FU Berlin

Angehende Grundschullehrer wütend über Matheklausur

Studenten der Freien Universität beschweren sich über die zu hohen Anforderungen. 40 Prozent fielen durch die letzte Matheklausur.

Angehende Grundschullehrer beschweren sich über die zu hohen Anforderungen in Mathematik

Angehende Grundschullehrer beschweren sich über die zu hohen Anforderungen in Mathematik

Foto: Swen Pförtner / dpa

Viele Studenten des Bachelor-Studiengangs Grundschulpädagogik der FU-Berlin sind sauer. Der Grund: Fast 40 Prozent von ihnen sind durch eine Klausur im Pflichtbereich Mathematik gefallen, auf die sie sich zwei Semester lang vorbereitet haben. Die Durchschnittsnote derjenigen, die bestanden, lag bei 3,9. An Lernmotivation sollte es den Studenten nicht gefehlt haben, denn die Note der Mathe-Klausur zählt mit 20 möglichen Leistungspunkten doppelt so viel wie deren Bachelor-Arbeit. Gegenüber dem rbb äußerte sich eine der durchgefallenen Studentinnen. Die Anforderungen an die Studierenden der Grundschulpädagogik seien zu hoch gewesen.

Auf Grund der schlechten Ergebnisse musste sogar eine große Aufgabe aus der Bewertung genommen werden. Die Studierenden schrieben einen offenen Beschwerde-Brief an die Dekane der Erziehungswissenschaft und der Mathematik. Denn neben der Klausur halten viele auch den generellen Aufbau des Mathe-Moduls für unangemessen arbeitsintensiv und schwierig. Im Brief heißt es: „(...)Die Anforderungen, die im Rahmen des Moduls an die Studierenden gestellt werden, sind allerdings deutlich zu hoch. Die mathematischen Aufgabenstellungen sind in Hinblick auf Arbeitsaufwand und Schweregrad für Studierende der Grundschulpädagogik nicht angemessen.“

Und weiter: "Die Klausur enthielt Fragestellungen, deren Bearbeitung eklatant von den in der Vorlesung und den Tutorien einstudierten Lösungswegen abwich. Die inhaltliche Schwerpunktsetzung entsprach überdies nicht den stofflichen Konkretisierungen, die seitens der Dozentin in der Vorlesung und der Tutoren gemacht wurden. Darüber hinaus war die angesetzte Zeit von 90 Minuten für die Bearbeitung der Aufgaben nicht ausreichend.

Dass der Schweregrad der Klausuraufgaben unrealistisch hoch angesetzt war, lässt sich auch daran erkennen, dass während der Korrektur eine Aufgabe, die mit 10 Punkten bewertet werden sollte, aus der Gesamtwertung gestrichen wurde. Dadurch wurde die Gesamtpunktzahl von 61 auf 51 Punkte reduziert. Zum Bestehen der Klausur waren dadurch statt 30 Punkten nur noch 22 Punkte von Nöten. Dennoch haben von 108 Studierenden 40 die Mindestpunktzahl nicht erreicht und somit die Modulprüfung nicht bestanden. Der Durchschnitt derjenigen, die bestanden haben, liegt bei 3,9 und das bei einem Fach mit 20 Leistungspunkten."

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„Das Problem mit dem Modul ist, dass es übers Ziel hinausgeschossen ist“, sagt die Fachschaftsreferentin Jennifer Binsch vom Allgemeinen Studierenden Ausschuss der FU. „Die Gestaltung dieses Mathe-Moduls ähnelt dem für reine Mathematikstudenten sehr stark.“ Jennifer Binsch ist für die Kommunikation zwischen fachschaftsinitiativen und dem Asta zuständig und bekommt schon länger die Probleme der angehenden Grundschullehrer mit. Auf mehrere Beschwerden innerhalb der beiden letzten Semester, in denen sich die Studierenden auf die Prüfung vorbereiteten, sei nicht angemessen eingegangen worden.

Darauf nehmen die Studierenden in ihrem Brief Bezug: „Die „Fachschaftsinitiative Lehramt und Grundschulpädagogik“ befindet sich bereits mit den Verantwortlichen des Moduls im Gespräch, jedoch bisher ohne befriedigende Ergebnisse bzw. ein Entgegenkommen seitens der Dozentin (…). Bei uns ist mittlerweile der Eindruck entstanden, dass sich daran auch in Zukunft nichts ändern wird.“

>>> Der offene Brief der Studierenden im Wortlaut <<<

Die FU äußerte sich gegenüber rbb/24 und erklärte, dass die Universität die von den Studierenden angesprochenen Punkte ernst nehme und sich intern in den zuständigen Gremien damit befassen werde. Laut rbb ist auch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft bereits auf die überdurchschnittlich schlechten Prüfungsergebnisse aufmerksam geworden. Sie habe nach Kenntnisnahme des Offenen Briefs dessen Hauptunterzeichnerin sowie die FU um die Prüfungsaufgaben gebeten. Bis dahin könne sie aber noch keine Einschätzung des Falls vornehmen.

Erst seit einem Jahr ist das Mathe-Modul für Studierende der Grundschulpädagogik verpflichtend. Wer sich davor freiwillig mit mathematischen Beweisen und Co. beschäftigen wollte, konnte das Fach vertiefend wählen. Dann kam das Lehrkräftebildungsgesetz, dass für höhere Kompetenzen der Grundschulpädagogen sorgen soll. Jeder, der nun Grundschullehrer werden möchte, muss das Modul verpflichtend wählen. Die Klausur wurde eigens von der FU für die Studierenden konzipiert und in diesem Jahr das erste mal geschrieben. „Viele sind enttäuscht und wütend wegen der ganzen Arbeit, die sie in die Prüfung gesteckt haben“, sagt Jennifer Binsch.

Im offenen Brief schlagen die Studierenden vor, „die Prüfungsleistung der Klausur durch die bereits erfolgte Abgabe der wöchentlichen Übungszettel zu ersetzen.“ Falls dies nicht geschieht, drohen sie die Klausur anzufechten: „(...) da sowohl die Aufgabenstellungen nicht den aus Vorlesung und Tutorien bekannten Formaten entsprachen als auch die angesetzte Bearbeitungszeit von 90 Minuten nicht annähernd ausreichend für die Bearbeitung der Aufgaben war.“