Stadtplanung

Unternehmer will Hotels auf Berliner Parkhaus-Dächern bauen

Durch die Modularbauweise sollen die Immobilien mobil werden. Erstes Projekt in Mitte oder Friedrichshain ist für 2017 geplant.

MQ Real Estate Parkhausaufstockung

MQ Real Estate Parkhausaufstockung

Foto: MQ Real Estate

Sind Parkhäuser in Zeiten des Car Sharing und demnächst auch des autonomen Fahrens noch zeitgemäß – jedenfalls in der Dichte und Größe, wie sie heute in Berlin anzutreffen sind? Nikolai Jäger bezweifelt das. Er arbeitet mit seinem zehnköpfigen Team seit zweieinhalb Jahren an einem Konzept, wie die Nutzung von Parkhäusern optimiert werden kann. Jetzt zeigt er erste Ergebnisse: Er will Parkhäuser mit Zimmermodulen aufstocken, die aneinandergereiht und aufeinander geschichtet ein Hotel ergeben.

Das erste 22 Quadratmeter große Modul steht bereits auf dem Parkdeck des Ring-Center an der Frankfurter Allee in Friedrichshain. Es wurde in der Nacht zum Dienstag mit einem Kran auf das obere Parkdeck gehoben. Gewissermaßen zur Ansicht für Stadtplaner, Investoren und Hoteliers. Ein Muster-Showroom für das Hotel der Zukunft.

Jäger will sein Skypark-Hotelkonzept im nächsten Jahr im Bezirk Mitte oder Friedrichshain umsetzen. Es soll ein Hotel in der Preisklasse zwischen zwei und vier Sternen werden. „Wir fangen dort an zu bauen, wo andere aufhören“, sagt der Gründer, der leer stehende Parkplätze für eine Verschwendung von Stadtraum hält. „In der Regel ist das Oberdeck von Parkhäusern ungenutzt. Keiner will auf dem Deck parken, das am weitesten vom Ausgang entfernt ist“, sagt der Gründet von MQ Real Estate. Die Abkürzung MQ steht für Midtown Quarters – übersetzt heißt das Innenstadt-Quartier. „Parkhäuser stehen in zentraler Lage. Diese ist perfekt für ein Hotel.“

Komplette Hotelzimmer werden angeliefert

Die Module – bestehend aus einem komplett eingerichteten Zimmer samt Nasszelle und einem Flur-Segment – sollen in Schreinerei-Betrieben möglichst standardisiert hergestellt werden. Roboter sollen soweit wie möglich menschliche – sprich teure – Arbeitskraft ersetzen. Jäger, der hier mit einem Schweizer Unternehmen kooperiert, strebt einen Fertigungsgrad vor Lieferung von 95 Prozent an. Nur Installations- und Montagearbeiten sollen vor Ort erfolgen.

Seriell hergestellt wie am Fließband werden die quasi bezugsfertigen Zimmermodule per Schwertransport zum jeweiligen Parkhaus gebracht und dort in Reihen nebeneinander und aufeinander montiert. „Innerhalb weniger Wochen entsteht auf diese Weise ein neues Hotel“, schwärmt Jäger. Ein neben dem Gebäude montierter Aufzug bringt die Gäste direkt zu ihren Zimmern. „Niemand muss durch das Parkhaus gehen.“

Statisch sei das alles kein Problem, sagt Jäger. Insbesondere Parkhäuser aus den 80er- und 90er-Jahren verfügten über ausreichende Reserven. Manche Parkhäuser seien zudem bereits für eine Erweiterung geplant worden.

Dass die Zimmermodule billiger als ein konventionell errichtetes Hotel sind, glaubt der Investor nicht. Für ihn zählen die schnelle Montage ebenso wie die mögliche Demontage und der Umzug des Hotels an einen anderen Ort. „Wir wollen die Skalierbarkeit in den Immobilienmarkt bringen“, sagt der Gründer. Für ihn ergeben sich auf diese Weise vollkommen neue Geschäftsmodelle. „Wir machen Immobilien mobil“, sagt er. Vorstellbar sei auch der Umzug eines Hotels von einem Standort zum anderen, somit wäre auch die Anmietung von Flächen für die Errichtung von Modulhotels möglich.

Senatsverwaltung würde Wohnungsbau vorziehen

Wo genau das erste Modul-Hotel stehen und welche Marke über dem Eingangsportal leuchten wird, will Jäger noch nicht verraten. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass er das erste Projekt im kommenden Jahr und das zweite im Jahr 2018 realisieren wird. Am 22. September wolle er und seine Vertragspartner das Geheimnis lüften.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beurteilt das Projekt grundsätzlich positiv. Ihr Sprecher, Martin Pallgen, sagte: „Es ist gut, ungenutzte Räume neu zu nutzen.Wenn der Verbrauch von Stadtraum minimiert wird, begrüßen wir das – wenn baurechtliche und Sicherheitsfragen geklärt sind.“ Allerdings schränkt er ein: „Wohnungsbau würde uns mehr am Herzen liegen als der Bau neuer Hotels.“ Eine Stellungnahme des genehmigenden Bezirksamtes lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Berlin hat im vergangenen Jahr die Marke von 30 Millionen Übernachtungen geknackt. Laut Branchenverband Dehoga sind 29 Hotels mit insgesamt 13.500 Betten im Bau oder in Planung.

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