Besondere Lokale

Diese Berliner Restaurants sollten Sie kennen

Sie wollen Berlin noch besser kennenlernen? Die Berliner Morgenpost präsentiert einige der außergewöhnlichsten Restaurants der Stadt.

Donnerstags gibt es beim "Street Food Thursday" in der Markthalle Neun in Kreuzberg kleine Leckereien

Donnerstags gibt es beim "Street Food Thursday" in der Markthalle Neun in Kreuzberg kleine Leckereien

Foto: Getty Images/ Sean Gallup

Für Anfänger

Bestes aus den Markthallen der Stadt

Ob Food-Profi oder nicht, wer einen Überblick über Berlins kulinarisches Angebot bekommen möchte, sollte sich die Markthallen der Stadt anschauen. Vom Klassiker bis zur wiederbelebten Streetfood-Halle bieten diese einen hervorragenden ersten Überblick über Vielfalt der Produkte und Internationalität der Küchen in der Stadt.

Bei „Rogacki“ in Charlottenburg (Wilmersdorfer Straße 145) lassen sich allein 70 frische Fischsorten und das herrlich gemischte Publikum aus West- und Neu-Berlinern genießen. Besonders an einem Sonnabend. Für die Markthalle Neun in Kreuzberg (Eisenbahnstraße 42) sollte man einen Donnerstag einplanen – der „Street Food Thursday“ bietet britische Pies, thailändische Dumplings, mexikanische Tacos, alpenländische Kasspatzen, peruanisches Ceviche, nigerianisches FuFu, amerikanisches Pulled Pork und vieles mehr. Für den weniger aufgeregten Besuch ist die Arminius-Markthalle in Moabit (Arminiusstraße 2–4) ein Muss. Dort haben Robert Havemann (Enkel des besagten) und Freundin Lisa Meyer vor zwei Jahren ihr erstes eigenes Restaurant namens „Rosa Lisbert“ (Foto) eröffnet. Das junge Paar bietet elsässische Gourmetküche mit unfassbarer Freundlichkeit, hervorragend biodynamischen Weinen und den besten Flammkuchen Berlins. Probieren Sie den mit Foie Gras und Trüffel oder jenen mit Knochenmark und Flusskrebsen – der Wahnsinn.

Lunch mit dem Burger-Meister

Berliner Currywurst hin oder her – der wahre Trend der Stadt lautet Burger. „Antipasti-Burger“ im hausgebackenen Oliven-Kräuter-Focaccia im oder noch besser vor dem „Les 3 Veuves“ in Wilmersdorf (Fechnerstraße 30) genießen, die asiatische Variante im „Shiso Burger“ in Mitte (Auguststraße 29c), spätnachts noch herrlich frisch im „Burgermeister“ in Kreuzberg (Oberbaumstraße 8, am Schlesischen Tor) oder den krachend krossen „Chicken-Erdnussburger“ im „Burgeramt“ in Friedrichshain (Krossener Str. 21–22) zu regelmäßigen Soul-Sessions bestellen. Einfach und toll. Mein Favorit unter den Burgermeistern Berlins ist das „Burger de Ville“ am Kranzler-Eck in Charlottenburg (Kurfürstendamm 22). Dort gibt es vom ehemaligen Food & Beverage-Manager des „25hours Hotel Bikini Berlin“, Jürgen Klümpen (Foto, M.), nicht nur Black-Angus-Rind vom Biohof Zempow, bei 300 Grad gebackene, karamellisierte Maismehlbrötchen und in Erdnussöl frittierte Fries – sondern auch noch die besten Süßkartoffelpommes der Stadt.

Far East mit Qualität

Samtig weich, aber es ballert ordentlich. Mit diesen Worten beschreibt Tim Raue eines seiner persönlichen Lieblingsgerichte. Das nicht von ihm selbst zubereitet ist. Privat hat der Koch, der für seine „asiatische inspirierte“ Handschrift mit zwei Sternen ausgezeichnet worden ist, klare Favoriten. Asiatisch. Und auf der Kantstraße in Charlottenburg müssen sie liegen. „Die Kantstraße ist mein kulinarischer Strich“, sagt Raue. Und isst im „Moon Thai“ (Kantstr. 32) das „ballert ordentlich“-Lab Ped, einen knusprigen Salat mit Entenfleisch, oder im „Good Friends“ (Kantstr. 30) kantonesisch krossen Schweinebauch. Auch Zweisternekoch Christian Lohse aus dem „Fischers Fritz“ isst privat gern asiatisch. Allerdings bei Jianhua „Mister“ Wu im „Hot Spot“ (Foto) in Wilmersdorf (Eisenzahnstr. 66). Zu diesen Empfehlungen gehören mindestens noch das „Madame Ngo“, eine vietnamesische Brasserie von „Kuchi“-Macher Duc Ngo (Kantstr. 30), das „Lychee“ in Wilmersdorf (Bayerische Str. 9) sowie das „Jo-Lee“ in Prenzlauer Berg (Winsstr. 65) und die „Cantina by Dae-Mon“ in der „Bar Tausend“ in Mitte (Schiffbauerdamm 11).

Für Fortgeschrittene

Berlins Neue Küche

Top-Küche in Restaurants mit Kiez-Charakter, das ist eine der schönsten Entwicklungen der letzten fünf Gastro-Jahre in Berlin. Im „Martha‘s“ gibt es zu Schöneberger Stuck-Design (Grunewaldstr. 81) beim Berlin Partner-„Aufsteiger des Jahres 2015“, Manuel Schmuck, nicht nur herausragendes Blutwurstbrot, sondern auch köstliches „Beef Tataaaaa“ vom Mecklenburgischen Freilandrind.

Das „Jungbluth“, im Steglitzer Wohnzimmer-Design (Lepsiusstr. 63), gehört Felix Leisegang und Andre Sawahn. Zwei jungen Köchen, die sich am Herd von Berlins einziger Sterneköchin Sonja Frühsammer kennengelernt haben. Von ihrer Mentorin haben sie alles gelernt, um Gäste glücklich zu machen. Top-Preis-Leistungs-Verhältnis und -Produkte ohne lokale Einschränkung, eine wohlüberlegte Karte – und eine mehr als charmante Bescheidenheit, was ihr eigenes Können angeht.

Der Favorit – und noch nicht mal ein Jahr jung – ist das „Tulus Lotrek“ in Kreuzberg (Fichtestr. 24). Küchenchef Max Strohe und Gastgeberin Ilona Scholl (Foto), Seele und Inhaber des ehemaligen „Cochon Bourgeois“, haben längst ihre Fans gefunden. Strohe experimentiert mit Aromen und Produkten und kreiert dabei Gerichte wie „Heilbutt & Tamarinde, Mandelmole, Jalapeno & wilder Brokkoli“. Scholl liefert den passenden „Freak-Stoff“ dazu, wild und wunderbar.

Meister des Handwerks

Klasse kochen sie. Und werden oft noch unterschätzt. Wenn ich mich auf Küche und Ruhe verlassen möchte, auch mittags, gehe ich nach Schöneberg zu Florian Glauert ins „Duke“im „Ellington“-Hotel (Nürnberger Str 50– 55), oder nach Charlottenburg zu Felix Mielke ins „Le Faubourg“ im „Sofitel Berlin Kurfürstendamm“(Augsburger Str. 41) oder zu Marcus Zimmer ins „Restaurant am Steinplatz“ im „Hotel am Steinplatz“ (Steinplatz 4). Klassisches Handwerk, unaufgeregt stilvolles Ambiente. Der Meister der Handwerker, Markus Semmler (Foto), hat 2015 den Michelin-Stern erhalten. Jetzt ist er mit dem „Das Restaurant“ in Wilmersdorf (Sächsische Str. 7) heißer Anwärter auf den „Berliner Meisterkoch 2016“.

Szene, Fisch und Fleisch

Wo Tom Cruise das Schnitzel schmeckt oder George Clooney eine Filmpremiere feiert, kann ein Dinner nicht verkehrt geplant sein. Natürlich verstecken sich prominente Gäste im „Borchardt“ oder „Grill Royal“ nur ganz zufällig direkt an den Tischen am Fenster, sodass sie auch ja keiner der wartenden Fotografen zu sehen bekommt. Ich persönlich bevorzuge Orte mit ein wenig mehr Abgeschiedenheit. Schick und stilvoll und vor allem top auf dem Teller geht es im Ableger von Boris Radczuns und Stephan Landwehrs „Grill“, dem „Dóttir“ (Foto) in Mitte zu (Mittelstraße 41). Dort grillt die Schwester von Künstler Ólafur Elíasson unaufgeregt bravourös Fisch, vorweg gibt es geschmolzene braune Butter zum Niederknien. Für Fleisch und Ambiente im ältesten noch erhaltenen Schulgebäude Berlins fahre ich ins „The Grand“ ebenfalls in Mitte (Hirtenstr. 4). Charolais- und Kobe-Rind vom 800-Grad-Celsius-Southbend-Grill. Welch eine Grundlage für Bar und Club danach – die befinden sich gleich mit im Haus.

Für Profis

Eine Weinbar so wunderbar

Über den sogenannten Trend „Weinbar“ können Anja und Carsten Schmidt nur lachen. Sie haben mit dem „Rutz“ bereits vor 15 Jahren die Idee von exzellenter Küche in Kleinigkeiten und entsprechender Begleitung im Glas dazu gehabt. In der „Weinbar Rutz“ in Mitte (Chausseestr. 8) gibt es beständig geprüft hervorragende Lagen und eine Auswahl von rund 1000 Flaschen, Eins-A-Gerichte wie Wollschweinrippchen, Blutwurstbrot, ofenfrische Oldenburger Bauernente mit Zuckerschotenpüree und unfassbar nette Gastgeber wie aktuell Falco Mühlichen. Ein Stockwerk höher sorgt Marco Müller (Foto) mit angeschlossenem Gourmetrestaurant für den Stern aus der Küche. Der gebürtige Potsdamer und „Berliner Meisterkoch 2011“ ist ein Erlebnis für sich. Wer einen Abend mit Humor, Herz und Handwerk erleben möchte, dem sei ein Besuch bei ihm empfohlen. Hier lässt sich Kreativität final erschmecken.

Und wer zu einem der vielzähligen Schmidt-Nachfolger gehen möchte, der möge in die „Cordobar“(Große Hamburger Str. 32/Mitte) einkehren. Oder bei Sternekoch Eberhard Lange im „Hugos“ (Budapester Str. 2/Tiergarten). Dieser hat nun ebenfalls eine Weinbar vor dem Gourmetrestaurant installiert – mit Blick auf Berlin bei Nacht aus dem 14. Stock.

Brutal lokal und einzigartig

Ob man ihn mag, oder nicht: An Billy Wagner (Foto, l.) aus dem „Nobelhart & Schmutzig“, dessen Werk gerade von einem Kolumnisten des „National Geographic“ als „pseudoprofessionelles Bohei“ bezeichnet wurde, scheiden sich die Geister. Was der Ex-Sommelier des „Rutz“ jedoch mit seinem ersten eigenen Restaurant und Küchenchef Micha Schäfer (r.) in Kreuzberg (Friedrichstraße 218) geschaffen hat, ist einzigartig. Tür mit Klingel, Eichentheke um die offene Küche, brutal lokal auf dem Teller und innerhalb von acht Monaten nach Eröffnung in 2015 einen Stern. Hingehen.

Den Stern sollte das „Einsunternull“ von Ivo Ebert in Mitte (Hannoversche Str. 1) in diesem Jahr auch bekommen. Der Ex-Gastgeber aus dem Zweisterne-„Reinstoff“ verfolgt ein ähnliches Konzept, jedoch auf kulinarisch komplexerem und für Konservative empfänglicherem Niveau. Spannend in der Kategorie „Eigen und einzigartig“ dürfte ebenfalls die Eröffnung des ersten eigenen Restaurants von Dylan Watson-Brawn mit Ex-„Rutz“-Sommelier Christoph Geyler werden. Watson-Brawn ist als 17-Jähriger von Vancouver nach Tokio in ein Dreisternerestaurant gegangen, hat in New York und im „Noma“ Halt gemacht und einen privaten Supperclub in Berlin betrieben. Im Herbst macht er „Ernst“, so soll sein erstes eigenes Restaurant in Berlin heißen.

Die Spitze der Sterneköche

Mit insgesamt 19 Sternerestaurants is(s)t Berlin bundesweit Spitze. 13 Ein-Sterne- und sechs Zwei-Sternerestaurants bieten Küche auf höchstem Niveau und, was besonders schön ist, eine große Auswahl an Atmosphäre. Ob geschmackvoll schlicht wie im „Richard“ in Kreuzberg, im Bistro-Stil-„Bandol sur mer“ in Mitte oder opulent extravagant à la „Lorenz Adlon Esszimmer“ vis-à-vis des Brandenburger Tores.

Zwei der Sterneköche liegen mit ihrer ganz eigenen Handschrift jedoch an der Spitze der Könner: Tim Raue (Foto, r.) aus dem „Restaurant Tim Raue“ in Kreuzberg (Rudi-Dutschke-Straße 26) in Kreuzberg und Hendrik Otto (l.) aus dem „Lorenz Adlon Esszimmer“ in Mitte (Unter den Linden 77). Ein Mal mindestens sollte man Raues Wasabi-Kaisergranat oder krosse Pekingente und Ottos Gänseleber oder seine Interpretation vom Toast Hawaii oder von einer Ofenkartoffel probiert haben. Was diese Männer schaffen, macht auch drei Tage nach dem Verzehr noch glücklich. Den lang ersehnten und längst berechtigten dritten Michelin-Stern für die Hauptstadt haben beide verdient – und ich bin mir sicher, dass es mindestens einen in diesem Spätherbst für Berlin geben wird.

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