Museum

Täglich 1000 Euro Bußgeld für Menschen Museum

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Katrin Lange
Der Eingang zum Menschen Museum unterhalb des Fernsehturms

Der Eingang zum Menschen Museum unterhalb des Fernsehturms

Foto: dpa Picture-Alliance / Klaus-Dietmar Gabbert / picture alliance / dpa

Trotz der Anpassungen nach dem Urteil besteht der Bezirk Mitte auf die Schließung der Körperwelten-Schau am Fernsehturm.

Obwohl das Menschen-Museum am Fuß des Fernsehturms nach Ansicht der Betreiber alle Auflagen des Gerichts erfüllt hat, hält Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) an der Schließung der Körperwelten-Schau fest. „Ich habe eine Verfügung erlassen, die Frist ist seit Montag, 24 Uhr, abgelaufen“, sagte Hanke am Mittwoch. Für jeden Tag, den das Museum weiterhin geöffnet bleibt, würde ein Bußgeld von 1000 Euro fällig. Um die Zahlungsaufforderung werde sich das Gesundheitsamt kümmern.

Damit wird der jahrelange Streit fortgesetzt. Der Bezirk Mitte hatte bereits vor der Eröffnung des weltweit ersten Museums der Körperwelten im Fe­bruar 2015 mit einem Zwangsgeld von 10.000 Euro gedroht, sollte die Austellung mit 20 Ganzkörperplastinaten und 200 anatomischen Exponaten erfolgen. Hanke berief sich auf das Berliner Bestattungsgesetz, das die Ausstellung von Leichen verbietet. Das Verwaltungsgericht urteilte jedoch, dass Plastinate der Wissenschaftsfreiheit unterlägen und wie in anderen medizinhistorischen Sammlungen gezeigt werden dürfen. In einem Eilverfahren konnte die Eröffnung durchgesetzt werden.

Bezirk bleibt hart: „Plastinate sind Leichen“

Daraufhin ging Christian Hanke in Berufung. Das Oberverwaltungsgericht kam im Dezember 2015 zu einem anderen Ergebnis: Es entschied, dass die plastinierten Ausstellungsstücke Leichen im Sinne des Berliner Bestattungsgesetzes seien und das Museum eine Genehmigung für den Betrieb bräuchte. Die aber verweigert der Bezirksbürgermeister. „Plastinate sind Leichen und die sind nicht öffentlich auszustellen“, sagt Hanke.

Die Museumsgründer, Plastinator Gunther von Hagens und Kuratorin Angelina Whalley, lesen das Urteil jedoch anders. Geschäftsführer Rurik von Hagens betonte, dass das Gericht die Ausstellung nicht grundsätzlich verboten habe. Das Bestattungsgesetz sehe Ausnahmen vor, dazu gehöre der wissenschaftliche Zweck einer Präsentation. Die Richter forderten, dass die Herkunft der Exponate zurückzuverfolgen sei und eine wissenschaftliche Einrichtung den Betrieb übernehme.

Gesundheitsamt will sich das Museum genauer ansehen

Diese Auflagen sind jetzt erfüllt. Die Plastinate haben einen Chip, und neuer Betreiber ist das Heidelberger Institut für Plastination, das auch das Körperspenderprogramm organisiert. Das wurde dem Bezirksbürgermeister auch mitgeteilt.

Christian Hanke bestätigte am Mittwoch, ein Fax erhalten zu haben. Das entbinde die Betreiber jedoch nicht davon, eine Genehmigung zu beantragen, sagte er. Der Begriff „Institut“ sei kein rechtlich geschützter Begriff. Daher müsse das Rechtsamt die Unterlagen prüfen. Für ihn steht fest: „Die Schließungsverfügung gilt.“ Vorher soll es aber offenbar doch noch eine Begehung des Museums geben. Das Gesundheitsamt habe angerufen und sich angekündigt, heißt es beim Betreiber.