Berlin

Festival der Kiezkultur

Musik, Kunst, Lesungen: Für „2 Tage Wedding“ gehen viele Türen auf

Leise Chansons schwappen aus der offenen Tür des Cafés „Strudelka“. Hier und da sitzen Grüppchen an schattigen Holztischen, einzelne Menschen strecken die Glieder vor Hitze von sich, lassen die Eiswürfel in ihren Limonadengläsern klirren. Eilig hat es hier niemand. Es ist Mittagsruhe im Sprengelkiez. Rita Plessing steht hinter der Holztheke ihres Cafés und lacht. Die Wirtin vom „Strudelka“, dem ersten Berliner Strudelrestaurant, ist genau deswegen vor vier Jahren aus Wien nach Wedding gezogen. Keine Touris, keine High-Society, kein Schnickschnack. Normaler Alltag eben. „Aber mit viel Gemütlichkeit und tollen Nachbarn“, sagt sie. Weil es mit denen eben so gut klappt, hat sich Plessing mit über 50 ihrer Kiezkollegen zusammengetan, um diese Weddinger Gemütlichkeit zu feiern. Das soll an diesem Wochenende sein. Plessing und ihre Nachbarn richten erstmals das Kulturfestival „2 Tage Wedding“ aus.

„Ich freue mich am meisten“, sagt Plessing, „wenn Fußgänger unsere Plakate entdecken und sagen, dass sie unbedingt kommen wollen.“ Das tun mittlerweile einige. Für die Veranstaltung interessieren sich bei Facebook über 5000 Menschen. Die Resonanz sei sehr gut, sagt Plessing. Gastronomen wie sie, aber auch Galerien und Ateliers, Einzelhändler und Bioläden, die Beuth Hochschule, Kulturschaffende und das City Kino Wedding machen mit. Alle öffnen Sonnabend und Sonntag ihre Türen, um ein kulturelles, oft kostenloses Programm zu bieten. Da wird vorgelesen – Sonnabend im „Strudelka“ zum Beispiel – es gibt Jam Sessions, Konzerte, französische Chansons und DJ-Sets. Im Café „Göttlich Essen & Trinken“ kann man die prächtigen Berlin-Fotos von Malte Brandenburg beschauen. Am Leopoldplatz wird Boule gespielt, im Soldiner Kiez kann man im Textilatelier „Pa 58“ Wolle spinnen, ein paar Straßen weiter etwas über berühmte Weddingerinnen lernen. Wedding will sich bunt zeigen, ja nachbarschaftlich. So wie im Café „Strudelka“.

Die Idee zum Kiezfest ist auch hier entstanden. Im Februar sitzen Plessing und die Festivalorganisatorin – und klar, Nachbarin – Andrea Krizsai an einem Holztisch und reden über ihren Kiez. Plessing erzählt, dass es hier vor ein paar Jahren mal ein Kiezfest gab. Dass es klasse gewesen, aber wohl eingeschlafen sei. Krizsai, die wenige Straßen weiter die Galerie „Nomad Store and Gallery“ betreibt, war sofort begeistert. „Das machen wir selbst“, sagte sie und trommelte die Nachbarn zusammen. Im „Strudelka“ hängen fürs Fest 32 Fotografien. Der Klaus von zwei Häusern weiter habe die geschossen, Anfang der 80er-Jahre, als Wedding noch ein bisschen anders aussah als heute. Das zeigen auch die Bilder. Eingestürzte Wände, zerschlagene Toiletten, Hausschwamm. So hinter Glas, da ist auch das irgendwie Weddinger Idyll, ohne Gentrifizierung eben.

„2 Tage Wedding“ am 10. und 11. September in acht Weddinger Kiezen. Vollständiges Programm unter www.2tagewedding.com

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