Geschichtsprojekt

Eine Amerikanerin konzipiert ein Museum für Kleinmachnow

Alexis Hyman Wolff stammt aus Los Angeles. Mit anderen Interessierten baut sie das Heimatmuseum auf. Eine Ausstellung zeigt ab Sonnabend die Ideen.

Alexis Hyman Wolff baut ein Museum für Neu-Kleinmachnower und Alteingesessene auf

Alexis Hyman Wolff baut ein Museum für Neu-Kleinmachnower und Alteingesessene auf

Foto: Ricarda Spiegel

Kleinmachnow.  Eine gebürtige Amerikanerin aus Los Angeles will einer brandenburgischen Gemeinde am Rande zu Berlin dabei helfen, ein Heimatmuseum aufzubauen. Allein das ist schon ungewöhnlich. Auch die Herangehensweise ist etwas Besonderes. Entstehen soll mit ihrer Unterstützung nicht etwa eine biedere Heimatstube, sondern ein experimentelles Museum. Mit den Kleinmachnowern – und für die Kleinmachnower.

„Es geht darum, gemeinsam einen Ort zu schaffen, an dem Menschen ihre Erinnerungen und Erfahrungen abbilden und teilen können“, sagt Alexis Hyman Wolff. „Wichtig ist deshalb eine möglichst breite Beteiligung.“

Schau in einem denkmalgeschützten Holzhaus

In Zusammenarbeit mit der Museumsinitiative Kleinmachnow und dem Heimatverein fand die 33-Jährige in den vergangenen Monaten bereits engagierte Kleinmachnower, die allerlei zusammentrugen. Wie ein Mitmach-Museum aussehen könnte, soll nun eine erste Ausstellung mit Ideen von Kleinmachnowern zeigen, die an diesem Sonnabend um 15 Uhr an der Karl-Marx-Straße 117 eröffnet wird.

Die Schau findet bis 18. September in einem denkmalgeschützten rot gestrichenen Holzhaus aus den 30er-Jahren statt, das später das Museum beherbergen könnte. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen. Einst war in dem Siedlungshaus das Verkaufsbüro für die Siedlung des Berliner Baumeisters Adolf Sommerfeld untergebracht. Heute steht es leer. Die letzten Mieter zogen vor einigen Jahren aus.

Die Kuratorin hat sich im Ort einquartiert

Hyman Wolff ist in diesen Tagen fast ständig dort – um die Ausstellung vorzubereiten. Für das Projekt hat sich die Kuratorin einige Monate in Kleinmachnow einquartiert. Die Amerikanerin war 2012 der Liebe wegen von L.A. nach Deutschland gezogen. Mit ihrem heutigen Mann lebt sie in Berlin-Mitte, inzwischen mit Nachwuchs. In L.A. arbeitete Hyman Wolff mehrere Jahre im Museum of Jurassic Technology, das die Geschichte von Museen reflektiert. Dies war ihr Einstieg in experimentelle Museumsformen nach dem Studium in Kunstgeschichte und französischer Literatur. In Berlin studierte sie an der Universität der Künste künstlerisch-kuratorische Praxis.

Die Gemeinde entschied sich wegen ihrer Erfahrung mit experimentellen Museen für sie. Denn das 2015 vorgelegte Rahmenkonzept des externen Museumsberaters Christian Hirte setzt ebenfalls auf Teilhabe und Einbeziehung der Bevölkerung. „Wir verstehen ein Museum für Kleinmachnow nicht als reine Ausstellungsfläche, sondern als eine Kommunikationsplattform für die Themen, die uns bewegen“, sagt die Initiatorin und Sprecherin der Kleinmachnower Museumsinitiative, Sandra Oppmann. „Zum Beispiel die Willkommenskultur in unserer Gemeinde .“

Auch Kinder sollen ihre Ideen mit einfließen lassen

„Wir sind nun gespannt darauf, wie das Museumskonzept aussehen wird, das Hyman Wolff voraussichtlich am 20. September im Kulturausschuss vorstellen wird“, sagt Oppmann. Die promovierende Kunsthistorikerin bedauert, dass die Museumsinitiative dabei nicht einbezogen worden ist. Mit dabei war die Initiative aber, als in einem Workshop Themen für die erste Ausstellung bestimmt wurden. Diese reichen von der Ortsgeschichte über Frauen in Kleinmachnow bis hin zu Geld. Zudem sollen Kinder ihre Vorstellungen von einem Kleinmachnower Museum auf kreative Weise darstellen.

Der Hochwebstuhl der Kleinmachnowerin Ingrid Schimkönig steht schon. Die 75-Jährige richtet einen ganzen Raum im Erdgeschoss des Hauses mit von ihr gesammelten Alltags-gegenständen ein. Zu sehen sein werden auch alte Grenz-Schilder aus der DDR-Zeit oder ein Stahlhelm. Gegenstände, die Geschichten erzählen.

Die Zahl der Einwohner hat sich seit dem Mauerfall verdoppelt

Doch nicht alle Exponate kommen aus dem Ort. Denn das heutige Kleinmachnow ist eine bunte Mischung aus Eingesessenen und Zugezogenen. Und das soll im Museum spürbar sein. „Ich wollte auch die Erfahrungen und kulturellen Hintergründe der Zugezogenen mit einbeziehen“, sagt Kuratorin Hyman Wolff. Gerade für Kleinmachnow sei der Heimatbegriff von Bedeutung. Die Speckgürtel-Gemeinde ist seit dem Fall der Mauer von rund 10.000 Einwohnern auf über 20.000 gewachsen. Kaum eine Gemeinde im Berliner Umland steht für einen so starken Bevölkerungswandel.

Kleinmachnow sei ein Beispiel dafür, wie sehr sich der Heimatbegriff ändere, sagt die Kuratorin. „Heutzutage haben viele Menschen eine kulturelle Identität, die sich aus verschiedenen Orten zusammensetzt.“ Wie sie selbst auch. Heimat hat für sie immer auch etwas Sinnliches. Alexis Hyman Wolff fällt das goldene Sonnenlicht im Garten ihrer Eltern in Kalifornien ein. „Heimat, das ist für mich das leuchtende Magenta-Rot der tropischen Pflanzen, die dort wachsen.“ „Das ist aber auch die Familie, in L.A. und in Berlin.“