Charité

Die Müdigkeit nach dem Krebs besiegen

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Wolfgang W. Merkel
Die Strahlentherapie könnte ein Auslöser der Erschöpfung sein

Die Strahlentherapie könnte ein Auslöser der Erschöpfung sein

Foto: Mark Kostich / iStockphoto

Viele Patienten leiden auch Monate nach einer Tumorbehandlung an Erschöpfung. Eine Sprechstunde an der Charité hilft den Betroffenen.

Der Krebspatient ist erfolgreich behandelt, nun könnte er eigentlich aufatmen. Doch das Wiederaufnehmen des Alltags will nicht gelingen. Bis zu 30 Prozent der Krebspatienten leiden auch noch Monate oder Jahre nach ihrer Krebstherapie unter chronischer Müdigkeit und Erschöpfung. Die Kraftlosigkeit ist oft so stark, dass Arbeiten unmöglich ist und selbst Alltagsaufgaben kaum zu bewältigen sind.

Was die Ursachen dieser „Tumor-Fatigue“ sind, ist noch nicht endgültig geklärt und die Behandlung war bisher vielfach unbefriedigend. Als Anlaufstelle hat die Charité jüngst eine Tumor-Fatigue-Sprechstunde an den Klinikstandorten Virchow in Wedding (CVK) und Benjamin Franklin (CBF) in Steglitz eingerichtet. Dort können sich Betroffene beraten und behandeln lassen.

Neben der Müdigkeit sind auch andere Symptome nicht untypisch

„Die Symptome sind vielfältig“, sagt Anne Letsch, Oberärztin am Centrum für Tumormedizin am CBF: neben Müdigkeit und Energieverlust auch ein starkes Ruhebedürfnis, das in keinem Verhältnis zu den Aktivitäten steht.

Dazu schwere Glieder, Konzentrations-, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen, fehlendes Interesse an Alltagsaktivitäten, Schlaflosigkeit oder auch vermehrter oder wenig erholsamer Schlaf, dazu Traurigkeit oder Reizbarkeit.

Bevor die Charité-Medizinerinnen die Fatigue als solche behandeln können, müssen sie erst klären, ob nicht eine andere konkrete Krankheit hinter der Erschöpfung steckt. „Das kann Blutarmut sein, eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Wiederkehren des Krebses oder eine Depression“, sagt Anne Letsch.

Ebenso wie Medikamente kann Bewegung helfen

Heute weiß man, dass manchem körperliche Aktivität hilft. Anderen nutzt Yoga, Qigong, Akupunktur oder Veränderungen im Verhalten und in den Tagesabläufen, so Anne Letsch. Auch klassische „Wachmacher“ wie Guarana oder Ginseng können helfen sowie einige Medikamente.

Um die Umstände der Müdigkeit besser kennenzulernen, hilft es den Betroffenen, ein „Energie-Tagebuch“ anzulegen. „Mit dem Wissen über gute und schlechte Phasen können sie die anstehenden Aufgaben daran anpassen“, so die Krebsmedizinerin.

Die Patienten der Sprechstunde profitieren von den Erfahrungen einer Ambulanz für Immundefekte und einer Sprechstunde für das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS), die die Immunologin Professor Carmen Scheibenbogen leitet. CFS ähnelt der Tumor-Fatigue, es geht aber keine Krebserkrankung voraus. Die Charité-Mediziner vermuten zudem, dass bei der Tumor-Fatigue das Immunsystem besonders aktiv ist.

Sprechstunde: Anmeldung unter der Telefonnummer 450 624 103 (Mo., Di., Do., Fr 8–11Uhr), oder unter immunologie.charite.de/patientenversorgung/ und tumorfatigue@charite.de