Lebensmittelverschwendung

Beste-Reste-Box: Mitnehmen ist besser als Wegwerfen

Die Aktion „Restlos genießen“ will mit den nachhaltigen Boxen Gastronomen animieren, ihren Gästen Essensreste einzupacken.

Sieht aus wie einfache Pappe, kann aber viel mehr. Die nachhaltige Restebox für die Gastronomie

Sieht aus wie einfache Pappe, kann aber viel mehr. Die nachhaltige Restebox für die Gastronomie

Foto: Gerlinde Schulte / BM

Für die Amerikaner ist es eine Selbstverständlichkeit: Wenn sie das Gericht im Restaurant nicht aufessen können, lassen sie sich die Reste einfach einpacken. In Deutschland ist das anders. Obwohl viele Gastronomen über Lösungen zum Mitnehmen von Speisen verfügen, ist es den meisten Gästen eher peinlich, nach einem „Doggy-Bag“ zu fragen. Selbst wenn das Essen großartig war. Angeboten bekommt man diese Möglichkeit eher nicht. 23,6 Kilo Lebensmittel pro Gast landen nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung auch deshalb jährlich in den Mülltonnen von Restaurants, Großküchen und Eventcaterern.

Lebensmittelverschwendung ist kein Luxusthema

Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU), der sich zum Ziel gesetzt hat, die Lebensmittelverschwendung im Land bis 2030 zu halbieren, will das ändern und stellte am Dienstag gemeinsam mit Thomas Storck, Chef der Metro Cash&Carry Deutschland, und Restaurantcoach Christian Rach die „Beste-Reste-Box“ für die Gastronomie vor. „Das ist kein Luxusthema“, sagte der Minister. Es gehe um die existenzielle Frage des Umgangs mit Dingen, in die viel investiert wurde.

Mit Resteschalen aus Plastik, Styropor oder Aluminium – die mehr Müll produzieren, als sie am Ende vermeiden – hat die nachhaltige Box aus zertifiziertem Kraftpapier nur den Zweck gemeinsam. Sie ist recyclingfähig, fett- und wasserresistent und zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Man kann sie bis auf 160 Grad erhitzen, in die Mikrowelle oder ins Tiefkühlfach stellen – nur in den Backofen darf sie nicht.

Restaurantcoach rät zum Mitmachen

Die Gemeinschaftsaktion „Restlos genießen“ der Initiative „Zu gut für die Tonne!“ des Ministeriums und Greentable.de, einer Internetplattform für nachhaltige Gastronomieangebote, zielt auf eine Veränderung der Restaurantkultur und will erreichen, dass Wirte ihren Gästen die Reste-Box künftig aktiv anbieten. Und um den Gästen die Scheu zu nehmen, danach zu fragen, gibt es auch noch entsprechende Türaufkleber und Einleger für die Speisekarte.

Restaurantcoach Christian Rach unterstützt die Aktion, auch wenn sie in seinen Augen nur ein Anfang sei: „Doggy-Bag war gestern, Restlos genießen ist heute“, sagt er und rät zum Mitnehmen. Wegschmeißen wäre schon wegen der guten Produkte zu schade und wegen der Zeit, Mühe und Liebe die drinstecken.

Ernährungsminister Schmidt wünscht sich, dass die Box zum Renner wird: „Wir wollen und müssen von den insgesamt 82 Kilo weg, die jeder Bürger pro Jahr in die Tonne wirft“, sagte er am Dienstag. Ohne Initiativen der Zivilgesellschaft gehe das nicht. Die Aktion „Restlos genießen“ sei ein echtes Beispiel für praktische Nachhaltigkeit.

Boxen nun beim Großhändler Metro erhältlich

Seit dem Start der Aktion im März 2015 wurden etwa 35.000 der Boxen an rund 200 Restaurants verteilt. Kaufen konnte man sie seither nur online beim Hersteller Bio Futura. Nun werden sie auch in 106 Großmärkten der Metro vertrieben, die die Aktion im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie als Partner unterstützt hat. 50 Boxen kosten 20 Euro und sind damit teurer als andere Verpackungen, die weniger aufwendig und in größeren Stückzahlen hergestellt werden. Hier müssen Gastronomen also bereit sein, in die Nachhaltigkeit investieren.

„Noch ist es etwas mühsam, Restaurants zu gewinnen, das ist ein Bewusstseinsprozess“, sagt Stefanie Klühn von Bio Futura und hofft auf einen Schub durch die Aktion mit der Metro. Die meiste Nachfrage hätte es bisher aus Süddeutschland gegeben, aber auch in Berlin gebe es viele Interessenten.

Teilnehmende Restaurants sind im Internet unter www.restlos-genießen.de zu finden, sie können sich dort kostenlos eintragen.