Beratungsbus

Viele Arbeitslose werden in Jobcentern schlecht beraten

In einem Beratungsbus der Berliner Wohlfahrtsverbände und des Arbeitslosenzentrums bekommen Hilfesuchende Unterstützung.

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Die 38-jährige Alt-Mariendorferin steht kopfschüttelnd vor dem Jobcenter Tempelhof-Schöneberg. Seit Wochen kommt sie immer wieder her. „Es ist unmenschlich, niemand fühlt sich für mein Problem zuständig“, sagt sie – bis jetzt. Heute steht der Beratungsbus der Berliner Wohlfahrtsverbände und des Arbeitslosenzentrums vor den Türen des Jobcenters. Während sie hier über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt wird, erklärt sie, dass es zu einem Leistungsausfall kam zwischen Bafög und Arbeitslosengeld. Dass sie deswegen plötzlich nicht genügend Geld hatte, um Lebensmittel für ihren Sohn zu kaufen. Und wie verzweifelt sie war, weil ihr im Jobcenter nicht geholfen worden sei.

Dramatische Erlebnisse wie diese sind kein Einzelfall: 2200 Beratungen führten die Mitarbeiter der mobilen Beratungsstelle seit 2007 vor den Berliner Jobcentern durch. Sie prüfen kostenlos Bescheide und beantworten Fragen zur Rechtslage. Nun ist der Bus zum zehnten Mal unter dem Motto „Irren ist amtlich“ auf Tour. Am Dienstag wurde Bilanz gezogen.

Jeden Tag kommen im Durchschnitt 36 Ratsuchende

„Die Beratung im Bus wird immer noch gut frequentiert“, sagte der Koordinator des Projekts, Frank Steger. Durchschnittlich kommen 36 Ratsuchende pro Tag in den Bus. Immer wieder müssen die Mitarbeiter dabei feststellen, dass diese in den zwölf Berliner Jobcentern nicht ausreichend über ihre Rechte aufgeklärt werden.

Wie bereits in den Vorjahren sei der Dauerbrenner neben falschen Einkommensberechnungen auch in diesem Sommer nicht übernommene Wohnkosten. Grund dafür ist die anspannte Wohnsituation in Berlin. „Solche Themen erkennen wir im Alltag nicht immer, da hilft uns die Zusammenarbeit mit dem Bus“, sagte Lutz Mania, Sprecher der Berliner Jobcenter.

Zum ersten Mal wird der Bus in diesem Jahr vom Land Berlin finanziert. Er soll bei der Kontrolle der Jobcenter helfen. Dafür hatte Ende 2015 das Abgeordnetenhaus gestimmt. 60.000 Euro kostet es, dass der Bus nicht wie üblich sechs Wochen lang tourt, sondern insgesamt 26 Wochen. Auch für 2017 steht die Finanzierung. Doch ob die Wohlfahrtsverbände den Bus nochmal stellen, das sei noch unklar. „Berlin ist mit der sozialen Beratung schlecht aufgestellt, der Bus wird gebraucht“, sagte Steger. Statt nur saisonal würde er gern auch im Winter auf Bustour gehen.