Zahlen, Daten, Fakten

Neun Berliner Unternehmen, die Sie kennen sollten

Sie wollen Berlin noch besser kennenlernen? In diesem Teil erfahren Sie interessante Fakten über die wichtigsten Unternehmen in Berlin.

Heute steht Dussmann als Synonym für das vor 20 Jahren an der Friedrichstraße eröffnete Kaufhaus

Heute steht Dussmann als Synonym für das vor 20 Jahren an der Friedrichstraße eröffnete Kaufhaus

Foto: Sophia Kembowski / picture alliance / dpa

FÜR ANFÄNGER

Königliches Porzellan

Kein Unternehmen dieser Stadt hat eine so lange und wohl auch so prominente Geschichte wie die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM). Friedrich der Große höchstselbst hat sie 1763 gegründet. Hätte der Bankier Jörg Woltmann den Betrieb nicht vor zehn Jahren übernommen, mehr als 50 Millionen Euro in das defizitäre Unternehmen gesteckt und dieses in eine Stiftung umgewandelt – das Kulturgut wäre mutmaßlich zerschlagen worden.

An den Produktionsmethoden hat sich seit der Gründung wenig verändert: Die Herstellung einer Tasse beschäftigt 25 Manufakturisten in 29 Arbeitsschritten. Zehn Qualitätskontrolleure überprüfen die Tasse, bis sie nach 14 Tagen für 80 Euro verkaufsfertig ist.

Besonders Touristen unter den Porzellan-Liebhabern gefällt das. In Busladungen kommen sie in die historische Ringofenhalle an der Wegely­straße, wo eine Verkaufsausstellung einlädt. KPM bemüht sich zurzeit, die Beziehung zu ihren internationalen Kunden auf digitalem Wege zu pflegen.

Mitarbeiter: 170, Wegelystraße 1, Tiergarten,Tel. 390 090, Ausstellung und Verkauf: Mo.-Sbd. 10-18 Uhr,
Homepage: https://de-de.kpm-berlin.com

Alba – Die Entsorger

Alba steht in Berlin nicht nur für Basketball, sondern auch für Recycling: 695.000 Tonnen Eisenschrott hat das Unternehmen im ersten Halbjahr 2016 sortiert, aufbereitet und umgesetzt. Doch nicht nur das: Eine wichtige Umsatzquelle des Berliner Unternehmens sind auch die zahllosen Transport- und Endverpackungen aus Supermärkten, die zum festen Bestandteil großstädtischen Lebens geworden sind und in der gelben Tonne landen.

In der Ökobilanz schlägt sich das positiv nieder: Unternehmensangaben zufolge wurden durch die Recycling-Aktivitäten von Alba zuletzt 6,6 Millionen Tonnen Treibhausgase und 48,3 Millionen Tonnen Primärrohstoffe eingespart.

Der Wettbewerb auf dem Recyclingmarkt ist hart: Wie ein Unternehmenssprecher erläuterte, investierte das Unternehmen in eine bessere Sortierung und Aufbereitung des Schrotts, sodass die Alba SE für diese höhere Qualität auch höhere Preise erzielen konnte und deshalb trotz sinkender Umsätze vor allem durch chinesischen Stahl, der zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt kommt, im ersten Halbjahr knapp zwölf Millionen Euro Gewinn machte.

Mitarbeiter: 7500, davon 1300 in Berlin

Siemens: Gasturbinen für Kraftwerke

Wohl kaum ein anderes Industrieunternehmen ist so berlinisch wie Siemens: gegründet 1847 in einem Kreuzberger Hinterhof. Werner von Siemens und Johann Georg Halske bauten dort Telegrafen – damals eine innovative Datentechnologie. Heute würde man solche Menschen Start-up-Gründer nennen. Der Betrieb wuchs schnell und zog an den damaligen Rand der Stadt, auf das Niemandsland zwischen Spandau und Charlottenburg, das fortan den Namen Siemensstadt trug und 20 Hektar maß. Siemens ist das größte Industrieunternehmen der Stadt.

Von Berlin aus liefert Siemens Gasturbinen zum Beispiel nach Ägypten und Saudi-Arabien, baut Hochspannungsschalttechnik, Großantriebe für Industrie und Schiffbau, Schutzgeräte und Eisenbahnsignale. Siemens überstand zwei Weltkriege, die deutsche Teilung und wirtschaftliche Krisen: Zuletzt überschatteten mehrere Entlassungswellen das Gasturbinen-, Schalt- und Dynamowerk: Siemens reagiert auf die Marktveränderung durch die Energiewende. So werden mehr Generatoren für Windkraftanlagen gebraucht. Aber die werden nicht in Berlin gebaut.

Mitarbeiter: 12.000

FÜR FORTGESCHRITTENE

Collonil: Schuhpflege sogar für Veganer

Ein Paradebeispiel für den Berliner Mittelstand ist die Salzenbrodt GmbH mit ihrer seit mehr als 100 Jahren bekannten Leder- und Textilpflegemarke Collonil. Das Unternehmen aus Wittenau tätigt 30 Prozent des Umsatzes in Deutschland, 60 Prozent des Exports gehen in außereuropäische Länder, bis nach Japan und in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Geschäftsführer Frank Becker fürchtet sich vor der „Entlaubung des Einzelhandels“, wie er kürzlich sagte. Der Fachhandel ist seine wichtigste Umsatzquelle. Denn an der Kasse des Schuhhändlers werden die Sprays und Cremes von Collonil verkauft – eine Mischung aus Technologie und Zeitgeist. Im Angebot ist inzwischen sogar eine vegane Reinigungscreme. Von 12.000 auf 3000 sei die Zahl der Berliner Schuhgeschäfte gesunken.

Becker weiß, dass bereits jeder zweite Kunde im Netz einkauft und dass Onlineshops für jüngere Kunden die Haupteinkaufsquelle sind. Er weiß auch, dass der klassische Einzelhandel nur dann eine Chance hat, wenn er seine Trumpfkarte ausspielt: die Beratung. Collonil hat dazu eine Akademie gegründet, in der 180.000 Verkäufer geschult wurden.

Mitarbeiter: ca. 200; Online-Shop: www.collonil.com

Dussmann ist mehr als ein Kulturkaufhaus

Dussmann ist für die meisten Berliner und Besucher der Stadt ein Synonym für das vor 20 Jahren an der Friedrichstraße eröffnete Kulturkaufhaus. Doch das ist nur ein kleiner Teil des Imperiums, die Mission des 2013 verstorbenen Firmengründers Peter Dussmann. Die Dussmann Group hat 63.000 Beschäftigte und macht vor allem mit Gebäude-, Reinigungs- und Pflegedienstleistungen mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz.

Kultur spielt auch hier eine Rolle: So will Dussmann im Herbst in Berlin seinen sechsten Kulturkindergarten eröffnen. Die Gruppe sieht sich trotz der fünfstelligen Mitarbeiterzahl als Familienunternehmen. Das bedeutet für Firmenchef Dirk Brouwers vor allem, vom Kapitalmarkt unabhängig zu sein. So wächst das Unternehmen vorzugsweise organisch.

Familienunternehmen zu sein, heißt für ihn auch, soziale Verantwortung zu übernehmen. So stattete das Unternehmen kürzlich Flüchtlingsunterkünfte mit Bildungsboxen aus, die Kindern Zugang zur deutschen Kultur verschaffen sollen. Bis 2017 läuft zudem die Sanierung des Kulturkaufhauses für einen zweistelligen Millionenbetrag.

Mitarbeiter in Berlin: knapp 6000; Kulturkaufhaus, Friedrichstr. 90, Mitte, Tel 2025 1111, Mo.-Fr. 9-24, Sbd. 9-23.30 Uhr

Zalando und der Schrei vor Glück

„Schrei vor Glück!“ Die Werbekampagne machte den Berliner Online-Modehändler bekannt. Die Firma wurde im Jahr 2008 von David Schneider und Robert Gentz in Berlin gegründet. Ausgestattet mit 240 Millionen Dollar Wachstumskapital, unter anderem der drei Samwer-Brüder, schaffte die Internetplattform den Sprung in die Europaliga des E-Commerce und am 1. Oktober 2014 auch an die Börse.

Die internationalen Zalando-Shops verzeichnen monatlich rund 160 Millionen Besuche. Die meisten der 18,4 Millionen Kunden kaufen mit Smartphones und Tablets ein. Zalando macht mehr als drei Milliarden Euro Jahresumsatz und seit 2014 auch Gewinn.

Es wäre zu kurz gegriffen, Zalando nur für einen Internethändler zu halten. Die Firma ist längst ein Technologieunternehmen geworden – mit 1300 Werbe- und Datenexperten, deren Software den Kundinnen Produkte empfiehlt, von denen sie nicht einmal ahnen, dass sie sie brauchen.

Mitarbeiter in Berlin: 5000; Online-Shop: www.zalando.de

FÜR PROFIS

Here: Wissen, wo es lang geht

Christophe Maire war seiner Zeit weit voraus, als er 2000 die Firma Gate5 gründete: Die Bildschirme der Mobiltelefone waren briefmarkengroß, die mobilen Netze nach heutigen Maßstäben grottenschlecht und reichten kaum für mehr als SMS-Nachrichten und Telefonie.

Maires Vision war eine Navigationssoftware für mobile Geräte. 2006 verkauft er das Unternehmen mit 70 Mitarbeitern an Nokia und legte damit den Grundstock für seine spätere Tätigkeit als Start-up-Investor. Das war ein Jahr vor dem Marktstart des ersten iPhone.

Der damalige Gate5-Geschäftsführer Michael Halbherr entwickelte die Software weiter, die zur Grundlage für heutige Navigationslösungen – später unter dem Markennamen „Here“ – wurde. Das Unternehmen an der Invalidenstraße wurde im August 2015 für 2,8 Milliarden Euro zu gleichen Teilen an Audi, BMW und Daimler verkauft. In deren Auftrag entwickelt Here Präzisionskarten und Technologie für das (fahrerlose) Auto.

Mitarbeiter: 700, Kostenlose Naviations-App Here WeGo: https://wego.here.com

Rocket Internet: Die Mutter der Start-ups

Ohne diese Firma gäbe es in Berlin nicht viel mehr Start-ups als anderswo: Rocket Internet. Die drei Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer haben ihr Unternehmen mit den Verkaufserlösen eigener Firmen wie dem Klingeltonanbieter Jamba oder dem Ebay-Klon Alando gegründet.

Ihr Geschäftsmodell war der schnelle Aufbau von Internetunternehmen, ihre Internationalisierung und ihr Verkauf. Dabei scheuten die Brüder nie davor zurück, erfolgreiche Ideen zu kopieren und auf Märkte in Europa und in Schwellenländern zu bringen. Weil viele Gründer dieses Modell nachahmten, galt die Berliner Gründerszene lange Zeit als eine einzige Klonschmiede.

Inzwischen hat die Beteiligung an Firmen bei Rocket mehr Gewicht gewonnen: So kaufte das Unternehmen einen 30-Prozent-Anteil des Essenslieferdienstes Delivery Hero, vermutlich in der Hoffnung auf einen lukrativen Börsengang. Mit dem eigenen hatte Rocket wenig Erfolg: Die seit Oktober 2014 gehandelte Aktie verlor mehr als die Hälfte ihres Werts.

Trotzdem und obwohl aktuell 200 Millionen Euro Verlust geschrieben und Profitabilität erst für 2017 angekündigt wurde, halten die Aktionäre still. Derzeit zieht Rocket in den Ex-GSW-Tower (Foto), der damit zum Rocket Tower wird. Das Verdienst der Brüder: Ihre Firmen brachten viele Manager hervor, die selbst Gründer oder Investoren in Berlin geworden sind.

Mitarbeiter: 36.000, davon 300 im Headquarter Berlin, www.rocket-internet.com

N26: Bankfiliale auf dem Smartphone

Die Gründer hatten schon immer Großes vor. Als sie sich vor drei Jahren von ihrem ersten Investorengeld ein Büro Unter den Linden 26 mieteten (daher der Firmenname), neben Google und gegenüber von Microsoft, da rieb sich mancher Beobachter der Gründerszene irritiert die Augen.

Inzwischen sind sie in einen gesichtslosen Plattenbau aus DDR-Zeiten an der Klosterstraße (Mitte) umgezogen. Das Produkt hat inzwischen mehr Strahlkraft als die Adresse. Number26 oder N26, wie sich die Firma neuerdings nennt, gehört neben wenigen anderen Unternehmen (wie etwa Finleap) zu den Aushängeschildern der Berliner Finanztechnologie-Branche.

Die Wiener Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf haben ein Girokonto erfunden, das komplett mit dem Smartphone bedient werden kann, zuletzt haben sie eine eigene Bank mit europäischer Lizenz gegründet. Und nun wollen sie Finanzdienste an ihre Plattform andocken. Sofortkredite, Investments, Versicherungen und vieles mehr. Investoren wie PayPal-Miterfinder Peter Thiel haben 53 Millionen Dollar auf den Erfolg des Projekts gesetzt.

Mitarbeiter: 140; Online-Bank: www.n26.com

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