Außerdem sei er von einem Vollzugsbeamten erpresst worden, als er sich geweigert habe, am Schmuggel teilzunehmen. Gegen den Beamten ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bestechlichkeit.

Den Vorwürfen zufolge bekamen Insassen als Belohnung Freigang

Außerdem seien Gefangenen als Belohnung für die Beteiligung am Schmuggel "freie Tage" gewährt worden. Die Beamten hätten Insassen außerhalb des Gefängnisses unbeaufsichtigt den Tag verbringen lassen. Dieser Vorwurf sei "bislang nicht bekannt gewesen", teilte die Anstaltssleitung auf Nachfrage mit.

Klaus Lederer, rechtspolitischer Sprecher der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, hält die Vorgänge für einen "Skandal erster Güte". Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, habe sich über Jahre ein System organisierter Kriminalität in der JVA Tegel bilden können. "Und das nicht etwa durch die Gefangenen, sondern durch Bedienstete. Das ist ein gravierender Missstand."

Laut Senatssprecherin gibt es nur Beweise gegen einen Beamten

Die Sprecherin der Senatsverwaltung für Justiz, Claudia Engfeld, kann keinen Skandal erkennen. Es gebe bislang nur Beweise gegen einen Beamten. "Wenn sich daran etwas ändern sollte, werden wir auch gegen andere Beamte entsprechende Schritte ergreifen", sagte sie dem Magazin

Das ZDF-Magazin berichtet am Dienstag, 13. September 2016, 21.00 Uhr.