Tiere

Singvögeln ist es am TXL zu laut

Wolfgang W. Merkel
Unter anderem solche Buchfinken kommunizieren miteinander über ihre Gesang – zur Revierabgrenzung und zur Partnerwahl

Unter anderem solche Buchfinken kommunizieren miteinander über ihre Gesang – zur Revierabgrenzung und zur Partnerwahl

Foto: Nabu

Meisen, Finken und andere Arten fangen bei Lärm früher an zu singen – oder geben es ab einer bestimmten Lautstärke ganz auf zu trällern

Viele Wildtiere fühlen sich wohl in der Stadt. So finden etwa Spatzen und Waschbären im Müll der Menschen stets ein üppiges Nahrungsangebot – auch im sonst kargen Winter. Aber das Leben in der Metropole kann auch hart sein, sagen Vogelkundler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie. Sie haben den Gesang von Singvögeln untersucht und dabei die laute Jungfernheide nahe dem Flughafen Tegel mit ruhigeren Gefilden wie dem Tegeler Forst verglichen. Zehn Vogelarten haben sie beobachtet.

Das Fazit der Ornithologen: Die Flughafenumgebung ist den Tieren zu laut – sie meiden diese zwar nicht, aber sie müssen ihren Gesang anpassen. Schließlich trällern sie nicht zum Spaß, der Gesang dient der Revierverteidigung und der Partnersuche. Möglicherweise führen die Störungen sogar dazu, dass die Buchfinken, Kohlmeisen, Rotkehlchen und Amseln sich nicht so gut fortpflanzen können wie ruhiger lebende Artgenossen.

Die Tiere versuchen, die Störungen ihrer Kommunikation auszugleichen

Im Einzelnen haben die Forscher herausgefunden, dass die Tiere in lauter Umgebung am Morgen früher zu singen beginnen. So versuchen diese offenbar, die Störungen ihrer Kommunikation auszugleichen. Die Vögel können sogar Lärm vorhersehen. Denn sie legen schon los, noch bevor die Flugzeuge mit ordentlich Krach gen Himmel steigen. Offenbar haben die Tiere das tägliche Lärmmuster am Flughafen gelernt.

Bei Starts mit einem Lärmpegel von mehr als 78 Dezibel – das entspricht einer viel befahrenen Straße in zehn Meter Entfernung – geben die Tiere es dann ganz auf zu singen. Bei solchen Störungen am Tag muss man wohl früher aufstehen, wenn man einen Partner finden will.