Dank Mindestlohn

Zahl der Minijobs in Berlin sinkt

Seit Einführung des Mindestlohns wechseln mehr Geringverdiener in sozialversicherungspflichtige Arbeit. Die Minijobs werden weniger.

Dank des Mindestlohns sinkt die Zahl der Minijobs in Berlin

Dank des Mindestlohns sinkt die Zahl der Minijobs in Berlin

Foto: Jens Büttner / dpa

Die Zahl der Berliner, die lediglich einen Minijob haben, ist gesunken. Im Dezember 2014 waren laut Bundesagentur für Arbeit in der Stadt noch rund 152.000 Menschen registriert, die ausschließlich geringfügig entlohnt wurden, also maximal 450 Euro im Monat verdienten. Die Zahl sank bis Dezember 2015 um fast 6.300 auf knapp 146.000 Menschen. Erfreulich: Die Hälfte dieser Minijobs wurde in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse umgewandelt. Die Entwicklung fällt zusammen mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland zum 1. Januar 2015.

Immer mehr Berliner in sozialversicherungspflichtigen Jobs

Die Einführung des Mindestlohns sei „in eine Phase robusten wirtschaftlichen Wachstums gefallen“, erläuterte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Damit einhergegangen sei ein kontinuierlicher Anstieg der Beschäftigung aber auch eine rückläufige Entwicklung bei ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten. Das gilt ausweislich der Statistiken für Deutschland, aber besonders auch für Berlin.

Wie das IAB über den Arbeitsmarktspiegel erstmalig auch für Berlin feststellen konnte, hängen beide Entwicklungen eindeutig zusammen. Der Rückgang bei den Minijobs lasse sich nicht durch verminderte Zugänge, sondern durch erhöhte Abgänge erklären. Etwa die Hälfte dieser Abgänge resultiere aus einer Überleitung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, 40 Prozent seien „Abgänge mit unbekanntem Ziel“, also Personen, die nicht mehr von der Bundesagentur für Arbeit erfasst werden. Das können zum Beispiel Menschen sein, die sich selbstständig machen, ins Ausland oder in den Ruhestand gehen. Übergänge in Arbeitslosigkeit oder den Bezug von Transferleistungen machen laut IAB indes nur zehn Prozent aus.

Kolat: "Kein Mensch kann allein vom Minijob leben"

Im Berliner Einzelhandel sei 2015 die Zahl derer, die ausschließlich auf einen Minijob angewiesen sind, im Jahresvergleich um 3,2 Prozent gesunken. In der Gastronomie seien es 4,4 Prozent gewesen, sagte Doris Wiethölter vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Berliner Morgenpost. Im Gegenzug habe es im Handel 5,2 Prozent mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse gegeben, in der Gastronomie sogar 12,8 Prozent. Wiethölter wertete die Entwicklung als positive Folge des Mindestlohns. Carsten Brönstrup, Sprecher der Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg (UVB), sah sie als Ausdruck der Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und Folge gestiegener Nachfrage nach Arbeitskräften aufgrund der guten Konjunkturlage.

In Berlin ist der Anteil der ausschließlich geringfügig Beschäftigten an allen Arbeitnehmern mit 9,8 Prozent inzwischen erheblich geringer als im Bundesdurchschnitt, wo er bei über 13 Prozent liegt. „Mir ist wichtig, dass möglichst viele Minijobs in sozialversicherungspflichtige Jobs umgewandelt werden“, sagte Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD). Kein Mensch könne alleine vom Minijob leben oder eine Familie ernähren. „Wir sind in Berlin auf einem guten Weg. Berlin ist nicht mehr die Hauptstadt der prekären Beschäftigung“, so Kolat.