Berlin für alle

Einkaufen in Berlin: Diese neun Orte müssen Sie kennen

Neu in der Stadt oder schon länger dabei? Wir geben Tipps, wo man in Berlin am besten einkaufen kann - für Profis und Anfänger.

Eine junge Frau mit mehreren Shopping-Bags

Eine junge Frau mit mehreren Shopping-Bags

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Für Anfänger

Für Flaneure und begeisterte Shopper

Breite Bürgersteige, edle Läden, Bistros und Straßencafés, Berlins schönster Shoppingboulevard liegt in der City West: Der Kurfürstendamm lädt besonders auf dem von Platanen gesäumten Abschnitt zwischen Olivaer Platz und Joachimsthaler Straße zum Flanieren und Verweilen, sehen und gesehen werden, ein. Hier findet man von Chanel über Valentino, Prada bis Zegna alle namhaften Luxusmarken, Kleider, Schuhe, Schmuck, Design, Autos und den Apple Store. Quirliger wird es dann Richtung Gedächtniskirche und auf dem Tauentzien, der sich nahtlos an den Kudamm anschließt. Hier findet der Powershopper, der Menschengewimmel nicht scheut, wirklich alles: erschwingliche Mode, Sportklamotten, Schuhgeschäfte, kleinere Läden und Stores großer Ketten von H&M bis Zara, aber auch die japanische Marke Uniqlo, Kaufhäuser wie C&A, Karstadt und P&C sowie das Europacenter mit drei Shopping-Etagen und Panoramablick. Der Höhepunkt der Shoppingtour ist dann das Luxuskaufhaus Kaufhaus des Westens (KaDeWe) am Wittenbergplatz. Das mit 60.000 Quadratmetern größte Kaufhaus Kontinentaleuropas mit seiner Gourmet-Abteilung wird derzeit umgebaut, damit sich die Kunden auf den sieben Etagen besser zurechtfinden. In Abschnitten – damit niemand während des Facelifts auf den Besuch verzichten muss.

Französisches Flair an der Friedrichstraße

Die Friedrichstraße in Mitte wurde nach dem Mauerfall mächtig aufpoliert, um an ihren alten Glanz aus Vorkriegsjahren wieder anzuknüpfen. Ein Boulevard zum Flanieren ist sie mit ihren relativ schmalen Trottoirs nicht geworden, bietet aber zwischen den Bahnhöfen Friedrichstraße und Stadtmitte eine große Auswahl an hochwertiger Mode, Design, Möbeln und Accessoires. Hohe Arkaden und Einkaufspassagen bieten hier jedoch guten Schutz an Regentagen. Einen Besuch wert ist das Kulturkaufhaus Dussmann (Nr. 90), das bis in die Nacht geöffnet ist und eine Riesen-Auswahl an Büchern, Tonträgern und Papeterie hat. Für französisches Flair sorgt die Berliner Dependance des Pariser Kaufhauses Galeries Lafayette (Ecke Französische Str.) mit ihrer hohen Glaskuppel, kreisförmig angelegten Modeetagen und der Gourmet-Etage mit französischen Spezialitäten im Souterrain, wo auch Events und Weinverkostungen angeboten werden. Kostspielige Eleganz prägt das mit schwarz-weißen Mosaiken geflieste Quartier 206 (Nr. 71), in dem sich im Departmentstore Q206 mit edler Designermode ein Besuch lohnt.

Berlins jüngste Shoppingmall

Shoppingcenter werden ja immer wieder totgesagt, vermitteln sie doch wenig vom authentischen Flair einer Stadt. Trotzdem werden immer wieder neue gebaut und besonders von Teenagern und Touristen gern besucht. Die „Mall of Berlin“ am Leipziger Platz 12 in Mitte ist das 65. und jüngste Shoppingcenter der Stadt. Die Mall im Herzen Berlins ist mit U- und S-Bahn perfekt angebunden und hat noch viel Potenzial. Um ein Zeichen auf dem alten Wertheim-Areal zu setzen, wurde deshalb an Material nicht gespart. Das LP12 erstreckt sich in zwei Teilen bis zur Wilhelmstraße, unterbrochen von einer imposanten überdachten Einkaufsmeile mit Piazza und schönem Blick auf das Bundesratsgebäude. In rund 270 Läden auf vier Etagen und 76.000 Quadratmetern gibt es Designermode, Streetwear und Young Fashion, Waren des täglichen Bedarfs, Elektronik, Sportartikel, Schuhe, Accessoires, Wäsche und Kosmetik sowie einen Food-Court. Einen Buchladen sucht man jedoch vergeblich. Noch läuft in der 2014 eröffneten Mall nicht alles rund. Doch der nächste Winter kommt bestimmt. (Öffnungszeiten: Mo.–Sbd., 10–21 Uhr)

Für Fortgeschrittene

Kleine Läden und junge Berliner Designer

Fortgeschrittene Berliner und Besucher shoppen am liebsten mit Kiezflair. Die Kastanienallee in Prenzlauer Berg hat sich viel davon bewahrt. Hier ist noch nicht alles glattsaniert. Viele der kleinen Läden, Cafés und Restaurants wirken bewusst selbstgezimmert, es gibt eine Sprachschule, Fahrradläden und Copyshops. Den Verkehr auf der knapp 1000 Meter langen Straße zwischen U-Bahnhof Eberswalder Straße und Fehrbelliner Straße prägen Radfahrer und die Straßenbahn. Auf den breiten, kinderwagentauglichen Bürgersteigen ergeht sich ein entspanntes junges und internationales Publikum. Hier findet man statt großer Ladenketten eher kleine Läden wie „Bling Bling“ (Hausnr. 101) oder Filialen von „Greta&Luis“ (Nr. 43) oder der „Kauf Dich Glücklich“-Concept-Stores (Nr. 54), die auch an anderen hippen Ortsteilen anzutreffen sind. Dazu junge Mode mit Vintageflair, bunte Kleider und coole Schuhe, viel Handgemachtes, Berliner Design wie „Mr & Mrs Peppers“ (Nr. 91) und Shopgalerien mit trendigen Accessoires.

Gewachsener Kiez mit einem Schuss Esoterik

Die Akazienstraße in Schöneberg ist so etwas wie eine kleine Schwester der Kreuzberger Bergmannstraße, nicht ganz so lang und auch nicht so überlaufen. Auch hier ist es bunt und lebendig, auch hier ist gefühlt jedes zweite Haus ein Café. Und doch wirkt alles gewachsener, neben Buchläden, angesagten Haushaltswaren und schönen kleinen Boutiquen von „Shoeting“ (Ecke Goltzstr.) über „Oxford&Co“ (Nr. 18) bis „Greta&Luis“ (Nr.22) gibt es Spätis, Copyshops, Schuster und Schneider. Hier wird nicht nur für trendige Outfits, sondern auch für Leib und Seele gesorgt – gern mit einem Schuss Esoterik. An der Ecke zur Hauptstraße startete das preisgekrönte Kochhaus sein Erfolgsmodell, im Akazienhof (Nr. 27) gibt es ein Yogazentrum, Zen-Meditation, spirituelle Therapien, Massagen und den Tara Nepal-Bazar (Foto) für die spirituelle Grundausstattung.

Die Concept-Mall für Anspruchsvolle

Concept-Stores mit ihren sorgfältig kuratierten Mischungen ausgewählter Mode, Möbeln, Design und Accessoires sind der Gegenentwurf zum Einerlei der Shoppingmalls und ziemlich angesagt. Das Bikini Berlin in Charlottenburg hat das Modell gleich für eine ganze Mall zum Programm gemacht und dafür den 50er-Jahre-Komplex an der Budapester Straße zu einer kleinen aber feinen Einkaufspassage aufgemöbelt. 08/15 gibt es hier nicht, auch wenn das seinen Preis hat. Statt Saturn gibt es hier den Teufel-Raumfeld Flagshipstore, Klamotten bieten Labels wie American Vintage, Azizi, Carhartt, Manila Grace und Bam Berlin, in Pop-Up-Holzboxen präsentieren kleinere Designer auch temporär ihre Kollektionen. Der Vitra und Artek Concept-Store im 1. Stock ist mit einem Café verbunden, das wie das Café im Erdgeschoss einen großartigen Blick in den Zoo bietet (Mo.–Sbd., 10–20 Uhr).

Für Profis

Neuer Glanz an der Potsdamer Straße

Noch vor sechs Jahren wäre kaum jemand auf die Idee gekommen, an der schmuddeligen Potsdamer Straße nach edlem Tuch oder extravaganten Hüten zu suchen. Das hat sich geändert, auch wenn eine Shoppingtour auf dem kurzen Abschnitt zwischen Lützow- und Pohlstraße eher noch etwas für Eingeweihte mit dem nötigen Kleingeld ist. Wo bis 2009 der „Tagesspiegel“ seinen Sitz hatte, findet neben Kunstgalerien auch die Mode wieder Platz. Im über den Hof erreichbaren 1000 Quadratmeter großen Concept-Store „AM“ von Andreas Murkudis in der ehemaligen Druckerei (Nr. 81e) gehen diese Welten ineinander über – Designermode, Objekte, Schmuck und Lifestyleprodukte werden hier seit 2011 gekonnt kuratiert und künstlerisch präsentiert – ein Erlebnis. Auch Hut-Designerin Fiona Bennett fand den Weg von Mitte nach Tiergarten-Süd und eröffnete 2012 im Vorderhaus (Nr. 81–83) einen wunderbar luftigen „Hut-Palast“ mit Schauwerkstatt (Foto), das Stockholmer Modelabel Acne folgte Ende 2015 mit seinem zweiten Berliner Store (Nr. 87). Im Kontrast zum gepflegten Minimalismus seiner Nachbarn steht der kleine, bunt verspielte „Brillenschatz“ von Abdullah Demir, der im Mai 2016 aus Kreuzberg herzog und nun in der ehemaligen Pförtnerloge in der Hofeinfahrt extravagante Vintage-Brillen (Nr. 79) verkauft. Die Gastronomie zieht nach. Wunderbar entspannt ist etwa das Café-Restaurant „P103 Mischkonzern“ (Nr. 103) mit Retro-Chic.

Designermode zu Schnäppchenpreisen

Wer kein Monatsgehalt für ein Designeroutfit ausgeben will, kann zum Outlet Center Berlin nach Wustermark fahren – muss er aber nicht. Viele große Marken haben auch in Berlin Outletstores, die Second-Season oder Ware mit kleinen Mängeln mit Rabatten von bis zu 70 Prozent verkaufen. Das italienische Label Max Maraetwa hat sein Outlet (Kudamm 65, Mo.–Fr., 10–19, Sbd., 10–18 Uhr) gegenüber seiner Charlottenburger Boutique, die Premium-Marke Marc Cain betreibt ein Factory Outlet in Wedding (Oudenarderstraße 16, Mo.–Fr., 10–20, Sbd., 10–18 Uhr), Edles von Evelin Brandt gibt es in Friedrichshain (Frankfurter Allee 89, Mo.–Fr., 10–19, Sbd., 10–18 Uhr). Unter mehr als 8000 Paar Schuhen von Topmarken kann man im Zalando Outlet Store in Kreuzberg wählen (Köpenicker Str. 20, Mo.–Sbd., 10–20 Uhr) und auch noch eine Designertasche oder ein Kleid ergattern. Etwas versteckt in einem Weddinger Hinterhof liegt das Outlet des jungen Berliner Unternehmens Kauf Dich Glücklich(Gerichtstr. 23, Do.–Sbd., 11–19 Uhr) mit einer großen Auswahl.

Vintage in Kreuzkölln

Wer das ultimative Vintageteil für einen zeitgemäßen Look sucht, braucht einen sicheren Blick und ein glückliches Händchen. In den Weiten der Kiloshops wie „Colours“ in Kreuzberg oder „PicknWeight“ in Mitte muss er zudem den typischen Altkleidergeruch ertragen. Es gibt aber auch kleine Läden, die besonders schöne Stücke vorsortiert, gewaschen und gebügelt haben und so die Suche überschaubar und olfaktorisch angenehmer machen. Im noch rauen Reuterkiez in Neukölln etwa kann man in einigen kleinen Läden auf Entdeckungstour gehen. Zum Beispiel im „Chrome Store“(Lenaustr. 10) der seine Vintagestücke zusammen mit einer Auswahl Berliner Designer verkauft oder bei „Sing Blackbird“(Sanderstr. 11), das die hübsch farblich sortierten Vintageteile in zwei Räumen hinter einem kleinen Café präsentiert. Vintage der besonderen Art gibt es bei „Aura – Kimono lovers“ (Sanderstr. 13). Inhaberin Amundra Gantömör (Foto) bietet eine interessante Vielfalt echter japanischer Kimonos von 1920 bis 1980 inklusive Stilberatung an.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.