Berlin fliegt

Deutschland gewinnt Leichtathletik-Fünfländerkampf

Deutschland hat den Fünfländerkampf der Leichtathleten am Brandenburger Tor gewonnen. Neues gab es beim 40-Meter-Lauf.

Und rüber: Stabhochspringer Igor Bychkov aus Spanien

Und rüber: Stabhochspringer Igor Bychkov aus Spanien

Foto: imago sport / imago/Beautiful Sports

Kurz nach dem Ende der Olympischen Spiele konnten Sportbegeisterte am Sonntagnachmittag wieder mit ihren Leichtathletik-Stars fiebern: bei der sechsten Auflage des Wettbewerbs „Berlin fliegt“ am Brandenburger Tor. Dabei maßen sich 15 Top-Athleten aus Spanien, Frankreich, Italien, Großbritannien und Titelverteidiger Deutschland bei sommerlichen Temperaturen von 30 Grad in drei Disziplinen.

Neben dem Weitsprung bei den Frauen und dem Stabhochsprung bei den Männern kam in diesem Jahr ein neuer, eher unkonventioneller Wettkampf hinzu: Bei der 40-Meter-Strecke der Männer war nicht die schnellste Zeit beim Zieleinlauf entscheidend, stattdessen wurde die Höchstgeschwindigkeit mit einem radarbasierten Zeitmesssystem auf dem Sprintsteg erfasst.

Eine innovative Sportshow mit 15 Athleten

Die Sportler gingen in Teams mit je einer Weitspringerin, einem Stabhochspringer und einem Sprinter an den Start. In den traditionellen Disziplinen Weitsprung und Stabhochsprung galten die von den Veranstaltern in den Vorjahren entwickelten Austragungsregeln: Anders als bei internationalen Wettkämpfen im Stadion üblich, zählt hier nicht die beste erbrachte Leistung, stattdessen wird jeder der vier Versuche einzeln gewertet und dem jeweiligen Team-Konto gutgeschrieben. Am Ende zählt die Gesamtwertung.

Bei dem Höchstgeschwindigkeitssprint der Männer gab es je drei Versuche. Wie in den anderen Teams gab es auch bei den Deutschen bekannte Gesichter aus Rio. Mit dabei war etwa die deutsche Olympia-Vierte im Weitsprung, Malaika Mihambo vom Verein LG Kurpfalz, und der WM-Siebte im Stabhochsprung, Tobias Scherbarth vom TSV Bayer 04 Leverkusen.

Favorit im Sprint war der 28-jährige Julian Reus vom TV Wattenscheid 01, der mit 10,1 Sekunden auf 100 Metern deutscher Sprintrekordhalter ist und in diesem Jahr den vierten Platz bei den Olympischen Spielen in Rio belegte. „Ich bin heute hierhergekommen, um Julian Reus zu sehen. Für mich ist es etwas Besonderes, weil ich auch Leichtathletin in seinem Verein bin“, sagte Victoria Hanke, die aus dem Ruhrgebiet angereist war.

Ein Vorgeschmack auf die Leichtathletik-EM im Jahr 2018

Andere Besucher kamen aus Begeisterung für einzelne Disziplinen. „Uns interessiert hier insbesondere der Stabhochsprung“, sagten Paul Wurm (19) und Linda Spann (19) aus Österreich. „Es ist ein interessanter Wettbewerb, denn das Format hat es in dieser Form ja noch nicht gegeben. Und es ist eine tolle Gelegenheit, die Sportler live zu sehen“, sagte Jens Mundhenke (41) aus Steglitz, der seine Familie mit zum Brandenburger Tor gebracht hatte. Für seinen Sohn Jonas (13) war ganz klar: „Natürlich soll Deutschland gewinnen.“

Die fast voll besetzte Tribüne am Brandenburger Tor – Berlin-2018-Arena genannt – bot einen Vorgeschmack auf die 2018 anstehende Leichtathletik-EM. Bei „Berlin fliegt“ hatten rund 2000 Besucher von hier aus einen direkten Blick auf die Athleten. Dazu gab es Stehplätze entlang der Strecke an der Straße des 17. Juni. Anna Trabant (25) aus Charlottenburg freute sich über die neue Perspektive: „Diesmal sieht man das Brandenburger Tor von hinten.“

Weitsprung brachte die entscheidenden Punkte für das deutsche Team

Letztlich setzte sich das Gastgeber-Trio mit 46 Punkten sehr deutlich durch, lag vor Großbritannien (40,5 Punkte) und Frankreich (24,5 Punkte). Italien wurde am Ende Vierter und distanzierte mit 20 Punkten Spanien, das 17 Punkte holte.

Im Weitsprung siegte die deutsche Favoritin Malaika Mihambo, die in allen vier Runden die Höchstpunktzahl für das Team erzielen konnte. „Das hat wieder Spaß gemacht. Nicht nur das Wetter ist top, auch die Stimmung. Und bei uns lief’s auch so“, sagte die Weitspringerin glücklich, die mit 6,20 Metern die entscheidenden Punkte für das deutsche Team holte. „Ich hatte schon ein Kribbeln im Bauch, weil ja jeder Sprung für die Mannschaft zählt“, sagte die 22-Jährige nach der Siegerehrung. Die nahm Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) vor.

Nicht nur die Athleten, auch die Besucher mussten schwitzen. „Die Atmosphäre war super, auch wenn es mir ein bisschen zu heiß auf der Tribüne war. Nach dem deutschen Sieg kann ich zufrieden nach Hausen fahren“, so Manuela Schulze aus Friedrichshain.