Nahverkehr

Zu Besuch auf der Baustelle des U-Bahnhofs Rotes Rathaus

Meilenstein für die U5: Der U-Bahnhof Rotes Rathaus ist im Rohbau fertig. Viele kamen zum Tag der offenen Tür.

Blick in den neuen U-Bahnhof Rotes Rathaus

Blick in den neuen U-Bahnhof Rotes Rathaus

Foto: Paul Zinken / dpa

Der Bahnsteig ist Bühne, das Publikum steht im Gleisbett – das ist eine Ausnahmesituation. Neben dem Roten Rathaus wird an diesem Mittwoch das Richtfest im neuen U-Bahnhof gefeiert. Der Rohbau ist fertig. Am Vormittag besuchen geladene Gäste die neue Station, am Nachmittag ist jedermann willkommen. Zu besichtigen ist eine hohe Halle mit Betonwänden und sieben auffallend schlanken Säulen, die mit einem trichterförmigen Kopf in die Decke münden. „Pilzkopfstützen“ werden sie genannt und sind das Markenzeichen des Bahnhofs, den Architekt Oliver Collignon entworfen hat. Die Säulenform erinnert an das Deckengewölbe des mittelalterlichen Rathauses, das bei Grabungen entdeckt wurde.

Richtfest im Bahnhof „Rotes Rathaus“
Richtfest im Bahnhof „Rotes Rathaus“

Anfang 2017 soll der Ausbau des Bahnhofs beginnen und bis 2019 dauern. Die Fassaden im Inneren werden gestaltet, das Gleisbett mit Schotter gefüllt, die 120 Meter langen Bahnsteige ausgestattet. Drei Zu- und Abgänge bekommt die Station. Die Bauarbeiten für den U-Bahnhof haben im Januar 2013 begonnen. 20.000 Kubikmeter Beton sind in den Rohbau geflossen, 6000 Tonnen Betonstahl wurden verbaut.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher ist begeistert vom neuen U-Bahnhof, und besonders von den Pilzkopfstützen. „Toll“, sagt sie beim Richtfest. „Man spürt, wie die riesige Last auf die Säulen übertragen wird.“ Über diese Stützen sei, wegen der Kosten, mit der BVG gestritten worden. „Aber ich habe gesagt, das muss sein. Das ist das Wesen des Entwurfs von Collignon.“

BVG-Chefin Sigrid Nikutta räumt ihre Skepsis ein. „Ich hätte nicht darauf gewettet, dass die collignonschen Pilzstützen wirklich in Beton gegossen werden können“, erzählt sie beim Richtfest. „Wenn Architekten sagen ‚Es ist in der Welt einmalig, was wir hier machen‘, dann wissen wir immer, es könnte schwierig sein.“ Und das sei es auch gewesen.

Die sieben Säulen sind nicht die einzige Besonderheit des Bauwerks. Das sogenannte archäologische Fenster ist eine weitere. Die Reisenden werden durch ein Fenster in das Untergeschoss des mittelalterlichen Rathauses sehen können, mit Pfeilern und Mauer. Sie wurden bei Ausgrabungen in den Jahren 2010 bis 2012 entdeckt.

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Eine weitere Besonderheit des Bahnhofs: Er hat zwei Geschosse. Unter der Station mit zwei U-Bahngleisen und den Bahnsteigen ist ein Tunnel mit vier Gleisen angelegt worden. In ihm werden die Züge nachts abgestellt. „Die Baugrube war deshalb 20 Meter tief, und wir sind dicht am Roten Rathaus“, sagt Projektleiter Jörg Seegers. „Das war schon eine spannende Herausforderung.“ Der Zeitplan sei eingehalten worden.

Die schwierigsten Arbeiten kommen noch

Doch das Schwierigste steht noch bevor, und zwar wenn der U-Bahnhof Museumsinsel entsteht. „Er liegt unter dem Spreekanal, und unter dem Kommandantenhaus“, sagt Projektleiter Seegers. Deshalb wird dort im Umfeld der künftigen Bahnhofshalle die Erde mit dem Grundwasser vereist. Im Schutz dieser Vereisung wird die Station gebaut, Bagger graben den Boden aus.

2020 soll die verlängerte Linie U5 an den Start gehen. Sie verbindet die bisherige U5, die von Hönow bis zum Alexanderplatz führt, über die neue, 2,2 Kilometer lange Strecke mit der U55, die am Bahnhof Brandenburger Tor beginnt und zum Hauptbahnhof führt. Dabei wird ein alter Tunnel am Alexanderplatz einbezogen. Die Gesamtstrecke der neuen U5 ist 22 Kilometer lang und hat 26 Stationen. Man rechnet mit 155.000 Fahrgästen am Tag.

Noch ist das gesamte Vorhaben im Zeitplan. „Aber die Zeitpuffer, die wir eingebaut hatten, sind bereits aufgebraucht“, sagt Projektleiter Seegers. Auch der Kostenrahmen wird derzeit noch eingehalten. Das Budget liegt bei 525 Millionen Euro, das aus Bundes- und Landesmitteln besteht. „Große Wohngebiete im Ostteil Berlins werden über die neue U5 an das Stadtzentrum angebunden“, sagt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) beim Richtfest. Er habe das Baugeschehen von seinem Balkon im Roten Rathaus aus beobachten können, erzählte Müller. „Es ist ein spektakulärer Bau.