Einschulung

Fachkräftemangel überschattet die Einschulung

32.104 Kinder werden am Sonnabend eingeschult - 1302 mehr als im Vorjahr. Viele Grundschulen stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen.

Sie freuene sich auf ihren ersten Schultag: Greta und Carl mit ihren Schultüten

Sie freuene sich auf ihren ersten Schultag: Greta und Carl mit ihren Schultüten

Foto: Amin Akhtar

Überall in der Stadt werden sie an diesem Sonnabendvormittag zu sehen sein: herausgeputzte Kinder mit leuchtenden Schulranzen und großen Schultüten. 32.140 Schulanfänger erleben ihre Einschulung. Das sind 1302 mehr als im vergangenen Jahr. Die Zahl ist allerdings nur eine Schätzung der Bildungsverwaltung, da zu Schulbeginn immer mehr Kinder in Privatschulen wechseln, wegziehen oder nach Berlin ziehen.

„Der Schulanfang ist für Kinder ein mit Freude erwarteter Tag und bedeutet eine spannende Umstellung für die ganze Familie“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Eltern sollten ihre Kinder in ihrer Motivation unterstützen, denn gerade am Anfang könne die ungewohnte Situation von den Kindern als schwierig empfunden werden, so die Senatorin.

Nächstes Jahr wird die Früheinschulung abgeschafft

Viele Eltern haben aber auch ihre Kinder um ein Jahr von der Schulpflicht zurückgestellt, damit sie noch ein Jahr länger in die Kita gehen können. Eine verlässliche Zahl der Rückstellungen gibt es noch nicht, vermutlich werden es noch mehr Kinder sein als im vergangenen Jahr. Damals waren 6000 Vorschulkinder zurückgestellt. Allein in Pankow gibt es nun 1200 Rückstellungen, im Schuljahr zuvor waren es 1000. Zum letzten Mal mussten in diesem Jahr Kinder schon ab fünfeinhalb Jahren eingeschult werden. Zum kommenden Schuljahr wird dann die umstrittene Früheinschulung in Berlin abgeschafft. Dann gilt die Schulpflicht für Kinder, die bis zum 30. September sechs Jahre alt werden. Für die Kinder, die jetzt schulpflichtig werden, wurde die Regelung allerdings schon stark gelockert, sodass die Eltern bestimmen konnten, ob sie ihr Kind noch ein Jahr länger in der Kita lassen, wenn es erst nach dem 30. September den sechsten Geburtstag hat.

Grundschulen stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen

Viele Bezirke hätten ohne die vielen Rückstellungen vermutlich auch gar nicht alle Erstklässler unterbringen können. Schon so wird es in allen Bezirken eng. Die meisten Grundschulen sind bis zur Kapazitätsgrenze ausgelastet, einige auch darüber. Aufgrund der wachsenden Schülerzahl müssen viele Teilungsräume aufgegeben werden, die dazu gedacht sind, bei Bedarf die Klasse in kleinere Gruppen aufzuteilen. Auch Freizeiträume für die Nachmittagsbetreuung mussten teilweise aufgegeben werden. Viele Schulen müssen zusätzliche erste Klassen aufnehmen. In Pankow, wo die Zahl der Schulanfänger am höchsten ist, mussten 13 Schulen insgesamt 15 neue Klassen für Erstklässler einrichten. Auch in Mitte, Neukölln und Lichtenberg wurden neue Klassen geschaffen.

Wachsende Schülerzahlen bedeuten für die neuen Erstklässler auch, dass häufig die Klassen voller werden als bisher. Laut Grundschulverordnung besteht eine Klasse der Schulanfangsphase aus 23 bis maximal 26 Kindern. An Schulen mit vielen Kindern nicht deutscher Herkunftssprache oder aus einkommensschwachen Familien beträgt die vorgesehene Klassengröße 21 bis 25 Kinder. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gibt es in verschiedenen Bezirken einige Schulen, die mehr als 26 Kinder in einer Klasse aufnehmen mussten. Zahlen liegen dazu allerdings noch nicht vor.

Eine neue Herausforderung für die Schulanfänger ist auch der Fachkräftemangel, denn viele Lehrer müssen selbst erst einmal den Schulalltag kennenlernen. Die offenen Stellen an den Grundschulen konnten zwar besetzt werden, doch in den meisten Fällen nicht mit Lehrern, die dafür auch ausgebildet sind. Nach Angaben der GEW haben nur 162 der 910 eingestellten Lehrkräfte das Grundschullehramt studiert.

Einführung des Lehrplans auf 2017 verschoben

Der Zuwachs an Schulanfängern hat auch Auswirkungen auf pädagogische Konzepte. Häufig bieten Grundschulen zwei Varianten an: jahrgangsgemischte Klassen und Klassen, in denen die Erstklässler unter sich sind. Oft ist das auch gar nicht anders möglich, weil mehr Kinder eingeschult werden, als in den zweiten Klassen sind.

Auch die Inhalte werden sich für die ABC-Schützen verändern. Eigentlich sollte der neue Rahmenlehrplan schon in diesem Jahr verbindlich sein. Doch wegen zahlreicher Änderungen wurde die Einführung auf das Schuljahr 2017/18 verschoben. Viele Lehrer orientieren sich aber schon jetzt daran. Neu ist zum Beispiel, dass die Sprach- und Medienbildung in allen Fächern eine Rolle spielen muss. Andere übergreifende Themen, die in allen Fächern vorkommen, sind zum Beispiel Sexualerziehung, Demokratiebildung oder Verkehrserziehung.