Wildschwein-Jagd

Jäger schützen sich mit Westen gegen wütende Bürger

In Brandenburg gibt es mehr Wildschweine. Weil die Jagdpächter nicht nur im Wald auf die Tiere schießen, gibt's Ärger.

Aufgewühlte Erde: Die beiden Jagdpächter Jörg Fenske (links) und Peter Hemmerden aus Kleinmachnow, noch ohne Weste, zeigen die Spur der Schweine

Aufgewühlte Erde: Die beiden Jagdpächter Jörg Fenske (links) und Peter Hemmerden aus Kleinmachnow, noch ohne Weste, zeigen die Spur der Schweine

Foto: Gudrun Mallwitz

Kleinmachnow.  Die beiden Jagdpächter Peter Hemmerden und Jörg Fenske haben wegen der Wildschweine immer häufiger mit aufgebrachten Kleinmachnowern und Stahnsdorfern zu tun. „Kürzlich musste ich sogar die Polizei rufen, weil ich Sorge hatte, dass mir ein Spaziergänger das Gewehr entreißt“, erzählt Hemmerden. „Die einen beschimpfen mich als Wildschwein-Killer, andere fordern, dass wir als Jäger endlich durchgreifen.“

Ärger gebe es auch immer wieder mit Hundebesitzern. Sie weigerten sich vielfach, die Hunde im Wald an die Leine zu nehmen. Weil viele in Zeiten von Terroranschlägen besorgt sind, wenn sie eine Waffe sehen, werden die insgesamt zwölf Jäger von Kleinmachnow und Stahnsdorf künftig mit gelben Warnwesten, Aufschrift und Wappen unterwegs sein. Dies kündigten die Jagdpächter am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Kleinmachnower Rathaus an.

30 Prozent mehr Wildschweine wurden bislang erlegt

Im ersten Halbjahr haben die beiden Jagdpächter und ihre zehn Kollegen etwa 30 Wildschweine südwestlich von Berlin erlegt. Etwa 30 Prozent mehr als im Jahr davor. „Wir gehen davon aus, dass die grundsätzlich sehr schwankende Population in diesem Jahr stark gestiegen ist“, so Hemmerden. Wie viele Wildschweine im etwa 100 Hektar großen Jagdrevier leben, können sie nicht sagen. Einmal im Jahr werden sie auch auf den Südwest-Friedhof in Stahnsdorf bejagt.

„Nachdem es lange Zeit ruhig war, häufen sich nun wieder die Wildschwein-Meldungen in Kleinmachnow und Stahnsdorf“, bestätigen die Bürgermeister Michael Grubert (SPD) und Bernd Albers (Bürger für Bürger). „Deshalb wird die Jagd nicht nur im Wald, sondern auch im Ortsgebiet weiter­betrieben.“ An ausgewiesenen Stellen dürfen die Jäger auch im Ort ein Wildschwein erlegen. „Dazu kommt er aber meist nur einmal im Jahr“, sagt Grubert. Passiert sei dabei noch nie etwas. Einmal beschädigte die Kugel eine Hausmauer. In Berlin war im Mai dieses Jahres ein 60-Jähriger in seiner Garage an der Heiligenseestraße in Reinickendorf verletzt worden, offenbar durch einen Streifschuss. Die herbeigerufenen Beamten entdeckten auf einem etwa 300 Meter entfernten Hochstand einen 57 Jahre alten Jäger, der angab, auf ein Wildschwein geschossen zu haben. Das verendete Tier wurde in der Nähe entdeckt. Gewehr, Munition, Jagdschein und Waffenbesitzkarte des Schützen wurden beschlagnahmt.

Keine Essensreste im Garten kompostieren

Die Wildschweine kommen nach Kleinmachnow und Stahnsdorf vor allem aus dem Berliner Forst über Dreilinden. In den Waldgebieten der Hauptstadt werden sie, so Bürgermeister Grubert, weniger bejagt als in Brandenburg. Der Bürgermeister appelliert an die Bewohner, jede Art der Fütterung des Wildes zu unterlassen. Sie sei nach dem Jagdgesetz verboten. Auch Grünabfälle sollten nicht im Wald entsorgt werden. Er warnt auch: „Kompostieren Sie keinesfalls Essensreste in ihren Gärten.“ Die gelben Abfallsäcke sollten nicht bereits am Abend vor der Abholung bereitgelegt werden. „Auch diese sind eine Einladung zum Essen für alle Tiere“, so Grubert.

Um die Gärten zu schützen, sollten die Grundstücke eingezäunt werden. Allerdings gelingt dies nicht immer. Beim Bürgermeister waren sie unlängst im Garten und Jagdpächter Peter Hemmerden filmte sie, als sie sich um drei Uhr nachts die Kirschen schmecken ließen. In beiden Fällen fanden sie eine Lücke im Zaun, um in den Garten zu gelangen.