Reformation

Mit dem Luther-Pass durchs Land Brandenburg

Brandenburg bereitet sich auf das Jubiläum „500 Jahre Reformation“ vor. 2017 soll die Zahl der Touristen weiter steigen.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) informiert sich in der Jüterboger  Nikolaikirche über die Spuren der Reformation im Ausblick auf das Jubiläum „500 Jahre Reformation“

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) informiert sich in der Jüterboger Nikolaikirche über die Spuren der Reformation im Ausblick auf das Jubiläum „500 Jahre Reformation“

Foto: Bernd Settnik / dpa

Brandenburg wird als Reiseziel immer beliebter. 2015 kamen über 4,6 Millionen Touristen. Knapp sechs Prozent mehr Besucher als im Jahr 2014 wurden gezählt, wohl auch wegen der Bundesgartenschau in der Havelregion. Doch anders als in früheren Zeiten nach einem solchen Höhepunkt hält das Interesse offenbar an, es gibt keinen Besucherknick.

Im ersten Halbjahr 2016 stieg nach Angaben der Tourismus Marketing GmbH die Zahl der Gäste um weitere 3,1 Prozent. 2017 steht bereits das nächste Großereignis bevor, mit dem das Land um Aufmerksamkeit werben will: Das Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“. Zudem findet vom 24. bis 28. Mai in Berlin und in der Lutherstadt Wittenberg der Deutsche Evangelische Kirchentag statt. Brandenburg liegt genau dazwischen – und will seine Chance nutzen.

Die Gäste aus Deutschland und aller Welt könnten sich 2017 auch auf die Spuren des Reformators im Nachbarland Brandenburg begeben. Das hofft zumindest Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Das Luther-Jahr sei eine große Chance für die Tourismusbranche, in der in Brandenburg immerhin 60.000 Menschen beschäftigt sind, glaubt der Regierungschef. „Wichtig ist dabei zu zeigen, dass die Kirche in der Mitte unserer Gesellschaft steht und Werte vermittelt“, sagte der bekennende evangelische Christ. Er setze auch darauf, „dass dieser Teil der Landesgeschichte, der in DDR-Zeiten weitgehend vernachlässigt wurde, wieder stärker in das Bewusstsein unserer Bürger rückt“.

Mit dem Luther-Pass unterwegs

Die Vorbereitungen auf das Luther-Jahr laufen bereits auf Hochtouren: Bei seiner diesjährigen Tourismusfahrt ließ sich Woidke in Herzberg im Landkreis Elbe-Elster als Erster – symbolisch – einen Stempel in den extra für das Jubiläumsjahr angefertigten Luther-Pass setzen. Dieser wird später in den Touristeninformationen und auf Messen ausgegeben werden. Der Pass soll den Gästen einen Weg in ihr ganz persönliches Luther-Jahr zeigen. Die Aktion erstreckt sich auf Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt.

In acht beteiligten Städten können die Besucher 2017 einen Stempel bekommen. Das Dokument enthält die Beschreibung von Standorten, an denen die Reformation Geschichte schrieb. Neben Wittenberg sind darunter Berlin und brandenburgische Orte wie Herzberg im touristisch wenig bedeutsamen Elbe-Elster-Kreis, Mühlberg an der Elbe im Norden und Jüterbog in Teltow-Fläming. In Herzberg war Luther zumindest einmal. Es ist belegt, dass ihn 1522 eine sechsspännige Kutsche aus Torgau dorthin brachte – Herzberg bekannte sich sehr früh zur Reformation. Auch in Potsdam sind 2017 Veranstaltungen geplant.

In der Stadt des Ablasshändlers

In Jüterbog erwartet den Besucher eine spannende Station. „Die Reformation nahm hier ihren Anfang“, betont Cornelia Wehlan (Linke), Landrätin von Teltow-Fläming. Denn in Jüterbog soll der Dominikanermönch Johann Tetzel seine Ablässe verkauft haben („Wenn die Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt“). Diese sollen dazu geführt haben, dass der Wittenberger Theologieprofessor Martin Luther 1517 seine 95 Thesen verfasste.

Mit der Ausstellung unter dem Titel „Tetzel – Ablass – Fegefeuer“ will die Stadt im kommenden Jahr an die bewegten Jahre der Reformation erinnern. Schon heute lohnt sich ein Besuch. Im Kulturquartier Mönchenkloster ist ein originaler Ablassbrief von 1550 zu sehen. Die Sonderausstellung 2017 wird deshalb interessant, weil sie Neues erzählen will, wie Kurator Hartmut Kühne sagte. Kühne sieht Tetzel, bei dem jede Sünde ihren Preis gehabt habe, nicht als Bösewicht, der den Leuten Geld aus der Tasche ziehen wollte. Er sei ein „relativ erfolgreicher Intellektueller“ gewesen, so der Berliner Kirchenhistoriker.

Schau jenseits des Mainstream

In der Jüterboger Kirche St. Nikolai, in der Tetzel der Überlieferung nach seine Predigten hielt, steht übrigens das ganze Jahr über der berühmte „Tetzel-Kasten“. Dieser soll zum Sammeln der Erlöse aus dem Ablassverkauf gedient haben. Hartmut Kühne hält das für reine Legende. „Das war eine Archivkiste der Kirche“, so seine Erkenntnis. „Das Schöne an der geplanten Ausstellung ist, dass wir jenseits des Mainstream um die Reformation und Luther die Chance haben, die Geschichte zu hinterfragen und Neues zu erzählen“, freut sich der Historiker.

Weitere Station der Reformationsgeschichte ist Mühlberg an der Elbe. Der Sieg Kaiser Karls V. über den Schmalkaldischen Bund protestantischer Fürsten in der Schlacht bei Mühlberg 1547 gilt als ein Schlüsselereignis der Reformation, das der Ausbreitung des Protestantismus Grenzen setzte. An diese Schlacht erinnert das Reformationsmuseum „Mühlberg 1547“.

Karte „Rad und Reformation“

Und wie kommen die Besucher zu den Spielorten des brandenburgischen Reformations-Jubiläums? Mit dem Zug, dem Auto und Sonderbussen. Oder mit dem Fahrrad. Der Tourismusverband Fläming gibt drei Broschüren dazu heraus. Die Übersichtskarte „Rad und Reformation“ stellt eine 295 Kilometer lange Radrundtour zwischen Berlin und Wittenberg mit 40 Abstechern und Zwischenstopps vor. Anfang August ist der Tourenplaner „Tetzel Thesen Touren“ mit zehn Rad-, Wander- und Skatetouren durch die Region erschienen.

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