Berlin

Mann küsst drei Kinder in Sommerbad - Menge rastet aus

Ein Mann soll in Gropiusstadt drei fremde Kinder geküsst haben. Die Mütter und eine wütende  Menge gingen auf ihn los.

Das Kombibad Gropiusstadt

Das Kombibad Gropiusstadt

Foto: Massimo Rodari

Ein vermeintlicher pädophiler Mann hat in einem Sommerbad in Gropiusstadt schwere Tumulte ausgelöst. Der 25-Jährige soll sich am Sonntagabend in dem Bad an der Lipschitzallee drei sechs, acht und zwölf Jahre alten Kindern genähert und sie mehrmals geküsst haben. Das zumindest berichteten die 29 und 30 Jahre alten Mütter der Kinder der Polizei. Bevor die allerdings eintraf, waren die beiden Frauen schon selbst aktiv geworden. Mit dem Ergebnis, dass der 25-Jährige zunächst durch den Sicherheitsdienst des Sommerbades in Sicherheit gebracht werden musste, um ihn überhaupt unbeschadet der alarmierten Polizei übergeben zu können.

Wie ein Polizeisprecher am Montag mitteilte, beobachteten die beiden Frauen am Tag zuvor gegen 18 Uhr, wie sich der Mann den drei Kindern näherte. Daraufhin stellten sie den vermeintlichen Sex-Täter, konfrontierten ihn mit ihren Beobachtungen und schlugen sofort auf ihn ein. Dabei erlitt der Angegriffene leichte Verletzungen. Da die Attacke durch lautstarke Beschimpfungen begleitet wurde, erregte sie schnell die Aufmerksamkeit weiterer Gäste. Als der Grund für die lautstarke Auseinandersetzung die Runde unter den Gästen gemacht hatte, rottete sich ein Mob gegen den Verdächtigen zusammen.

Mütter beobachten Mann bei Annäherung an die Kinder

Der 25-Jährige wurde nicht nur beschimpft und massiv bedroht, die Umstehenden bewarfen ihn auch mit Stühlen und anderen Gegenständen. Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, die inzwischen eingeschritten waren, hatten große Mühe, den Mann in Sicherheit zu bringen. Dabei wurden auch sie selbst Ziel von Angriffen der wütenden Menge. Dennoch gelang es ihnen nach einiger Zeit, die Lage zu beruhigen und die aufgebrachten Badegäste auf das Eintreffen der inzwischen alarmierten Polizei zu vertrösten.

Auch gegenüber den Beamten wiederholten die immer noch sichtlich erbosten Frauen ihren Vorwurf, der Mann habe die Kinder geküsst. Ebenso vehement wie die Mütter ihre Anschuldigungen äußerten, bestritt der 25-Jährige die Vorwürfe und erstattete seinerseits Anzeige wegen Körperverletzung. Jetzt sind gleich zwei Dienststellen mit der Aufklärung der Vorgänge befasst. Um die Körperverletzung kümmert sich die örtliche Direktion 5, den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern bearbeitet von Amts wegen ein Fachkommissariat für Sexualdelikte im Landeskriminalamt.

Ermittlungen gestalten sich ausgesprochen schwierig

Die Ermittlungen gestalten sich nach Angaben einer Beamtin ausgesprochen schwierig. „Es steht Aussage gegen Aussagen, noch lässt sich nicht abschätzen, wer denn jetzt Recht hat“, erklärte die Oberkommissarin. Derzeit seien die zuständigen Fachdienststellen damit beschäftigt, Zeugen ausfindig zu machen und zu befragen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Auch das ist, wie es aus Ermittlerkreisen hieß, nicht ganz einfach. Denn viele Anwesende in dem Bad sahen zwar die Auseinandersetzung, verstanden allerdings nur wenig. Der 25-Jährige, bislang nicht einschlägig wegen Sexualdelikten bei den Behörden bekannt, ist türkischer Staatsbürger, die Mütter sind Deutsche türkischer Herkunft. Die lautstarken wechselseitigen Beschimpfungen erfolgten in der Muttersprache der Beteiligten.

Straftaten und Gewalt sind in Berliner Bädern keine Seltenheit, Sexualdelikte dagegen eher eine Ausnahme. „Wir haben keinerlei Erkenntnisse über eine auffällige Häufung solcher Delikte“, sagte eine Polizeisprecherin am Montag. Für das Landeskriminalamt besteht dennoch ein potenzielles Risiko. Im Bereich der Prävention wenden sich die Beamten der für Sexualdelikte zuständigen Fachdienststelle LKA 13 regelmäßig auch an Schwimmmeister und Security-Mitarbeiter der Bäderbetriebe, um sie für das Thema Sexualdelikte zu sensibilisieren. Zudem arbeiten die Ermittler auch mit den Mitarbeitern des Projektes „Bleib cool am Pool“ zusammen.

Die Sportjugend Berlin und die Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit in Kooperation mit dem Kick, der Polizei und den Berliner Bäderbetrieben haben das gewaltpräventive Konfliktlotsenprogramm „Bleib cool am Pool“ für Berliner Schwimmbäder entwickelt. Das in den letzten Jahren von den Beteiligten als sehr erfolgreich bezeichnete Projekt ist in diesem Jahr auch im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zum ersten Mal mit Konfliktlotsinnen und -lotsen im Lochowbad gestartet. Die Konfliktlotsen im Alter ab 17 Jahren sind Ansprechpartner für alle Schwimmbadbesucher und werden auch als Ersthelfer eingesetzt, etwa bei kleinen Verletzungen sowie als Streitschlichtende, die Konflikte möglichst frühzeitig erkennen und abwenden können.

Wie sollten sich Kinder verhalten?

Tatorte Die wenigsten sexuellen Übergriffe auf Kinder beginnen in der Öffentlichkeit. In drei von vier Fällen sind die Täter Personen, die dem Kind bekannt oder sogar vertraut sind: vielleicht der Trainer im Verein, ein Nachbar, ein Freund der Familie oder sogar ein nahestehender Verwandter. Kinder werden in diesen besonders perfiden Fällen oft eingeschüchtert und halten des Erlebte erfahrungsgemäß über Jahre aus Angst oder Schamgefühl geheim.

Verhalten Kindern, die sexuell belästigt werden, wird empfohlen, sich laut bemerkbar zu machen und Menschen in der Nähe um Hilfe zu bitten. Um gegen Täter besser gewappnet zu sein, können Kinder in speziellen Kursen selbstbewusstes Auftreten lernen. Die Berliner Polizei zeigt Kindern durch engagierte Beamte das richtige Verhalten in dem Theaterstück „(K)ein Kinderspiel“, das für Jungen und Mädchen der Klassenstufen eins bis drei entwickelt wurde.