Berlin

Ein Park zwischen Exotik und Hygieneregeln

Die Thaiwiese im Preußenpark lockt mit asiatischem Essen und günstigen Drinks. Doch von den Behörden gibt es kaum Lebensmittelkontrollen in Wilmersdorf

Die Sonne scheint, es riecht nach gebratenem Gemüse und Fleisch. Viele Besucher sind in den Preußenpark auf die Thaiwiese gekommen, probieren die traditionell zubereiteten Speisen. Unter den fast 50 bunten Sonnenschirmen reihen sich Schalen und silberne Wannen mit Fleisch oder Tofu in Gemüsesoße, Mangosalat und Hähnchenspießen. An anderen Ständen gibt es Fisch, gebratene Oktopusspieße, Schweinefleisch gebraten mit Sesam, Chicken Curry und Thai-Tee. Als Dessert werden frittierte Bananen und Mangoteig-Bällchen angeboten. Kühlboxen mit Eiswürfeln stehen neben den Ständen, um die Getränke zu kühlen. Die Thaiwiese an den Wochenenden und bei gutem Wetter ist eine Institution in Wilmersdorf, jedoch in einer rechtlichen Grauzone.

Die Verkäufer kommen hauptsächlich aus Thailand und Vietnam. Eine von ihnen ist „Oma“, sie kommt aus Thailand und spricht eine Mischung aus Deutsch und Englisch mit starkem Akzent. „Oma“ sagt, sie komme bereits seit 18 Jahren in den Park. Anfangs trafen sich die Thais auf der Wiese privat zum Essen. Von den Düften angelockt, kamen auch die Berliner auf den Geschmack, irgendwann wurden die Speisen zum Kauf angeboten. Auch heute noch treffen sich Thais aus ganz Berlin hier zum Essen, Reden und Kartenspielen. Aber auch um ihr Essen zu verkaufen. Nur: Eine Lizenz dazu fehlt.

„Hygienische Zustände sind nur schwer zu überprüfen“

Das Bezirksamt weiß um die Situation. „Der Preußenpark steht für Vielfalt, die Community dort fühlt sich wohl, das ist schön. Die Nachteile sind jedoch, dass der gewerbliche Handel nicht erlaubt ist, keine Steuern abgeführt werden und die hygienischen Zustände nur schwer überprüfbar sind“, sagt Stadtrat Marc Schulte (SPD), der für Stadtentwicklung und Ordnungsangelegenheiten zuständig ist. Es gebe kein fließendes Wasser, und es bestehe Salmonellengefahr. Das Picknick an sich sei unproblematisch, der illegale Verkauf nicht. Es bestünde ein Spannungsverhältnis zwischen dem exotischen Charme und den deutschen Regeln, meint der Stadtrat.

Hinter einem Stand sitzt eine Frau auf einer Decke. Vor ihr stehen Hühnchenspieße, Schweinefleisch und Mangosalat. Sie sagt: „Am Wochenende verdiene ich mir hier ein kleines Taschengeld, ich mache die Sachen hier nur warm und jeden Tag neu. Was übrig bleibt, wird weggeworfen.“ Sorgen um die Gesundheit müsse man sich nicht machen: „Hier kommen viele Stammkunden her.“

Ganz unkontrolliert ist der Verkauf nicht, doch es gibt ein großes rechtliches Problem. „Wir machen mit dem Ordnungsamt regelmäßig Stichproben von dem Essen“, erklärt Stadtrat Marc Schulte. Das gehe jedoch nicht immer. Restaurants zum Beispiel brauchen eine Gewerbeerlaubnis und müssen bestimmte Hygienevorschriften erfüllen, bei den Thais auf der Wiese ist das anders. Das Problem sei, dass hier kaum Kontrollen möglich sind, weil kein Gewerbe besteht. „Das Problem mit dem Verkauf ist, dass noch kein Gewerbe vorliegt, wenn zum Beispiel zum Selbstkostenpreis Essen angeboten wird“, sagt Schulte. „Erst wenn regelmäßig und in größerem Maßstab gehandelt wird, liegt ein Gewerbe vor. Dieser Nachweis ist jedoch sehr schwierig, bei Kontrollen wird schnell eingepackt.“ Doch auch eine Gewerbeerlaubnis zu erteilen, soweit die Voraussetzungen erfüllt sind, würde das Problem nicht lösen. „Es wäre schön, den Verkauf zu legalisieren mit festen Ständen und Wasseranschluss – wie auf einem Markt“, so Schulte. Allerdings seien dann Gebühren fällig, die Preise müssten angehoben werden. Dann gäbe es wahrscheinlich kaum noch Interessenten, der Reiz wäre weg. „Wir sind in einem Zwiespalt. Orte, die einen anarchischen Charme haben, sind die spannenden. Aber man muss sich als Kunde bewusst sein, dass man etwas Vorschub leistet, das man politisch nicht gutheißt. Und man muss auch ganz klar sagen: Wer günstig essen will, fördert Schwarzarbeit“, so der Stadtrat.

Die Besucher mögen den Thaipark. Christoph und Jenny sind alle paar Monate hier. Jenny sagt: „Das Essen hier ist billiger und gemütlicher als woanders.“ Christoph ergänzt: „Den meisten geht es hier um die Atmosphäre, das ist so schön anarchisch wie früher.“ Auch Jonell und Scarlett finden es großartig. „Hier gibt es sehr viele außergewöhnliche Sachen, außerdem ist das Essen frittiert. Es ist frisch, und man muss ja nicht alles kaufen, es kommt halt auf die Stände an. Wir waren schon in Thailand, da ist es auch so“, sagen sie.

Hähnchen mit Reis und Gemüsesoße kostet circa fünf Euro, Cocktails gibt es schon für drei Euro. Das kommt gut an. Nicht gut an kommen dagegen die Reste. Die Mülleimer an der Wiese reichen kaum aus. Besonders montagmorgens stapeln sich die Mülltüten, teilweise über Nacht von Tieren aufgerissen. Auch der Stadtrat für Soziales und Gesundheit, Carsten Engelmann (CDU), steht dem Parktreiben kritisch gegenüber. „Ein großes Problem ist die Vermüllung, vor allem an warmen Wochenenden. Der Müll liegt oft außerhalb der Container, es wird immer wieder Rattenbefall gemeldet.“ Das ist auch für Anwohner ein großes Ärgernis.

Dass die Müllentsorgung verbessert werden muss, findet auch Marc Schulte. Größere Container seien aber nicht vorgesehen. Eine finanzielle Beteiligung der Verkäufer an der Müllentsorgung gebe es nicht.

Neben Essen gibt es auch Lektüre zu kaufen: Mathias Heinrich gibt die Zeitschrift „Farang“ heraus, ein deutschsprachiges Südostasien-Magazin, und verkauft es auch im Preußenpark. „Der Park hat eine wichtige soziale Funktion für die Thailänder in Berlin, er ist ein Stück Heimat. Hier riecht es so wie zu Hause, und es schmeckt auch so. Das kann kein Restaurant leisten. Der Bedarf ist einfach da. Wäre es nicht hier, würde es sich wahrscheinlich woanders ansammeln“, sagt er.