Ernährung

Was in Berliner Schulen auf den Tisch kommt

Ein Modellprojekt der Barmer GEK startet an drei Berliner Schulhorten. Dort lernen Kinder, sich gesund zu ernähren.

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Wer Kinder hat, weiß, wie schwer es ist, ihnen ein Essen zu servieren, das gesund ist und ihnen auch noch schmeckt. Die meisten würden am liebsten jeden Tag Nudeln mit Tomatensoße essen, wobei die Soße vor allem aus Ketchup bestehen sollte.

Auch Fast Food wie Pommes, Pizza oder Fischstäbchen sind bei den Kleinen äußerst beliebt – Gerichte, die nach ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten nicht eben gesund sind und deren Verzehr auf Dauer sogar verheerende Folgen haben kann.

Jeder elfte Erstklässler hat Übergewicht

So haben die Schulanfangsuntersuchungen des Berliner Senats im Jahr 2014 ergeben, dass rund 9,1 Prozent der Erstklässler übergewichtig bis adipös waren. Mit zunehmendem Alter werden es sogar immer mehr, wobei Kinder aus sozial schwachen Familien viermal so häufig an Übergewicht leiden wie die aus sozial bessergestellten Familien.

Ein Modellprojekt der Barmer GEK soll dazu beitragen, diese Entwicklung zu stoppen. „ü6 – gesund essen – lernen“ startet in den kommenden Wochen an drei ausgewählten Berliner Schulhorten. Ziel des Projekts ist es, die Kinder an gesundes Essen heranzuführen und ihnen möglichst viel Wissen über Ernährung zu vermitteln. Die Ergebnisse des Projekts sollen zu bundesweiten Empfehlungen werden.

Ganztagsschulen übernehmen Erziehungsaufgaben

Projektleiterin ist die Berliner Ernährungswissenschaftlerin Dorle Grünewald-Funk. „Wir wollen Grundschulkindern dabei helfen, sich dauerhaft gesund zu ernähren“, sagte sie der Berliner Morgenpost. Lehrer, Erzieher und Eltern sollen in das Projekt mit einbezogen werden.

Laut Grünewald-Funk schicken immer mehr Eltern ihre Kinder in Ganztagsschulen. Diese müssten nun Erziehungsaufgaben übernehmen, die früher der Familie oblagen. Dazu gehöre auch, die Kinder an gesunde Ernährung heranzuführen.

„Das Essverhalten eines Menschen wird vor allem in den ersten Lebensjahren geprägt“, sagte Grünewald-Funk. Dabei spiele eine große Rolle, was die Kinder zu Hause oder in den Einrichtungen, in denen sie betreut werden, über Ernährung lernen würden. Gerade im Hort sei Zeit, sich dieser Thematik zu widmen.

Gemeinsam mit Kindern kochen

„Im Rahmen des Modellprojekts werden die Erzieher mit den Kindern kochen und mit ihnen darüber reden, was der Körper für eine gesunde Entwicklung benötigt und worauf man beim Kauf von Lebensmitteln achten sollte.“

Auch um die Zusammensetzung der Lebensmittel werde es gehen, so Grünewald-Funk. „Wir wollen die Kinder für gesundes Essen begeistern und sie motivieren, möglichst viel davon auszuprobieren und das nicht nur im Hort, sondern auch zu Hause zu tun.“

Projektteilnehmer sind die Horte der Askanier-Grundschule, der Carl-Schurz-Grundschule sowie der Katholischen Schule Bernhard Lichtenberg, alle drei in Spandau. Sylvio Bauer, Leiter des Horts der Askanier-Schule, sagte der Berliner Morgenpost, dass viele Kinder kein Bewusstsein für gesunde Ernährung haben.

Kinder durch Werbung in die Irre geführt

Aus Zeitgründen würden Eltern oft auf Fertigprodukte zurückgreifen. Hinzu komme, dass Kinder durch Werbung in die Irre geführt werden. „Da werden Lebensmittel als gesund deklariert, in denen viel zu viel Zucker oder ungesunde Konservierungsstoffe stecken.“

Bisher sei das Thema Ernährung im Hort oder in der Schule zwar immer mal wieder in Projektwochen behandelt worden. „Wir brauchen aber eine kontinuierliche Erziehung, die den Kindern hilft, sich dauerhaft gesund zu ernähren“, sagte Bauer. Genau das verspreche er sich vom Modellprojekt „ü6 – gesund – essen – lernen“, das über vier Jahre laufe.

Neue Qualitätsstandards

Für die Berliner Schulen ist das Thema gesunde Ernährung allerdings nicht neu. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat 2013 eine Reform des Schulessens an den Grundschulen angeschoben und das Gesetz über die Qualitätsverbesserung des Schulmittagessens auf den Weg gebracht.

Seit dem 1. Februar 2014 gelten als neue Qualitätsstandards die der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Alle Caterer müssen sich danach richten, weniger Fleisch anbieten, dafür mindestens einmal pro Woche Fisch, Rapsöl als Fett verwenden, jeden Tag Salate und Rohkost anbieten und mindestens zweimal pro Woche frisches Obst der Saison und aus der Region.

Eltern können den Caterer mit aussuchen

Seit Februar 2014 kostet das Schulessen für Grundschüler deshalb 3,25 Euro. Damit stehen rund 1,25 Euro zusätzlich für eine bessere Essensversorgung pro Mahlzeit zur Verfügung. Das neue Gesetz ermöglicht den Eltern zudem eine aktive Rolle bei der Auswahl des Caterers und der Qualitätssicherung des Mittagessens in der Schule. In jeder Schule sind Mittagessensausschüsse gebildet worden, deren Mitglieder diese Aufgaben wahrnehmen.

Auch an der Grundschule auf dem Tempelhofer Feld hat sich die Qualität des Mittagessens seitdem verbessert. Schulleiter Olaf Garbe sagte der Berliner Morgenpost, dass die Kinder sehr zufrieden sind.

„Wir bekommen unser Essen vom Nachbarschaftszentrum Ufa-Fabrik. Der Koch dort kommt einmal im Monat in unsere Schule und fragt die Kinder, was sie sich zu essen wünschen.“ Jeden Tag liege ein Speiseplan auf den Tischen der Mensa.

Essensplan einer Grundschule

An der Grundschule auf dem Tempelhofer Feld in Tempelhof-Schöneberg wird seit Jahren viel Wert auf gesunde Ernährung gelegt. Das Schulessen ist ausgewogen zusammengesetzt. Es gibt viel Gemüse, Obst und auch Rohkost. Dass es den Schülern schmeckt, ist auch daran zu sehen, dass 80 Prozent von ihnen am Essen teilnehmen. Der Essensplan für jede Woche hängt für alle Schüler sichtbar an mehreren Stellen in und vor der Mensa aus. In dieser Woche sieht er folgendermaßen aus:

Montag:

Vegetarisches Schnitzel an Curry-Soße. Dazu Möhren und Biovollkornreis. Zum Nachtisch Obst.

Dienstag:

Tortellini Tricolore an Tomatensoße. Dazu Rohkost und Apfelmus.

Mittwoch:

Rindergulasch mit frischem Paprika beziehungsweise Tofugulasch. Dazu Kartoffelpüree. Als Nachtisch Obst und Rohkost.

Donnerstag:

Möhreneintopf. Dazu Kürbisbrötchen und Rohkost. Wahlweise gibt es Milchreis, der sonst der Nachtisch ist.

Freitag:

Gebratenes Lachsfilet an Rahmspinat. Dazu Biokartoffeln. Als Nachtisch Eis beziehungsweise Obst und Rohkost.

Die Küche

Gekocht wird mit jodiertem Salz und cholesterinfreiem Rapsöl. Die Köche verwenden weder Fertigsoßen noch -brühen. Für jedes Gericht sind außerdem die Zusatzstoffe und Allergene extra auf dem Speiseplan aufgeführt. In der Mensa arbeiten täglich zwei Wirtschaftskräfte während der Essensaus­gabe, eine Wirtschaftskraft sorgt zu­sätzlich zur Reinigungsfirma der Schule für die Sauberkeit und Hygiene der Räumlich­keiten.